Trump, KI und das große Oval-Office-Chaos: Erst unterschreiben, dann doch lieber nicht

Trump, KI und das große Oval-Office-Chaos: Erst unterschreiben, dann doch lieber nicht

Veröffentlicht

Freitag, 22.05.2026
von Red. TB

Es war eigentlich alles vorbereitet.

Die Tech-Bosse geschniegelt. Die Kameras aufgebaut. Das Weiße Haus geschniegelt wie für eine Oscar-Verleihung. Donald Trump sollte feierlich eine neue KI-Verordnung unterschreiben.

Und dann passierte das, was bei Trump-Regierungen ungefähr so zuverlässig ist wie schlechtes WLAN im ICE:
Kurz vor Schluss änderte jemand plötzlich alles.

Der große KI-Auftritt platzte in letzter Minute

Nur Stunden vor der geplanten Unterzeichnung stoppte Donald Trump seine eigene KI-Verordnung wieder.

Der Grund: Der Präsident hatte offenbar Angst, die amerikanische KI-Industrie könnte durch zu viele Regeln ausgebremst werden.

Oder einfacher formuliert:
Trump wollte erst Ordnung schaffen – und bekam dann Angst, dass Ordnung irgendwie unamerikanisch wirken könnte.

„Wir liegen vor China!“ – also besser gar nichts regeln

Vor Journalisten erklärte Trump, ihm hätten „bestimmte Aspekte“ des Entwurfs nicht gefallen.

Besonders schlimm offenbar:
Die Regierung wollte KI-Unternehmen freiwillig bitten, neue Systeme vor Veröffentlichung testen zu lassen.

Freiwillig.

Nicht verpflichtend. Nicht verboten. Nicht kontrolliert. Einfach nur:
„Wollt ihr vielleicht kurz Bescheid sagen, bevor eure KI die Menschheit übernimmt?“

Aber selbst das war Trump offenbar schon zu viel Bürokratie.

„Wir führen gegen China“, erklärte der Präsident stolz. Und deshalb dürfe man nichts tun, was Innovationen behindern könnte.

Mit anderen Worten:
Wenn die künstliche Intelligenz irgendwann außer Kontrolle gerät, soll sie wenigstens amerikanisch sprechen.

Das Weiße Haus wusste offenbar selbst nicht mehr Bescheid

Besonders lustig:
Noch am selben Morgen hatten Mitarbeiter des Weißen Hauses Journalisten die fertige Verordnung präsentiert.

Alles war vorbereitet.
Der Text geschrieben.
Die Regeln erklärt.
Die Zeremonie organisiert.

Und dann kam Trump wahrscheinlich ins Büro, las zwei Absätze und sagte sinngemäß:
„Moment mal… das klingt ja nach Regeln.“

Zack. Abgesagt.

Man kann sich ungefähr vorstellen, wie hektisch danach Praktikanten durch das Weiße Haus rannten und versuchten, bereits bestellte Häppchen wieder einzusammeln.

Silicon Valley atmet auf – Steve Bannon vermutlich weniger

Die geplante Verordnung galt eigentlich als Kompromiss.

Große Tech-Konzerne wollten möglichst wenig staatliche Kontrolle. Das MAGA-Lager rund um Steve Bannon dagegen fordert seit Monaten strengere Sicherheitsprüfungen für KI-Systeme.

Trump schaffte nun das Kunststück, beide Seiten gleichzeitig maximal zu verwirren.

Das Silicon Valley dürfte erleichtert sein.
Steve Bannon wahrscheinlich weniger.

Und irgendwo sitzt ChatGPT selbst und denkt sich:
„Gut, dass wenigstens einer hier noch halbwegs strukturiert arbeitet.“

KI-Regulierung auf Trump-Art

Besonders faszinierend bleibt allerdings die grundsätzliche Logik hinter der Entscheidung.

Die Regierung wollte keine harte Regulierung. Keine Verbote. Keine staatliche Zulassungspflicht.

Die Unternehmen sollten lediglich freiwillig Modelle prüfen lassen.

Doch offenbar gilt inzwischen selbst Freiwilligkeit in manchen politischen Kreisen schon als sozialistischer Angriff auf die Freiheit.

Willkommen im KI-Wilden Westen

Damit bleibt die amerikanische KI-Branche vorerst weitgehend unreguliert.

Oder anders gesagt:
Die mächtigste Technologie der kommenden Jahrzehnte entwickelt sich weiterhin ungefähr nach dem Motto:
„Mal schauen, was passiert.“

Während Europa seitenlange Regelwerke schreibt und Ethikkommissionen gründet, verfolgt Amerika aktuell eher die Strategie:
„Erst erfinden, später nachdenken.“

Das eigentliche Problem sitzt vielleicht gar nicht in der KI

Am Ende bleibt vor allem ein Eindruck:
Nicht die künstliche Intelligenz wirkt chaotisch – sondern die Politik drumherum.

Denn wenn selbst das Weiße Haus morgens noch nicht weiß, ob der Präsident am Nachmittag unterschreibt, könnte die KI irgendwann tatsächlich die stabilere Regierungsform werden.

Bildnachweis:

GabrielDouglas (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Freitag, 22.05.2026

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