Gegen den früheren US-Kongressabgeordneten Eric Swalwell werden weitere schwere Vorwürfe erhoben. Eine weitere Frau beschuldigt den ehemaligen demokratischen Politiker, sie im Jahr 2018 in einem Hotelzimmer unter Drogen gesetzt und vergewaltigt zu haben. Swalwell weist sämtliche Anschuldigungen entschieden zurück.
Die Frau, Lonna Drewes, trat am Dienstag gemeinsam mit ihrer Anwältin Lisa Bloom an die Öffentlichkeit. Sie erklärte, sie habe lange gezögert, mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit zu gehen – aus Angst vor Swalwells damaligem politischen Einfluss.
Nach Angaben von Drewes habe sie Swalwell 2018 in Beverly Hills kennengelernt, als sie als Model arbeitete. Zunächst habe sie ihn als Freund betrachtet. Bei einem dritten Treffen habe Swalwell erklärt, er müsse kurz in sein Hotelzimmer zurückkehren, um etwas zu holen. Dort sei es laut Drewes zu dem mutmaßlichen Übergriff gekommen.
Sie schilderte, sie habe zuvor lediglich ein Glas Wein getrunken, sei jedoch bei Ankunft im Hotelzimmer plötzlich kaum noch bewegungsfähig gewesen. Deshalb gehe sie davon aus, dass sie möglicherweise unter Drogen gesetzt worden sei. Sie sagte weiter, sie habe das Bewusstsein verloren und der sexuellen Handlung nicht zugestimmt.
Eine medizinische Untersuchung nach dem Vorfall habe sie damals nicht durchführen lassen. Nach eigenen Angaben habe sie jedoch engen Freunden von dem Geschehen berichtet. Ihre Anwältin kündigte an, eine Anzeige bei der Polizei in Los Angeles einreichen zu wollen.
Swalwell weist alle Vorwürfe zurück
Eric Swalwell, der inzwischen sowohl aus dem US-Kongress ausgeschieden ist als auch seine Kandidatur für das Amt des Gouverneurs von Kalifornien zurückgezogen hat, bestreitet die Anschuldigungen.
Seine Anwältin Sara Azari erklärte, die Vorwürfe seien „falsch, frei erfunden und zutiefst beleidigend“. Es handle sich um einen „gezielten politischen Angriff“. Auch frühere Anschuldigungen wegen sexuellen Fehlverhaltens hatte Swalwell bereits zurückgewiesen.
Weitere Frauen mit Vorwürfen
Die neuen Vorwürfe kommen zu einer Reihe weiterer Anschuldigungen hinzu, die in den vergangenen Tagen öffentlich wurden. Bereits zuvor hatten mehrere Frauen Swalwell Fehlverhalten vorgeworfen – darunter Belästigung, das Versenden unerwünschter expliziter Bilder sowie in einzelnen Fällen ebenfalls sexuelle Übergriffe bis hin zum Vorwurf der Vergewaltigung.
Zwei Frauen, Annika Albrecht und Ally Sammarco, schilderten in US-Medien, Swalwell habe ihnen über soziale Netzwerke und Snapchat unerwünschte sexuelle Nachrichten und Bilder geschickt. Beide erklärten, sie fühlten sich durch seinen Rückzug aus dem Kongress bestätigt, betonten aber zugleich, dass damit für sie noch keine vollständige Gerechtigkeit erreicht sei.
Eine weitere Frau, die anonym bleiben will, hatte laut US-Medien erklärt, sie sei 2019 nach einem gemeinsamen Abend mit Swalwell nackt in seinem Hotelbett aufgewacht und habe nur verschwommene Erinnerungen an die Nacht gehabt. Auch diesen Vorwurf weist Swalwell zurück.
Ermittlungen und politische Folgen
Angesichts der Vorwürfe beschäftigt sich inzwischen auch der Ethikausschuss des US-Repräsentantenhauses mit dem Fall. Zudem berichten US-Medien, dass auch Strafverfolgungsbehörden Vorwürfe gegen Swalwell prüfen.
Nach seiner Rückkehr aus der Sitzungspause wollte sich der Kongress mit mehreren Fällen mutmaßlichen Fehlverhaltens befassen. Noch am Dienstag trat Swalwell offiziell von seinem Mandat zurück.
Die Vorwürfe haben in Washington erhebliche politische Wellen ausgelöst. Beobachter sprechen bereits von einem neuen #MeToo-Moment auf dem Capitol Hill, nachdem mehrere Fälle mutmaßlichen sexuellen Fehlverhaltens gegen Abgeordnete gleichzeitig bekannt wurden.
Unschuldsvermutung gilt
Bislang handelt es sich um Vorwürfe und Anschuldigungen, über die noch nicht rechtskräftig entschieden wurde. Strafrechtliche Ermittlungen und mögliche Verfahren stehen teils noch am Anfang. Für Eric Swalwell gilt daher wie in jedem rechtsstaatlichen Verfahren die Unschuldsvermutung.

