21 Stunden Friedenstheater, null Ergebnis: Vance winkt zum Abschied, Trump ist’s egal, Iran verlangt weniger „überzogene Forderungen“

21 Stunden Friedenstheater, null Ergebnis: Vance winkt zum Abschied, Trump ist’s egal, Iran verlangt weniger „überzogene Forderungen“

Veröffentlicht

Sonntag, 12.04.2026
von Red. TB

US-Vizepräsident JD Vance hat nach den angeblich historischen Friedensgesprächen mit dem Iran in Islamabad verkündet, dass es – man höre und staune – keine Einigung gibt. Nach 21 Stunden Verhandlungen, mehreren Pressefotos, nächtlichem Durchhalten und wahrscheinlich literweise süßem Tee stellte sich also heraus, dass sich Washington und Teheran nicht mal eben auf Frieden, Atomfragen und die Straße von Hormus einigen konnten. Wer hätte das ahnen können.

Vance erklärte, die USA seien selbstverständlich „in good faith“ angereist, also in bester Absicht, mit offenem Geist und vermutlich auch mit dem festen Glauben, dass ein Regime, das seit Jahrzehnten auf Trotz, Drohkulisse und strategische Erpressung setzt, sich nach einer langen Nacht plötzlich bekehrt. Leider habe der Iran sich nicht zu einem „grundlegenden Bekenntnis“ durchringen können, künftig keine Atomwaffen zu entwickeln. Kurz gesagt: Washington wollte eine Kapitulation mit freundlichem Briefkopf, Teheran sah dafür keinen Anlass.

Die US-Position klang dabei gewohnt bescheiden. Vance sagte, man habe dem Iran das „letzte und beste Angebot“ gemacht, sei „ziemlich flexibel“ gewesen und habe sogar über eingefrorene iranische Vermögen gesprochen. Man sei also angeblich kompromissbereit gewesen – nur eben unter der kleinen Bedingung, dass Teheran sein strategisches Hauptpfand aus der Hand gibt. Dass das nicht sofort Begeisterungsstürme in der iranischen Delegation auslöste, dürfte in Washington trotzdem für echte Verwunderung gesorgt haben.

Aus Teheran kam die übliche, aber diesmal nicht ganz unplausible Replik: Die Gespräche seien „intensiv“ gewesen, Washington solle aber bitte auf „überzogene Forderungen und rechtswidrige Wünsche“ verzichten. Das klingt im Kern nach: Wir reden ja gern, aber wenn ihr unter Verhandlung „einseitige Unterwerfung mit Dankesbekundung“ versteht, wird’s schwierig.

Dann der fast schon poetische Höhepunkt amerikanischer Außenpolitik: Während in Islamabad bis in die frühen Morgenstunden über Krieg, Uran, Sanktionen und die Öffnung der Straße von Hormus verhandelt wird, erklärt Donald Trump in Washington sinngemäß, es sei ihm vollkommen egal, ob ein Deal zustande kommt. „Es macht für mich keinen Unterschied“, sagt der Präsident – und legt nach: „Egal, was passiert, wir gewinnen.“ Eine bemerkenswerte Definition von Diplomatie. Wenn Verhandlungen scheitern, hat man gewonnen. Wenn sie gelingen, sowieso. Wenn alles eskaliert, vermutlich erst recht. Es ist die geopolitische Version von: Ich wollte da ohnehin nicht hin.

Parallel meldet das US Central Command, zwei amerikanische Zerstörer seien bereits durch die Straße von Hormus gefahren, um mit der Räumung von Seeminen zu beginnen. Der Iran bestreitet das umgehend. Also wieder das vertraute internationale Ritual: Die eine Seite sagt, sie kontrolliert die Lage, die andere sagt, nein, tut ihr nicht, und der Rest der Welt schaut nervös auf Ölpreise und Tanker-Routen, während irgendwo jemand das Wort „Deeskalation“ in eine Pressemitteilung tippt.

Vance hielt schließlich noch eine kurze Pressekonferenz ab, flankiert von Jared Kushner und Steve Witkoff – ein Bild, das fast zu schön ist, um wahr zu sein: vorne der Vizepräsident, der erklärt, dass man nach fast einem ganzen Tag Verhandlungen zu keinem Ergebnis gekommen ist, dahinter Trumps Schwiegersohn als außenpolitisches Möbelstück und daneben der Sondergesandte. Danach bestieg Vance demonstrativ Air Force Two, winkte vom Treppenabsatz und flog zurück nach Washington. Symbolischer kann man ein gescheitertes Verhandlungsergebnis kaum inszenieren, außer vielleicht mit trauriger Geigenmusik im Hintergrund.

Die BBC spricht davon, dass diese Gespräche überhaupt nur möglich waren, weil beide Delegationen hochrangig genug und bevollmächtigt waren. Das stimmt wahrscheinlich sogar. Es ändert nur nichts daran, dass hochrangige Delegationen mit Vollmacht eben immer noch keine Wunder vollbringen, wenn beide Seiten mit völlig gegensätzlichen Zielen am Tisch sitzen. Die USA wollten eine Art atompolitische Generalbeichte. Der Iran wollte Rechte, Einfluss und Hebel behalten. Dazwischen stand Pakistan und durfte höflich so tun, als könne man mit genug Geduld aus geopolitischer Erpressung irgendwann einen tragfähigen Kompromiss formen.

Als wäre das nicht genug, meldet sich auch Benjamin Netanjahu zu Wort und erklärt parallel, er wolle ein Friedensabkommen mit dem Libanon, das „von Dauer“ sei – während Israel gleichzeitig weiter Hisbollah-Ziele angreift. Das ist die perfekte Ergänzung zu dieser Nacht: überall Friedenserklärungen, solange sie von Bomben, Bedingungen und maximalen Forderungen begleitet werden.

Am Ende bleibt von diesem historischen Gipfel vor allem das übrig, was man realistischerweise erwarten durfte:
viel Pathos, viele Kameras, viele Statements – und kein Deal.
Vance fliegt heim, Trump erklärt sich vorsorglich zum Sieger, der Iran warnt vor überzogenen Forderungen, Hormus bleibt ein Nadelöhr mit Sprengstoffpotenzial und alle tun so, als sei der Ausgang irgendwie überraschend.

Oder kürzer gesagt:
21 Stunden Friedensgespräche, 0 Stunden Frieden, 100 Prozent politische Selbstinszenierung.

Bildnachweis:

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Sonntag, 12.04.2026

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