A Achterl auf’n Steuerzahler: Wir feiern den Herrn Ex-Minister

A Achterl auf’n Steuerzahler: Wir feiern den Herrn Ex-Minister

Veröffentlicht

Donnerstag, 30.07.2026
von Red. TB

Na servas, im Innenministerium wird offenbar ned nur verwaltet, ermittelt und wichtig dreingschaut – dort wird aa ordentlich Geburtstag g’feiert. Und zwar ned irgendeiner, sondern der Siebziger vom früheren Innenminister Ernst Strasser.

Kostenpunkt für den Steuerzahler: schlanke 8.724,77 Euro.

Also praktisch eh nix. Grad einmal a bisserl mehr als 142 Euro pro tatsächlich erschienenem Gast. Dafür wird man ja wohl noch „Ois Guade“ sagen dürfen.

77 eing’laden, 61 san wirklich kommen

Am 29. April 2026 hat das Innenministerium zum offiziellen Geburtstags-Austauschtreffen geladen. 77 Personen waren eingeladen, 61 sind gekommen.

Die übrigen 16 haben vermutlich rechtzeitig g’merkt, dass sie am selben Abend leider dringend ihre Belege sortieren müssen.

Unter den Gästen waren jede Menge politische Prominenz: Karl Schlögl, Johanna Mikl-Leitner, Wolfgang Sobotka, Innenminister Gerhard Karner, Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Erwin Pröll.

Kurz gesagt: Die Gästeliste hat ausgeschaut wie ein ÖVP-Klassentreffen mit einem kleinen sozialdemokratischen Austauschschüler.

„Protokollarische Repräsentanz“

Das Ministerium erklärt, die Auswahl der Gäste sei „dem Anlass entsprechend und gemäß protokollarischer Repräsentanz“ erfolgt.

Auf gut Wienerisch heißt das vermutlich:

„Wir haben halt die Leut eing’laden, die ma kennt, und dann hat irgendwer an Stempel draufghaut.“

Bezahlt wurde die Feier als „Repräsentationsausgabe aus Mitteln des Detailbudgets der Zentralstelle“.

Auch das klingt natürlich viel vornehmer als:

„Die Rechnung geht an die Allgemeinheit.“

Aber keine Sorge, die zuständige Fachabteilung hat alles genehmigt. Dann wird’s schon passen. In Österreich gilt schließlich: Sobald drei Formulare unterschrieben sind, wird aus einer Geburtstagsfeier eine staatstragende Veranstaltung.

Kein Festl, sondern ein „Austauschtreffen“

Besonders wichtig ist dem Innenministerium die Feststellung, dass es sich nicht einfach um eine private Feier gehandelt habe.

Nein, nein.

Es war eine „offizielle, repräsentative Veranstaltung im Sinne eines Austauschtreffens“.

Das macht natürlich einen gewaltigen Unterschied. Bei einer Geburtstagsfeier gibt’s Torte, Sekt und Glückwünsche. Bei einem Austauschtreffen gibt’s Torte, Sekt und Glückwünsche – aber halt auf Detailbudget.

Vermutlich hat man sich intensiv ausgetauscht:

„Wie geht’s da?“
„Eh guat.“
„Noch a Brötchen?“
„Na geh, wennst schon fragst.“

Staatspolitik in ihrer reinsten Form.

Ein besonders verdienter Jubilar

Ernst Strasser war von 2000 bis 2004 Innenminister und später EU-Abgeordneter. Im Jahr 2014 wurde er wegen Bestechlichkeit zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt. Einen Teil der Strafe verbüßte er mit Fußfessel.

Das ist natürlich schon eine bemerkenswerte Karriere: vom Innenministerium über das Europäische Parlament bis zur elektronischen Anwesenheitskontrolle – und später wieder zurück ins Innenministerium, diesmal mit Geburtstagstorte.

Man könnt sagen: Der Kreis hat sich geschlossen.

Die gesetzliche Tilgungsfrist beträgt bei diesem Strafrahmen zehn Jahre. Bis dahin ist das Urteil zwar noch nicht aus der Welt, aber für ein offizielles Festl reicht’s offenbar trotzdem.

In Wien sagt man dazu: Schwamm drüber, solange das Catering stimmt.

100.000 Euro fürs Verhalten, 8.700 Euro für die Nachfeier

Strasser war damals zwei britischen Journalisten auf den Leim gegangen, die sich als Lobbyisten ausgegeben hatten. In heimlich aufgezeichneten Gesprächen sagte er gegen ein jährliches Honorar von 100.000 Euro Einflussnahme auf EU-Gesetze zu.

Das war damals naturgemäß weniger „protokollarische Repräsentanz“ und mehr „geschäftliches Missverständnis“.

Heute sind solche unangenehmen Details offenbar kein Hindernis mehr, um vom ehemaligen Ressort mit Respekt bedacht zu werden.

Vielleicht war die Feier ja auch pädagogisch wertvoll. Die NEOS-Abgeordnete Henrike Brandstötter nannte sie eine „ziemlich teure Resozialisierungsmaßnahme“.

Wobei man sagen muss: Für knapp 9.000 Euro bekommt man anderswo schon einen ganzen Kurs. Im Innenministerium offenbar 61 Portionen Resozialisierung mit Häppchen.

Die FPÖ ist empört

FPÖ-Abgeordneter Reinhold Maier kritisierte, dass bei Bevölkerung und Polizei gespart werde, während Innenminister Karner einem früheren ÖVP-Ressortchef eine Feier auf Steuerzahlerkosten ausrichte.

Und ja, ganz von der Hand zu weisen ist das nicht.

Wenn eine Polizeiinspektion einen neuen Drucker braucht, heißt es vermutlich:

„Heuer leider kein Budget.“

Wenn aber ein ehemaliger Minister 70 wird:

„Bringt’s die Servietten mit dem Bundesadler!“

Aber das macht man angeblich immer so

Das Innenministerium betont, es sei üblich, langjährigen Ressortchefs bei runden Geburtstagen den Respekt des Hauses zu erweisen. Auch der Geburtstag von Ex-Innenminister Karl Schlögl sei im Vorjahr auf ähnliche Weise gefeiert worden.

Na dann ist ja alles geklärt.

Wenn man’s immer schon gemacht hat, kann’s schließlich nicht fragwürdig sein. Das ist eines der wichtigsten österreichischen Verwaltungsprinzipien – gleich nach „Dafür bin ich nicht zuständig“ und „Der Kollege kommt erst am Montag wieder“.

Fazit

Natürlich darf ein Ministerium ehemaligen Ressortchefs Respekt erweisen. Man kann eine Karte schicken. Einen Blumenstrauß. Vielleicht sogar eine Sachertorte.

Aber eine Feier um fast 9.000 Euro aus Steuermitteln für einen früheren Politiker, der wegen Bestechlichkeit rechtskräftig verurteilt wurde, wirkt halt ein bisserl – wie soll man sagen – extravagant.

Oder auf Wienerisch:

Es hat schon a G’schmäckle. Und zwar ned nur vom Buffet.

Aber vielleicht war’s ja wirklich notwendig für die staatliche Repräsentanz.

Weil wo kämen wir denn hin, wenn ehemalige Minister ihre Geburtstage plötzlich selber zahlen müssten?

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Pitsch (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Donnerstag, 30.07.2026

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