Telegram als Schmuddel-Marktplatz: Zehntausende Nacktbilder von Frauen illegal gehandelt – Plattform schaut mal wieder auffällig hilflos zu

Telegram als Schmuddel-Marktplatz: Zehntausende Nacktbilder von Frauen illegal gehandelt – Plattform schaut mal wieder auffällig hilflos zu

Veröffentlicht

Donnerstag, 09.04.2026
von Red. TB

Wer bei Telegram noch immer von einer harmlosen Messenger-App spricht, ignoriert inzwischen ziemlich konsequent die Realität. Denn die Plattform entwickelt sich immer weiter zum digitalen Umschlagplatz für sexuelle Gewaltfantasien, Deepfake-Pornos, Doxing und organisierte Frauenverachtung. Die jüngsten Erkenntnisse der Aktivistengruppe AI Forensics lesen sich nicht wie ein Moderationsproblem – sondern wie ein strukturelles Kontrollversagen mit eingebauter Wiederholungsschleife.

In nur sechs Wochen fanden die Ermittler in spanischen und italienischen Telegram-Gruppen fast 25.000 aktive Nutzer, die Nacktbilder von Frauen ohne deren Zustimmung tauschten, weiterverkauften und verbreiteten – teils ganz offen gegen Geld. Auf gerade einmal 16 untersuchten Kanälen wurden mehr als 80.000 Dateien ausgetauscht: Fotos, Videos, Audios – überwiegend pornografisch, vielfach eindeutig übergriffig, teilweise mutmaßlich strafrechtlich relevant.

Und nein, hier geht es nicht um das übliche Internet-Elend irgendeiner dunklen Kommentarspalte. Laut AI Forensics waren darunter echte intime Aufnahmen, aber auch KI-generierte Deepfakes – also künstlich erzeugte Pornografie auf Kosten realer Frauen. Moderne digitale Erniedrigung in ihrer unerquicklichsten Form: erst entrechten, dann sexualisieren, dann monetarisieren.

Besonders abstoßend: Einige Gruppenmitglieder sollen gezielte Belästigungskampagnen gegen Frauen organisiert haben. Persönliche Daten wurden offenbar illegal veröffentlicht, also klassisches Doxing mit eingebautem Einschüchterungseffekt. Andere Nutzer riefen laut den Recherchen sogar zu Vergewaltigungen auf. Und als wäre das alles noch nicht widerlich genug, wurden in manchen Gruppen offenbar auch sexualisierte Inhalte mit Minderjährigen diskutiert.

Spätestens da endet jede Debatte über „schwierige Moderation“ und beginnt die Frage, warum eine Plattform mit dieser Reichweite und diesem Vorwissen offenbar weiter als digitale Müllkippe für Täterstrukturen funktionieren kann.

Telegram selbst reagiert – wie immer – mit einer Mischung aus Betroffenheitsfloskel und Ausredenverwaltung. Natürlich sei die Verbreitung „nicht einvernehmlicher intimer Aufnahmen“ laut Nutzungsbedingungen streng verboten, ließ ein Sprecher wissen. Nur: Wenn gesperrte Gruppen laut AI Forensics wenige Stunden später unter gleichem Namen wieder auftauchen, dann ist das kein Durchgreifen, sondern ein ziemlich peinliches Schauspiel.

Mit anderen Worten:
Telegram sperrt – Täter lachen – Gruppen sind zurück.
Ein Moderationsmodell, das ungefähr so wirksam ist wie ein Pappschild vor einer offenen Hintertür.

Die Behauptung, das Vorgehen gegen Deepfakes sei „für alle Plattformen kompliziert“, mag technisch korrekt sein. Moralisch und praktisch wirkt sie inzwischen wie das, was sie oft ist: eine bequeme Ausrede für zu wenig Druck, zu wenig Kontrolle und zu wenig Konsequenz.

Fazit:
Telegram ist längst nicht nur Messenger, sondern in Teilen ein Schwarzmarkt für digitale sexualisierte Gewalt. Zehntausende Nutzer handeln dort mit intimen Bildern, organisieren Belästigung, verbreiten Deepfakes und offenbar sogar Inhalte mit Minderjährigen – während die Plattform sich hinter Nutzungsbedingungen versteckt, die in der Praxis ungefähr so viel wert sind wie ein Rauchverbot in einer brennenden Kneipe. Wer das noch als Einzelfall verkauft, macht sich die Sache unerquicklich einfach.

Bildnachweis:

LoboStudioHamburg (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Donnerstag, 09.04.2026

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