Hollywood

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Veröffentlicht

Sonntag, 26.04.2026
von Red. TB

Hollywood baut um – und zwar in einer Größenordnung, die selbst für eine Branche der Superlative bemerkenswert ist. Die Aktionäre von Warner Bros. Discovery haben der 111 Milliarden Dollar schweren Übernahme durch Paramount zugestimmt. Sollte der Deal auch die Hürden der Wettbewerbsbehörden in den USA und Europa nehmen, entstünde ein Medienkonzern, der einen erheblichen Teil dessen kontrolliert, was die Welt streamt, schaut und diskutiert: von »Harry Potter« über »Game of Thrones« bis CNN.

Für Warner-Bros.-Chefaufseher Samuel DiPiazza ist die Sache erwartbar ein Zukunftsversprechen. Gemeinsam mit Paramount wolle man ein »außergewöhnliches Unternehmen« schaffen, das den Konsumenten mehr Auswahl biete und der globalen Kreativszene nütze. Solche Sätze gehören zum Standardvokabular großer Fusionen. Die eigentliche Botschaft lautet nüchterner: In einer Medienindustrie, die unter sinkenden TV-Erlösen, teuren Streamingkriegen und einem nervösen Werbemarkt leidet, wird Größe wieder zur Überlebensstrategie.

Dass Paramount nun zum Zug kommt, ist das Ende eines monatelangen Übernahmekrimis. Zunächst hatte auch Netflix Interesse an Warner Bros. signalisiert, zog sich dann aber zurück, nachdem Paramount ein höheres Angebot vorlegte. Nun könnte ausgerechnet der traditionsreiche, zuletzt aber oft taumelnde Konzern aus dem Hause Paramount zum neuen Schwergewicht werden – finanziell gestützt von Tech-Milliardär Larry Ellison, geführt von dessen Sohn David Ellison.

Damit bekommt der Deal sofort eine politische Nebenhandlung, die in den USA inzwischen fast zwangsläufig dazugehört. Larry Ellison gilt als prominenter republikanischer Großspender. Für Donnerstag ist in Washington ein Dinner mit Donald Trump angekündigt, Gastgeber: Ellison. Der Ort – das U.S. Institute of Peace – klingt nach außenpolitischer Ernsthaftigkeit, die Protestierenden vor dem Gebäude sprechen dagegen bereits von einer »Korruptionsgala«. Unter ihnen soll auch Schauspieler Mark Ruffalo sein.

Die Kritik entzündet sich nicht nur an der schieren Marktmacht des Zusammenschlusses, sondern vor allem an CNN. Mit der Übernahme würde Paramount auch den Nachrichtensender kontrollieren – und damit eine Marke, die seit Jahren zu Donald Trumps liebsten Feindbildern zählt. Trump hatte bereits im Dezember erklärt, CNN müsse im Zuge einer Warner-Übernahme verkauft werden. Die Führung des Senders nannte er »korrupt oder inkompetent«. In einem Land, in dem Medienkonzerne längst Teil des parteipolitischen Kulturkampfs sind, wird die Frage, wem CNN gehört, schnell zur Frage, wem eine nationale Öffentlichkeit gehört.

Auch in Hollywood wächst der Widerstand. Mehr als 1400 Schauspieler, Regisseure und Filmschaffende – darunter Emma Thompson, Ben Stiller und Javier Bardem – warnten in einem offenen Brief vor den Folgen. Ihre Diagnose: weniger Jobs, weniger Chancen für Kreative, höhere Kosten und am Ende weniger Auswahl für das Publikum. Das ist nicht nur das übliche Lamento einer nervösen Branche. Seit Jahren gilt die US-Unterhaltungsindustrie als strukturell angeschlagen: Streamingplattformen kürzen Budgets, Studios streichen Projekte, Kinos kämpfen ums Publikum, und selbst große Marken sind keine Garantie mehr für stabile Einnahmen.

Paramount versucht, diese Sorge rhetorisch zu entschärfen. Man bekenne sich zu Talenten und wolle sicherstellen, dass Kreative »mehr Wege« für ihre Arbeit hätten, nicht weniger. Es ist das übliche Versprechen in einer Branche, in der Fusionen fast immer mit Synergien begründet werden – und Synergien oft ein höflicheres Wort für Stellenabbau sind.

Auch politisch dürfte der Deal nicht geräuschlos durchgehen. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren nannte ihn ein »kartellrechtliches Desaster« und kündigte Widerstand an. Bundesstaatliche Generalstaatsanwälte könnten versuchen, den Zusammenschluss zu blockieren. Noch ist also nichts entschieden. Die Zustimmung der Aktionäre ist nur eine Etappe, nicht das Finale.

Allerdings rechnen nicht alle mit ernsthaftem Widerstand in Washington. Der Forrester-Analyst Mike Proulx glaubt, dass die US-Politik den Deal am Ende eher durchwinken dürfte. Der eigentliche regulatorische Druck komme aus Europa. Dort werde genauer auf die strukturellen Marktfolgen geschaut – und dort könnten Zeitplan und Bedingungen des Deals tatsächlich noch verändert werden.

Sollte die Fusion durchgehen, hätte Paramount künftig nicht nur die klassischen TV-Marken Nickelodeon, CBS und Comedy Central unter seinem Dach, sondern auch HBO Max, Discovery, Food Network, den Discovery Channel und diverse Sportrechte. Mit anderen Worten: ein gigantisches Paket aus Prestige-Streaming, Kinderfernsehen, Reality-TV, Nachrichten, Sport und Franchise-Blockbustern. Genau diese Mischung macht den Deal so attraktiv – und so heikel.

Denn die Logik dahinter ist simpel: Wenn das Publikum fragmentiert, der Werbemarkt schwankt und Streaming nicht mehr automatisch Gold druckt, dann versuchen Konzerne, sich über Masse zu stabilisieren. Mehr Inhalte, mehr Marken, mehr Plattformen, mehr Verhandlungsmacht. Die Kehrseite: weniger Wettbewerb, weniger unabhängige Anbieter, weniger Spielraum für jene, die keine Milliardenbibliotheken besitzen.

Paramount rechnet damit, die Übernahme bis September abzuschließen – vorausgesetzt, die Behörden spielen mit. Bis dahin bleibt der Deal das, was große Medienfusionen heute fast immer sind: zugleich ein betriebswirtschaftlicher Befreiungsschlag, ein kulturpolitischer Konflikt und ein Machtkampf um die Frage, wer künftig bestimmt, was Amerika sieht – und was es über sich selbst erzählt.

Bildnachweis:

bissartig (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Sonntag, 26.04.2026

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