Wer glaubt, bei der WM 2026 gehe es nur um mehr Mannschaften und mehr Spiele, hat die FIFA unterschätzt. Das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko wird auch zum größten Regel-Experiment der Fußballgeschichte. Manche Änderungen sollen das Spiel fairer machen, andere schneller – und einige dürften dafür sorgen, dass Schiedsrichter künftig fast so oft im Mittelpunkt stehen wie die Stürmer.
Die XXL-WM
Zunächst wird alles größer. Statt 32 Mannschaften treten nun 48 Nationen an. Die Zahl der Spiele steigt von 64 auf stolze 104.
Das bedeutet: Mehr Fußball, mehr Überraschungen und für Statistiker die Chance, wochenlang ohne Schlaf auszukommen.
Neu ist auch das Sechzehntelfinale. Wer Weltmeister werden will, muss künftig acht statt sieben Spiele überstehen. Der Weg zum Titel wird also länger als manche Interkontinentalflüge zwischen den Spielorten.
VAR: Jetzt wird wirklich alles geprüft
Der Video-Assistent bekommt deutlich mehr Befugnisse.
Künftig darf der VAR sogar Ecken überprüfen, wenn daraus ein Tor entsteht. Außerdem können Gelb-Rote Karten kontrolliert werden.
Fußballfans dürfen sich also auf noch mehr spannende Momente freuen, in denen 80.000 Zuschauer im Stadion und Millionen vor dem Fernseher gemeinsam auf einen Schiedsrichter starren, der einen Bildschirm betrachtet.
Kampf gegen Zeitspiel
Besonders hart geht die FIFA gegen Zeitspiel vor.
Ausgewechselte Spieler haben künftig exakt zehn Sekunden Zeit, das Feld zu verlassen. Wer länger braucht, sorgt dafür, dass sein Ersatzmann eine Minute warten muss.
Die Botschaft ist klar: Wer beim Verlassen des Platzes plötzlich die Geschwindigkeit einer Schildkröte entdeckt, wird künftig bestraft.
Countdown beim Einwurf
Noch kurioser wird es bei Einwürfen und Abstößen.
Der Schiedsrichter startet künftig einen Fünf-Sekunden-Countdown.
Wer den Ball nicht rechtzeitig ins Spiel bringt, verliert ihn.
Man darf gespannt sein, wann die ersten Fans laut mitzählen wie beim Raketenstart in Cape Canaveral:
„Fünf! Vier! Drei! Zwei! Eins! Ballverlust!“
Rote Karte für heimliche Flüsterer
Eine der ungewöhnlichsten Neuerungen betrifft Streitigkeiten auf dem Platz.
Spieler, die in Auseinandersetzungen bewusst die Hand vor den Mund halten, um ihre Worte zu verbergen, können künftig Rot sehen.
Das bedeutet: Die Ära der geheimnisvollen Lippenbewegungen könnte enden. Für Fernsehzuschauer, die seit Jahren rätseln, was da eigentlich gesagt wird, bleibt das allerdings eine Enttäuschung.
Wer protestiert, fliegt
Auch Spieler, die aus Protest den Platz verlassen oder sich weigern weiterzuspielen, riskieren künftig einen Platzverweis.
Die FIFA macht damit deutlich: Diskussionen ja, Revolutionsversuche eher nicht.
Gelbe Karten werden früher gelöscht
Eine gute Nachricht gibt es für Verteidiger.
Gelbe Karten aus der Gruppenphase werden künftig früher gestrichen. Dadurch soll verhindert werden, dass Verwarnungen über das halbe Turnier mitgeschleppt werden.
Kurz gesagt: Wer in der Vorrunde einmal zu enthusiastisch grätscht, muss deshalb nicht automatisch um seinen Einsatz im Finale zittern.
Trinkpause wird Pflicht
Wegen der Hitze in Nordamerika gibt es zudem pro Halbzeit eine dreiminütige Trinkpause.
Für Spieler eine Erholung.
Für Trainer eine zusätzliche Gelegenheit, in drei Minuten mehr Anweisungen zu geben als andere Menschen in einer ganzen Arbeitswoche.
Fazit
Die WM 2026 wird nicht nur die größte, sondern vermutlich auch die am stärksten regulierte Weltmeisterschaft aller Zeiten.
Mit mehr Teams, mehr Spielen, mehr VAR, mehr Countdown-Regeln und mehr Trinkpausen könnte man fast meinen, die FIFA habe versucht, Fußball, Reality-Show und Bürokratie miteinander zu verschmelzen.
Die gute Nachricht: Gespielt wird immer noch mit einem Ball.
Zumindest hat der VAR bislang noch keine Möglichkeit erhalten, das zu überprüfen.


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