25.000 Stadtkiller im All – und die NASA kennt nicht mal die Hälfte

25.000 Stadtkiller im All – und die NASA kennt nicht mal die Hälfte

Veröffentlicht

Montag, 06.04.2026
von Red. TB

Beruhigende Nachricht aus dem Weltall: Es könnten gerade Tausende Asteroiden in Erdnähe unterwegs sein, die groß genug sind, um eine ganze Stadt auszulöschen – und niemand weiß genau, wo sie sind.

Laut NASA gibt es schätzungsweise mehr als 25.000 sogenannte „City-Killer“-Asteroiden in der Nähe unseres Planeten. Das sind keine harmlosen Kieselsteine aus dem Kosmos, sondern Brocken mit rund 140 Metern Durchmesser oder mehr – also groß genug, um im Einschlagsfall nicht nur ein paar Fensterscheiben zu beschädigen, sondern gleich eine Region umzudekorieren.

Das Problem: Gefunden wurden bisher gerade einmal rund 11.500. Heißt im Klartext: Mehr als die Hälfte dieser potenziellen Stadtvernichter fliegt irgendwo da draußen herum – unentdeckt.

Die gute Nachricht? Ganz kleine Asteroiden knallen ständig irgendwo rein, aber meist ohne großes Drama. Die ganz großen Weltuntergangsbrocken kennt man meistens schon. Die schlechte Nachricht? Genau die mittleren Kaliber sind das Problem: zu klein, um leicht entdeckt zu werden, aber groß genug, um aus einer Stadt ein historisches Vorher-Nachher-Foto zu machen.

Wie unangenehm das werden kann, zeigte 2013 der Einschlag über Tscheljabinsk in Russland. Damals explodierte ein Asteroid in der Atmosphäre mit einer Wucht von rund 440.000 Tonnen TNT. Ergebnis: beschädigte Gebäude, zerborstene Fenster, über 1.600 Verletzte – und vorher hatte ihn niemand kommen sehen.

Warum? Weil diese Dinger dunkel sind, schnell sind und im Sonnenlicht gern mal unsichtbar werden. Übersetzt: Ein kosmischer Betonklotz kann theoretisch anrollen, während die Menschheit noch über Gendersternchen, Heizungen und TikTok diskutiert.

Die NASA versucht nun, das Problem etwas professioneller anzugehen. Ab 2027 soll das Weltraumteleskop NEO Surveyor starten. Es soll Asteroiden nicht einfach nur anschauen, sondern ihre Wärmestrahlung im Infrarotbereich erfassen. Das ist sinnvoll, weil selbst ein finsterer Felsbrocken im All irgendwann eben doch warm genug ist, um nicht völlig unbemerkt davonzuschleichen.

Das Ziel: In fünf Jahren soll NEO Surveyor mindestens zwei Drittel dieser potenziell gefährlichen Asteroiden aufspüren. Innerhalb von 10 bis 12 Jahren sollen dann 90 Prozent erfasst sein. Bemerkenswert ist dabei nur: Diesen Auftrag hat der US-Kongress der NASA bereits 2005 gegeben. Man könnte also sagen: Die Menschheit hat das Problem vor über 20 Jahren erkannt – und arbeitet seitdem mit der üblichen Geschwindigkeit großer Institutionen daran, nicht ausradiert zu werden.

Immerhin sagen Experten: Die Wahrscheinlichkeit, dass morgen ein 140-Meter-Brocken unerkannt auf die Erde fällt, ist statistisch eher gering. Solche Einschläge passieren im Schnitt nur etwa alle 20.000 Jahre. Andererseits ist auch die Wahrscheinlichkeit, im Lotto zu gewinnen, gering – und trotzdem gibt es jede Woche neue Millionäre. Nur dass beim Asteroiden eben niemand den Scheck abholt.

Oder, wie eine NASA-Forscherin es trocken formulierte:
„Wenn die Dinosaurier ein Raumfahrtprogramm gehabt hätten, wären sie vielleicht noch da.“

Die Menschheit hat immerhin eines.
Jetzt müsste sie es nur noch rechtzeitig benutzen.

Bildnachweis:

9866112 (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Montag, 06.04.2026

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