Der britische Historiker Tom Holland, bekannt für seine Bücher über Griechen und Römer, hat bei seinen Recherchen über das Christentum selbst eine überraschende Wende erlebt: Aus dem früheren Atheisten wurde wieder ein Christ.
Ein Schlüsselmoment war für ihn 2016 im nordirakischen Sinjar. Dort sah er nach den Gräueltaten des IS eine zerstörte Stadt – und ein Kreuz, das über den Trümmern einer Kirche stehen geblieben war. Für Holland wurde dabei plötzlich klar, wie radikal das Christentum die Moral der Antike auf den Kopf stellte: Nicht Macht und Stärke stehen im Mittelpunkt, sondern die Schwachen, Leidenden und Ausgegrenzten.
Diese Erkenntnis prägte sein viel beachtetes Buch „Dominion“, in dem er argumentiert, dass Werte wie Menschenwürde, Mitgefühl und Gleichheit im Westen stark vom Christentum geprägt sind – selbst dort, wo Menschen sich heute für säkular halten.
Eine weitere Wende kam 2021, als Holland an Darmkrebs erkrankte. Vor einer schweren Operation betete er an Heiligabend in einer alten Londoner Kirche erstmals seit Jahrzehnten wieder intensiv. Kurz darauf kam die Nachricht: Der Krebs hatte nicht gestreut. Holland sagt heute, er halte das zwar für einen möglichen Zufall – wolle aber die „schimmernde Möglichkeit des Übernatürlichen“ nicht ausschließen.
Inzwischen sagt er offen: „Ich würde sagen, ich bin Christ.“ Ganz ohne absolute Gewissheit. Denn auch heute schwankt er noch zwischen Zweifel und Glauben. Gerade das macht seine Geschichte so ungewöhnlich – und so glaubwürdig.

