Unter einer brüchigen Waffenruhe kehren viele Iraner zurück in ihr Land – und fragen sich, ob ausgerechnet jetzt ein Abkommen mit den USA noch möglich ist. Auf den Straßen im Nordwesten des Landes rollt wieder mehr Verkehr, an den Grenzübergängen drängen sich Rückkehrer. Der Frühling ist da, aber die Angst bleibt.
„Ich war einen Monat mit meinem Sohn in der Türkei“, sagt ein Bankangestellter an der Grenze. In seiner Heimat im Norden, erzählt er, hätten die israelischen und amerikanischen Angriffe vor allem militärische Ziele getroffen. Andere berichten von Einschlägen in Wohnvierteln, von den Basij-Milizen, die weiter durch die Straßen ziehen, und von der Furcht, dass die Feuerpause nur ein kurzer Aufschub ist. „Trump wird den Iran nie in Ruhe lassen“, sagt ein Mann nach der Einreise. „Er will uns verschlingen.“
Auf der langen Fahrt nach Teheran wird klar, wie fragil diese Ruhe ist. Flughäfen sind weiterhin geschlossen, die Hauptstadt ist nur auf dem Landweg erreichbar. Eine zentrale Brücke auf der Route zwischen Tabriz und Teheran ist nach Raketenbeschuss eingestürzt, Autos werden über kurvige Nebenstraßen umgeleitet. Donald Trump drohte zuletzt offen damit, innerhalb einer Stunde „jede einzelne Brücke“ und jedes Kraftwerk im Iran zerstören zu können – „wenn wir wollten“.
Juristen sprechen inzwischen von möglichen Verstößen gegen das Völkerrecht. Washington und Jerusalem weisen das zurück und betonen, man greife ausschließlich militärische Ziele an. Tatsächlich liegen am Stadtrand von Tabriz zerstörte Kasernen der Revolutionsgarden in Trümmern. Doch auch zivile Infrastruktur ist getroffen worden – und mit ihr das ohnehin fragile Vertrauen vieler Iraner, dass diese Waffenruhe mehr ist als eine taktische Pause.
Im Land selbst ist der Widerspruch sichtbar: Frauen mit Kopftuch laufen neben Frauen ohne Kopfbedeckung. Es ist das Erbe der Protestbewegung „Frau, Leben, Freiheit“. Viele weigern sich, zur alten Ordnung zurückzukehren, auch wenn die Gesetze geblieben sind. Gleichzeitig hängt über allem die Frage, wer in Teheran gerade wirklich entscheidet. Nach dem Tod von Ali Khamenei zu Beginn des Krieges gilt sein Sohn Mojtaba als Schlüsselfigur – offiziell kaum sichtbar, im Machtapparat aber offenbar zentral.
Hinter den Kulissen laufen Verhandlungen. In Islamabad traf eine US-Delegation unter Vizepräsident JD Vance auf iranische Vertreter um Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf. Aus Teheran heißt es nun, man wolle ein vollständiges Kriegsende, die Aufhebung der Sanktionen und Entschädigungen für die Schäden der Angriffe. Aus Washington kommen harte Forderungen: keine Urananreicherung mehr, Rückbau der Anlagen, Herausgabe hoch angereicherten Urans, Öffnung der Straße von Hormus und ein Ende der Unterstützung für regionale Milizen wie Hamas und Hisbollah.
Teheran hat laut Berichten bereits zentrale Forderungen zurückgewiesen. Weder ein 20-jähriges Moratorium für die Urananreicherung noch die vollständige Herausgabe seines Bestands an hoch angereichertem Uran will das Regime akzeptieren. Gleichzeitig zeigt sich Iran trotz amerikanischer Blockade im Persischen Golf bislang nicht bereit, nachzugeben. Im Gegenteil: Militärs drohen inzwischen offen damit, Exporte und Importe in der Region lahmzulegen.
Pakistan versucht zu vermitteln, eine zweite Gesprächsrunde in Islamabad gilt als wahrscheinlich. Auch eine Verlängerung der zweiwöchigen Feuerpause steht im Raum. In Washington wächst die Hoffnung, dass der militärische Höhepunkt fürs Erste überschritten ist. Im Iran überwiegt ein anderes Gefühl: Die Menschen leben von Tag zu Tag.
Nach Monaten der Proteste, der Repression, des Krieges und des Internetausfalls hoffen viele auf ein Abkommen. Nicht aus Loyalität zur Führung. Sondern weil sie wollen, dass die Sanktionen enden – und das Leben irgendwann wieder beginnt.

