Ozean des Friedens

Ozean des Friedens

Veröffentlicht

Montag, 31.08.2026
von Red. TB

Man muss den Pazifikstaaten wirklich lassen: Sie geben sich Mühe.

Da trifft man sich auf Palau, spricht über Klimawandel, Zusammenarbeit und den schönen Gedanken eines „Ozeans des Friedens“ – und gleichzeitig wird im Hintergrund darüber gestritten, ob China nun Raketen testen darf, Taiwan überhaupt am Tisch sitzen soll und welche Großmacht als Nächstes irgendwo Kriegsschiffe vorbeischickt.

Entspannter Inselgipfel sieht irgendwie anders aus.

Besonders gereizt ist die Stimmung wegen Taiwan. China hat das Pazifische Inselforum schon vor dem Treffen ziemlich deutlich wissen lassen, was es von einer Einladung Taipehs hält: nämlich gar nichts. Peking pocht auf das Ein-China-Prinzip und erwartet offenbar, dass sich das Forum entsprechend verhält.

Dummerweise sieht man das in Palau etwas anders.

Taiwan ist dort seit Jahrzehnten Entwicklungspartner, Palau gehört außerdem zu den wenigen Staaten, die noch offizielle diplomatische Beziehungen zu Taipeh unterhalten. Forums-Generalsekretär Baron Waqa stellte deshalb klar: Taiwan soll teilnehmen.

Und schon hat man die nächste diplomatische Baustelle.

Als wäre das nicht genug, hängt auch noch Chinas Raketentest vom Juli über dem Gipfel. Eine atomwaffenfähige Rakete über dem Pazifik zu testen, während die Region gerade versucht, sich selbst zum „Ozean des Friedens“ zu erklären, besitzt zumindest einen gewissen Sinn für politische Ironie.

Die Außenminister der Pazifikstaaten konnten sich nicht einmal auf eine gemeinsame Verurteilung einigen. Neuseelands Außenminister Winston Peters sprach anschließend von ausländischem Einfluss – ohne China ausdrücklich zu nennen.

Man kann ja auch mal jemanden nicht beim Namen nennen, während wirklich jeder im Raum weiß, wer gemeint ist.

China wiederum bezeichnete den Raketentest als Routineübung, völkerrechtskonform und gegen niemanden gerichtet. Mehrere Staaten seien vorher informiert worden.

Nur ein kleines Detail fehlte offenbar teilweise: wo das Ding eigentlich einschlagen sollte.

Papua-Neuguineas Außenminister Justin Tkatchenko sagte anschließend, der Test sei „völlig unangebracht“ gewesen. Neuseeland zeigte sich ebenfalls tief besorgt.

Und genau da liegt das eigentliche Problem.

Die Pazifikstaaten wollen nicht zwischen Washington und Peking aufgerieben werden. Gleichzeitig bauen die USA ihre militärische Präsenz aus, China erhöht seinen diplomatischen und militärischen Druck, neue Verteidigungsabkommen entstehen und Kriegsschiffe beider Seiten sind längst Teil des regionalen Alltags.

Ausgerechnet jene Länder, die sich vorgenommen haben, selbst über Frieden und Sicherheit in ihrer Region zu bestimmen, müssen also zunehmend aufpassen, nicht zum Spielfeld zweier Großmächte zu werden.

Der „Ozean des Friedens“ ist deshalb eine schöne Idee.

Im Moment klingt sie allerdings ein wenig wie ein Schild mit der Aufschrift „Bitte nicht stören“, während draußen schon zwei Nachbarn darüber diskutieren, wem eigentlich der Vorgarten gehört.

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12019 (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Montag, 31.08.2026

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