Trump absetzen? Gute Idee. Fehlt nur noch Amerika.

Trump absetzen? Gute Idee. Fehlt nur noch Amerika.

Veröffentlicht

Mittwoch, 15.04.2026
von Red. TB

Die Demokraten im US-Kongress haben wieder einmal eine dieser Ideen, die auf dem Papier staatsmännisch, in der Realität aber ungefähr so durchsetzbar sind wie ein Tempolimit auf Donald Trumps Ego. Diesmal geht es um den 25. Verfassungszusatz. Genauer: um einen Gesetzentwurf, der eine Kommission schaffen soll, die prüfen darf, ob Präsident Donald Trump eigentlich noch amtsfähig ist.

Kurz gesagt: Washington diskutiert mal wieder, ob der Mann, der mit nächtlichen Drohpostings, geopolitischen Wutausbrüchen und digitalen Messias-Bildern die Welt bespielt, vielleicht doch nicht die idealste Besetzung für den nuklearen Code sein könnte. Revolutionäre Erkenntnis, 2026.

Angeführt wird der Vorstoß von Jamie Raskin, einem der wenigen Demokraten, die in Sachen Verfassung noch so klingen, als hätten sie tatsächlich mal eine gelesen. Unterstützt wird er von rund 50 Parteikollegen. Der Plan: eine 17-köpfige Kommission, geschniegelt, institutionell geschniegelt, sorgfältig austariert zwischen Parteivertretern, Ex-Regierungsbeamten und womöglich sogar einem Arzt. Amerika liebt schließlich nichts mehr als Gremien, wenn es an Mut fehlt.

Diese Kommission dürfte dann prüfen, ob Trump womöglich nicht mehr in der Lage ist, sein Amt auszuüben. Der Anlass: seine jüngsten Ausfälle in der Iran-Krise, inklusive jener Art von Social-Media-Diplomatie, bei der man nie genau weiß, ob gerade Weltkrieg, Wahlkampf oder ein Caps-Lock-Unfall stattfindet.

Klingt dramatisch. Klingt historisch. Klingt nach „Jetzt reicht’s wirklich“.
Hat nur einen kleinen Haken: Ohne JD Vance passiert exakt gar nichts.

Denn der 25. Verfassungszusatz ist kein Zaubertrick, sondern ein Mechanismus. Und dieser Mechanismus verlangt, dass der Vizepräsident mitmacht. Also ausgerechnet JD Vance. Jener Mann, der dem Papst kürzlich noch Theologieunterricht erteilen wollte und Donald Trump ungefähr so kritisch gegenübersteht wie ein Goldfisch einem Aquarium. Man könnte also auch sagen: Die Demokraten planen Trumps Entmachtung mit Hilfe seines loyalsten politischen Beistelltischs.

Selbst wenn diese Kommission also zu dem Schluss käme, dass der Präsident mental, emotional oder charakterlich auf Sendung mit dem Niveau einer Dauerkrise funkt – ohne Vance bleibt das Ganze ein sehr schönes PDF-Dokument mit Verfassungsbezug.

Und selbst mit Vance wäre der Weg kaum realistischer. Denn Trump könnte das Gesetz zunächst einmal vetorechtlich zerlegen. Danach müsste sich durch einen republikanisch dominierten Kongress plötzlich eine Mehrheit finden, die den Mann entmachtet, den die Partei seit Jahren entweder anbetet, fürchtet oder aus Karrieregründen mit stoischer Selbstverleugnung erträgt. Und falls das alles wider Erwarten passiert, bräuchte es am Ende auch noch eine Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern.

Anders formuliert:
Es wäre leichter, Trump zum Vegetarier zu machen.

Natürlich wissen das auch die Demokraten. Dieser Vorstoß ist deshalb weniger ein realer Sturzversuch als ein politischer Alarmruf mit verfassungsrechtlichem Anstrich. Eine Art institutionalisierte Schlagzeile: Seht her, wir finden den Präsidenten gefährlich genug, um offiziell über seine Amtsfähigkeit zu sprechen. Das ist nicht nichts. Aber es ist eben auch nicht der Beginn einer tatsächlichen Absetzung – eher der Beginn einer weiteren Runde moralischer Selbstvergewisserung im Oppositionsmodus.

Denn das eigentliche Drama ist nicht, dass Trump sich aufführt wie ein Mann, dem man besser keinen Zugriff auf Weltpolitik, Märkte und spontane Kränkungsketten gibt. Das eigentliche Drama ist, dass Amerika inzwischen längst an genau diesen Zustand gewöhnt ist. Wenn ein Präsident offen eskaliert, Gegner beschimpft, Institutionen demütigt und Außenpolitik wie ein Reality-TV-Finale inszeniert, reagieren Teile des Landes nicht mit Schock, sondern mit Umfrageanalyse.

So wird aus dem 25. Zusatzartikel eine Art demokratisches Trostpflaster. Man klebt ihn auf ein politisches System, das den eigentlichen Eingriff längst verpasst hat. Der Text ist da, die Theorie ist da, die Empörung ist da – nur die Mehrheiten, die Konsequenz und die republikanische Selbstachtung fehlen leider weiterhin.

Und genau deshalb ist die Kommission vor allem eins: ein hübscher Versuch, Ordnung in ein System zu bringen, das sich längst an den Ausnahmezustand gewöhnt hat.

Fazit:
Die Demokraten wollen Trump mit der Verfassung stoppen.
Die Republikaner kontrollieren den Kongress.
JD Vance müsste mitmachen.

Oder, kürzer:
Die Idee ist ernst. Das Land eher nicht.

Bildnachweis:

MIH83 (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 15.04.2026

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