Donald Trump hat mal wieder bewiesen, dass man im Jahr 2026 keinen funktionierenden Sicherheitsrat mehr braucht, solange ein alter Mann mit Wutanfall noch Zugang zu Truth Social hat.
Am Samstagabend verkündete der US-Präsident mit der üblichen Mischung aus Größenwahn, Halbwissen und testosterongeschwängerter Großmaul-Rhetorik, bei einem Luftangriff auf Teheran seien „zahlreiche hochrangige Militärvertreter“ des Iran getötet worden. Beweise? Namen? Zeitpunkt? Irgendwelche belastbaren Informationen?
Natürlich nicht.
Aber warum auch. In Trumps Welt reicht ein Post, drei Ausrufezeichen und die moralische Tiefe eines Tankstellenkalenders. Die angeblich getöteten Militärführer hätten den Iran „schlecht und unklug geführt“, ließ der selbsternannte Welterklärer wissen. Übersetzt heißt das: Wenn dir Trump nicht gefällt, bist du strategisch plötzlich sehr tot.
Während in Teheran Explosionen gemeldet wurden und offenbar tatsächlich schwere Gefechte liefen, machte Trump aus dem Ganzen sofort wieder das, was er am besten kann: eine Reality-Show mit Bombeneinschlag. Außenpolitik als Mischung aus WrestleMania, Casinonacht und Facebook-Kommentarbereich.
Besonders zynisch: Laut Berichten griff das US-Militär auch jenes Gebiet an, in dem sich das vermisste US-Besatzungsmitglied befand. Ja, richtig gelesen: Man rettet den eigenen Mann offenbar am liebsten, indem man erstmal die komplette Umgebung in ein flammendes Argument verwandelt. Der verletzte Soldat wurde schließlich geborgen und nach Kuwait gebracht. Ein echtes Wunder – oder anders gesagt: Das Militär musste mal wieder aufräumen, während Trump im Weißen Haus schon die nächste Heldensaga über sich selbst formulierte.
Auch Israels Armee lieferte pflichtschuldig weiter am gemeinsamen Eskalationspaket und bombardierte einen Industriekomplex, in dem angeblich Chemikalien für Waffen produziert wurden. Iranische Medien meldeten danach das, was in modernen Kriegen mittlerweile Standard ist: gleichzeitig Tote, Verletzte, vielleicht Tote, vielleicht Verletzte, vielleicht alles, vielleicht gar nichts – Hauptsache, die jeweilige Staatspropaganda hat zuerst den Knopf gefunden.
Mal hieß es fünf Tote. Dann fünf Verletzte. Vermutlich ein klassischer Fall von „wir zählen später, jetzt drehen wir erstmal die Schlagzeile hoch“.
Getroffen wurden Anlagen, in denen Materialien für Sprengstoffe, Raketen und andere Waffensysteme hergestellt worden sein sollen. Also exakt jene Ziele, bei denen westliche Militärsprecher traditionell betonen, alles sei „präzise“ gewesen – bis man ein paar Tage später feststellt, dass Präzision im Krieg oft nur ein anderes Wort für „hoppla, war doch nicht so leer dort“ ist.
Der Iran antwortete erwartbar mit weiteren Raketen- und Drohnenangriffen. In Israel wurden Wohnhäuser in Vororten von Tel Aviv beschädigt, vier Menschen verletzt. In Südisrael schlug eine Rakete in unbewohntem Gebiet ein – immerhin einmal kein Volltreffer in die Zivilgesellschaft. Auch Kuwait bekam erneut Post aus Teheran: Infrastruktur, Regierungsgebäude, das Finanzministerium und eine Anlage des Ölkonzerns Kuwait Petroleum Corporation wurden getroffen. Verletzt wurde niemand. Im aktuellen Nahost-Standard ist das praktisch schon ein friedenspolitischer Lichtblick.
Und während all das passiert, tut Trump, was Trump immer tut: Er tut so, als wäre das alles Teil eines genialen Plans.
Zur Erinnerung: Erst drohte er dem Iran mit „Hölle“. Dann setzte er Fristen. Dann verlängerte er die Fristen. Dann setzte er neue Fristen. Dann verschob er die neuen Fristen. Dann drohte er wieder. Dann sprach er von Deals. Dann wieder von Vernichtung. Die Außenpolitik des mächtigsten Landes der Welt klingt inzwischen wie ein besoffener Gebrauchtwagenhändler kurz vor Ladenschluss.
Das eigentlich Erschreckende ist längst nicht mehr nur der Krieg selbst. Es ist die völlige Verrohung seiner Vermarktung.
Bomben werden heute verkauft wie Staffel-Finals.
Luftschläge wie PR-Events.
Und jeder Einschlag bekommt sofort seine passende Heldenerzählung.
Trump ist dabei nicht nur Brandbeschleuniger, sondern auch Chefsprecher der globalen Verwahrlosung. Ein Präsident, der Krieg führt wie andere einen Podcast aufnehmen: laut, schlecht vorbereitet und mit maximalem Selbstlob.
Die bittere Bilanz:
Teheran brennt. Israel wird weiter beschossen. Kuwait wird zur Kollateralzone. Ölpreise schießen hoch. Die Region taumelt tiefer ins Chaos.
Und Trump?
Der sitzt da, tippt „GREAT SUCCESS!“ in sein Handy und hält sich vermutlich schon wieder für Churchill mit WLAN.
Fazit von DIE-BEWERTUNGl:
Was als militärische Operation verkauft wird, wirkt immer öfter wie geopolitischer Größenwahn auf Koks. Trump bombardiert nicht nur Ziele im Iran – er bombardiert vor allem jede letzte Restidee von seriöser Außenpolitik.

