Katzian hat genug: Lohnzurückhaltung? Ja eh – aber bitte nur für Arbeitnehmer, oder was?

Katzian hat genug: Lohnzurückhaltung? Ja eh – aber bitte nur für Arbeitnehmer, oder was?

Veröffentlicht

Sonntag, 05.04.2026
von Red. TB

ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian hat offenbar beschlossen, den beliebtesten österreichischen Wirtschaftswitz der letzten Jahre nicht mehr mitzuspielen:
„Alle sollen sparen – außer denen, die ohnehin schon gut verdienen.“

Im Interview mit der Kleinen Zeitung machte Katzian klar: Mit weiterer Lohnzurückhaltung bei den kommenden Kollektivvertragsverhandlungen ist aus seiner Sicht Schluss.
Und ehrlich gesagt: irgendwann ist auch das österreichische Geduldsfass voll – selbst wenn man es vorher noch drei Mal „sozialpartnerschaftlich evaluiert“ hat.

Sein Punkt ist simpel und erstaunlich nachvollziehbar:
In den vergangenen Jahren habe man in echten Krisenbranchen durchaus Krisenabschlüsse gemacht.
Das Problem war nur:
Plötzlich war auf einmal jede Branche eine Krisenbranche.
Vom Industriebetrieb bis zum Unternehmen mit Rekordgewinnen hieß es überall plötzlich:
„Leider schwierige Zeiten, wir müssen uns alle einschränken.“
Vor allem natürlich die Beschäftigten. Die Dividenden hatten davon meist nichts gehört.

Katzian bringt dazu ein besonders schönes Beispiel: Banken.
Die hätten in den letzten Jahren „richtig super verdient“.
Was in Bankensprache ungefähr bedeutet:
Die Gewinne waren so hoch, dass man das Jammern schon fast als Kunstform bezeichnen muss.

Wer glaube, dass KV-Abschlüsse dauerhaft unter der Inflationsrate liegen sollen, „lebt hinterm Mond“, sagt Katzian.
Und man muss zugeben:
Auf diesem Mond wohnen in Österreich erstaunlich viele, vor allem dort, wo man Gehaltserhöhungen grundsätzlich für gefährlich hält, aber Managerboni weiterhin als naturgegebenes Wetterphänomen betrachtet.

Besonders absurd findet der ÖGB-Chef, dass fast überall automatische Indexierungen weiterlaufen.
Mieten? Rauf.
Gebühren? Rauf.
Preise? Sowieso rauf.
Aber bei den Arbeitnehmern heißt es plötzlich:
„Bitte Verständnis haben. Und bitte nicht so viel essen.“

Katzian warnt außerdem vor sinkendem Konsum. Wenn die Löhne stagnieren, kaufen die Leute weniger – und dann könnten sich Unternehmer ihre Kundschaft irgendwann „aufzeichnen“.
Anders gesagt:
Wer den Menschen das Geld aus der Tasche spart, darf sich nicht wundern, wenn im Geschäft bald nur noch das Echo einkauft.

Fazit:
Katzian sagt das, was viele längst denken:
Inflation für alle, Verzicht nur für Arbeitnehmer – dieses Geschäftsmodell hat ein Ablaufdatum.

Bildnachweis:

EdenMoon (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Sonntag, 05.04.2026

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