Es gibt Menschen, die verkaufen Milch.
Und dann gibt es Mark McAfee.
Der verkauft nicht einfach Milch. Er verkauft eine Lebensphilosophie, eine Freiheitsbewegung, eine Rebellion gegen die Wissenschaft und gelegentlich offenbar auch Produkte, die Gesundheitsbehörden nervös machen.
McAfee betreibt in Kalifornien die größte Rohmilchfarm der USA. Seine Botschaft ist einfach: Pasteurisierung sei praktisch der Endgegner des guten Geschmacks und der natürlichen Gesundheit.
Wissenschaftler sehen das etwas anders.
Sie behaupten seit ungefähr 150 Jahren, dass das Erhitzen von Milch dazu dient, Menschen vor gefährlichen Bakterien zu schützen.
McAfee hingegen setzt eher auf den Ansatz:
„Vertraut eurem Bauchgefühl.“
Manchmal leider im wahrsten Sinne des Wortes.
Die gefährlichste Bedrohung für Rohmilch: Fakten
Die meisten Experten sagen, Rohmilch habe keine nachgewiesenen Gesundheitsvorteile gegenüber pasteurisierter Milch.
Die meisten Rohmilch-Fans antworten darauf:
„Genau das würde Big Milch sagen.“
Damit ist die Diskussion in der Regel beendet.
Die Kuh macht Muh, die Influencer machen Werbung
Inzwischen trinken mehr als zehn Millionen Amerikaner Rohmilch.
Nicht etwa, weil neue wissenschaftliche Erkenntnisse aufgetaucht wären.
Sondern weil soziale Medien entdeckt haben, dass man mit Cowboyhut, Holzfass und einem Glas Rohmilch deutlich authentischer aussieht als mit einem Brokkoli.
Auf McAfees jährlichem Event „Camping with the Cows“ pilgern Fans auf die Farm wie andere Menschen zu Rockfestivals.
Dort trinken Influencer Milch direkt aus der Packung und erklären dem Internet, dass sie dadurch mehr Energie, bessere Haut, stärkere Hormone und vermutlich auch WLAN-Empfang bekommen haben.
Kleine Nebenwirkung: Die Krankenhäuser
Unglücklicherweise gibt es da noch die Sache mit den Krankheitsausbrüchen.
Behörden bringen mehrere Ausbrüche von E. coli und Salmonellen mit Produkten der Farm in Verbindung. Hunderte Menschen sollen erkrankt sein, Dutzende mussten ins Krankenhaus.
Für normale Unternehmen wäre das ein PR-Problem.
Für die Rohmilchszene ist es oft eher ein Beweis dafür, dass „das System Angst hat“.
Manche Menschen sammeln Bonuspunkte bei Fluggesellschaften.
Rohmilch-Fans sammeln offenbar Warnungen von Gesundheitsbehörden.
Käse löst nicht jedes Problem
Besonders kurios wurde es, als bekannt wurde, dass belastete Milch teilweise zu Käse verarbeitet wurde.
Die Logik dahinter schien ungefähr zu lauten:
„Die Bakterien sind in der Milch? Dann machen wir einfach Käse daraus.“
Mikrobiologen reagierten auf diese Strategie ungefähr so begeistert wie Feuerwehrleute auf Benzin im Wohnzimmer.
Die neue Freiheit
Inzwischen hat Rohmilch sogar politische Unterstützung bekommen.
Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. gilt als Fan des Produkts.
Für McAfee könnte das kaum besser laufen.
Denn wenn Gesundheitsbehörden warnen und Politiker gleichzeitig Rohmilch feiern, entsteht eine Situation, die ungefähr so verwirrend ist wie ein Nichtraucherkongress, der von Marlboro gesponsert wird.
Fazit
Mark McAfee hat etwas geschafft, wovon viele Unternehmer nur träumen können:
Er hat ein Produkt, vor dem Experten warnen, in ein Lifestyle-Statement verwandelt.
Je mehr Behörden kritisieren, desto überzeugter werden viele seiner Kunden.
Und so bleibt am Ende eine bemerkenswerte Geschäftsidee:
Verkaufe Milch. Werde Kultfigur. Diskutiere mit Wissenschaftlern. Verdiene Millionen.
Oder wie man in Kalifornien vielleicht sagt:
„Warum eine Kuh melken, wenn man gleichzeitig eine Bewegung melken kann?“


0 Kommentare