Tote durch Angriffe aus Israel

Tote durch Angriffe aus Israel

Veröffentlicht

Donnerstag, 16.04.2026
von Red. TB

Drei Angriffe in Serie, drei tote Sanitäter, ein Muster, das im Libanon längst als Botschaft verstanden wird: Wer hilft, lebt gefährlich. Im Süden des Landes sind nach Angaben der libanesischen Behörden erneut Rettungskräfte bei israelischen Angriffen getötet worden. Beirut spricht von einem gezielten Schlag gegen medizinisches Personal – und von einem möglichen Kriegsverbrechen.

Der Vorfall ereignete sich am Mittwoch in Mayfadoun in der Region Nabatäa. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurde zunächst ein Team der Islamischen Gesundheitsvereinigung getroffen, als es nach einem israelischen Luftangriff Verletzte bergen wollte. Ein Sanitäter starb, ein weiterer wird vermisst. Ein zweites Team, das zur Hilfe eilte, wurde ebenfalls attackiert. Drei Rettungskräfte wurden verletzt.

Dann folgte der dritte Einschlag. Zwei Ambulanzfahrzeuge der Risala-Scout-Vereinigung und des Ambulanzdienstes von Nabatäa, die zum Einsatzort unterwegs waren, gerieten ebenfalls unter Beschuss. Zwei weitere Sanitäter wurden getötet, drei verletzt.

Unter den Opfern ist Fadel Serhan, 43 Jahre alt, Sanitäter, Vater einer achtjährigen Tochter. Erst vor wenigen Tagen hatte ihn die BBC bei seiner Arbeit begleitet. Seine Rettungsstation in Mayfadoun war bereits zu Kriegsbeginn zerstört worden, seitdem arbeitete sein Team aus einem provisorischen Zelt vor dem Nabih-Berri-Krankenhaus in Nabatäa. Kollegen beschreiben ihn als humorvoll, hilfsbereit, unermüdlich. Schon im letzten Krieg blieb er, um zu helfen. Auch diesmal.

Die israelische Armee äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall.

Für den Libanon ist der Fall kein Einzelfall, sondern Teil einer alarmierenden Entwicklung. Seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der Hisbollah am 2. März wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums 91 Beschäftigte im Gesundheitswesen getötet und 208 verletzt. Mehr als 120 Angriffe auf Krankenwagen und medizinische Einrichtungen seien registriert worden. Insgesamt meldet Beirut über 2100 Tote und 7000 Verletzte, darunter Hunderte Frauen und Kinder.

Israel wirft der Hisbollah seit Langem vor, Ambulanzen und medizinische Einrichtungen militärisch zu nutzen. Öffentliche Belege dafür legt die Regierung in Jerusalem bislang nicht vor. In Beirut werden diese Vorwürfe als Schutzbehauptung zurückgewiesen. Die betroffenen Rettungsdienste stehen zwar politischen Lagern nahe – die Islamische Gesundheitsvereinigung der Hisbollah, die Risala-Scout-Vereinigung der Amal-Bewegung. Doch genau darin liegt die juristische Brisanz: Nähe ist kein Freibrief.

Menschenrechtsorganisationen warnen seit Wochen. Nach internationalem humanitärem Recht verlieren Zivilisten, auch medizinisches Personal, ihren Schutzstatus nicht allein wegen organisatorischer oder politischer Verbindungen. Wer Sanitäter gezielt angreift, während sie Verwundete versorgen, verstößt womöglich schwer gegen das Kriegsrecht. Amnesty International spricht offen von möglichen Kriegsverbrechen.

Im Süden des Libanon wächst damit ein Eindruck, der gefährlicher ist als jede offizielle Erklärung: dass selbst der Rettungswagen kein Schutzraum mehr ist. Dass der Weg zum Verletzten zur Todesfalle werden kann. Und dass in diesem Krieg nicht nur Fronten verschwimmen, sondern auch die letzten Regeln.

Bildnachweis:

Pix-Off (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Donnerstag, 16.04.2026

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