Donald Trump macht wieder das, was er am besten kann: aus allem eine Show. Diesmal ist die Bibel dran. Nachdem der Streit mit dem Papst unerquicklich lief und das peinliche KI-Bild als Jesus selbst im MAGA-Milieu nicht nur Hosianna ausgelöst hat, greift der Präsident nun zur nächsten Eskalationsstufe der Selbstverklärung: Bibellesung aus dem Oval Office.
Am 21. April will Trump bei „America Reads The Bible“ per Videobotschaft aus dem Machtzentrum der Vereinigten Staaten auftreten und aus 2. Chronik 7 vorlesen. Ja, genau jener Passage mit dem berühmten Satz, dass sich das Volk demütigen solle. Ein Text, der bei Trump ungefähr so glaubwürdig wirkt wie ein Fitnessratgeber von Homer Simpson.
Laut den Organisatoren brauchte man für dieses Kapitel „jemanden Besonderen“. Da hat man offenbar lange gesucht – und sich dann für den Mann entschieden, der kürzlich erst ein KI-Bild von sich als Jesus postete, es wieder löschte und anschließend behauptete, er habe gedacht, es sei ein Bild von ihm als Arzt. Natürlich. Und Mona Lisa ist eigentlich ein Sparkassenplakat.
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen:
Erst Papst beleidigen. Dann als Jesus posieren. Dann Bibel lesen.
Das ist keine Glaubensreise, das ist eine Casting-Show mit Sakramenten.
Trump hatte Papst Leo zuletzt attackiert, weil dieser den Iran-Krieg kritisierte. Der Präsident erklärte, er sei „kein Fan“ des Papstes. Was für ein Satz. Als würde ein Reality-TV-Star dem Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken mitteilen, dass er beim letzten Auftritt nicht genug Quote gemacht hat.
Der Papst reagierte deutlich gelassener. Trump dagegen zog weiter – und landete direkt im nächsten religiösen Fettnäpfchen. Das KI-Jesusbild war so geschmacklos, dass sogar Teile seiner eigenen Anhängerschaft kurz innehielten und vermutlich dachten: Vielleicht diesmal doch ein Hauch zu viel.
Also jetzt Plan B:
Vom falschen Messias zum offiziellen Bibelsprecher.
Natürlich ist das kein Zufall, sondern perfektes Trump-Marketing. Das Weiße Haus verwandelt sich seit Monaten Stück für Stück in eine Mischung aus Gebetskreis, Wahlkampfbühne und Evangelikalen-Fanconvention. Bibelverse auf Regierungsaccounts, Gebetsaufrufe aus Bundesbehörden, christliche Symbolik in der Staatskommunikation – die Trennung von Kirche und Staat wird nicht abgeschafft, sie wird von Trump einfach als unnötige Altbauwand betrachtet.
Und Verteidigungsminister Pete Hegseth? Der versucht parallel offenbar, das Pentagon in eine bewaffnete Bibelstunde umzubauen. Journalisten nennt er Pharisäer, radikale Prediger mit Theokratie-Fantasien dürfen auftreten – man wartet eigentlich nur noch auf den ersten Luftschlag mit Segnung durch Livestream.
Historiker warnen seit Längerem: Glaube als persönliche Überzeugung ist etwas anderes als Glaube als politisches Herrschaftsinstrument. Aber genau da liegt das Muster bei Trump. Er benutzt Religion nicht als Kompass – sondern als Kulisse. Die Bibel wird dabei nicht gelesen, sie wird inszeniert. Und das Oval Office wird nicht zum Ort der Andacht, sondern zur Bühne für den nächsten großen Auftritt des Mannes, der sich offenbar für alles hält: Präsident, Friedensstifter, Feldherr, Papstkritiker, Arzt – und notfalls eben auch halber Erlöser.
Bleibt nur die Frage, was als Nächstes kommt.
Eine Bergpredigt von Mar-a-Lago?
Ein Abendmahl mit Fox-News-Moderatoren?
Oder vielleicht gleich die Zehn Gebote – exklusiv auf Truth Social, signiert in Goldschrift.
Kurz gesagt:
Wenn Trump aus der Bibel liest, dann nicht aus Demut.
Sondern weil selbst die Heilige Schrift inzwischen Teil seiner Dauerwerbesendung geworden ist.

