Montenegro drängt Richtung EU – kleiner Staat, große Signalwirkung

Montenegro drängt Richtung EU – kleiner Staat, große Signalwirkung

Veröffentlicht

Mittwoch, 15.04.2026
von Red. TB

Montenegro gilt derzeit als aussichtsreichster EU-Beitrittskandidat auf dem Westbalkan. Der kleine Staat mit rund 600.000 Einwohnern verhandelt seit 2012 über einen Beitritt und hofft nun auf eine Aufnahme bis 2028. Auch in Brüssel wächst die Bereitschaft, das Land zügig aufzunehmen – nicht zuletzt aus geopolitischen Gründen.

Für die EU könnte Montenegro zum Symbol werden: ein Beweis dafür, dass Reformen tatsächlich belohnt werden. „Die EU braucht einen Vorzeigekandidaten“, sagt der Südosteuropa-Experte Ulf Brunnbauer. Weil Montenegro klein ist, wäre es wirtschaftlich vergleichsweise leicht integrierbar. Österreich zählt zu den klaren Befürwortern einer Erweiterung um die Westbalkan-Staaten.

Außenpolitisch orientiert sich Montenegro bereits seit Jahren eng an der EU. Das Land nutzt seit 2003 den Euro und unterstützt auch die Sanktionen gegen Russland. Dennoch bleibt der Weg schwierig: Bisher wurden erst 14 von 33 Verhandlungskapiteln abgeschlossen, zentrale Reformfelder wie Justiz und Rechtsstaatlichkeit stehen noch aus.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat dem Erweiterungsprozess neuen Schwung verliehen. Ein EU-Beitritt Montenegros würde aus Sicht Brüssels auch den Einfluss Moskaus auf dem Westbalkan begrenzen. Genau darin liegt die strategische Bedeutung des Landes.

Innenpolitisch hat sich Montenegro in den vergangenen Jahren verändert. Die langjährige Macht der alten Eliten wurde gebrochen, heute regiert eine proeuropäische Koalition unter Premierminister Milojko Spajic. Allerdings muss sie sehr unterschiedliche politische Lager zusammenhalten – darunter auch proserbische und prorussische Kräfte.

Wirtschaftlich wächst Montenegro stabil, trägt aber noch Altlasten mit sich herum. Vor allem ein milliardenschwerer chinesischer Kredit für ein Autobahnprojekt belastete das Land lange erheblich. Die EU drängt daher auf solide Finanzpolitik.

Sollte Montenegro tatsächlich vor Serbien der EU beitreten, hätte das weit über das Land hinaus Wirkung. Es wäre ein politisches Signal an die gesamte Region: Wer reformiert, kann es schaffen.

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von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 15.04.2026

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