Die Schlinge um die liechtensteinische TGI AG zieht sich immer weiter zu. Während das Unternehmen weiterhin sein umstrittenes „Goldkauf mit Rabatt“-Modell bewirbt, beschäftigen sich inzwischen gleich mehrere Finanzaufsichtsbehörden mit dem Geschäftsmodell. Zudem ist mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft Liechtenstein aktiv geworden und hat Ermittlungen eingeleitet.
Razzia in der Firmenzentrale
Anfang Juni durchsuchten Ermittler die Firmenräume der TGI AG in Vaduz. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Liechtenstein laufen Vorerhebungen gegen mehrere Personen wegen des Verdachts des schweren gewerbsmäßigen Betrugs, möglicher Geldwäsche sowie möglicher Verstöße gegen das Bankengesetz.
Für alle Beteiligten gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Dennoch zeigt die Hausdurchsuchung, dass die Vorwürfe von den Behörden offenbar ernst genommen werden.
Finanzaufsichten in Deutschland, Österreich und Liechtenstein warnen
Bemerkenswert ist, dass die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht isoliert betrachtet werden können.
Bereits seit Monaten beschäftigen sich verschiedene Finanzaufsichtsbehörden mit der TGI AG.
Die deutsche BaFin veröffentlichte eine Warnung im Zusammenhang mit dem angebotenen „Goldkauf mit Rabatt“. Nach Auffassung der Behörde wurde für das Angebot kein nach deutschem Recht erforderlicher Verkaufsprospekt veröffentlicht.
Auch die österreichische Finanzmarktaufsicht FMA warnte Anleger. Die Behörde stellte klar, dass die TGI AG nicht über die erforderliche Konzession verfüge, um bestimmte Bankgeschäfte in Österreich anzubieten.
Zuvor hatte bereits die Finanzmarktaufsicht Liechtensteins auf das Unternehmen aufmerksam gemacht.
Dass gleich mehrere europäische Aufsichtsbehörden innerhalb kurzer Zeit Warnungen veröffentlichen, ist ein Vorgang, der Anleger zumindest aufmerksam machen sollte.
Das Versprechen: Gold mit bis zu 72 Prozent Rabatt
Besonders kritisch wird seit Jahren das Geschäftsmodell diskutiert.
TGI wirbt damit, dass Anleger Gold zu deutlich reduzierten Preisen erwerben können. Teilweise ist von Preisnachlässen von bis zu 72 Prozent die Rede. Die Auslieferung erfolgt allerdings erst nach mehrjährigen Wartezeiten.
Für Kritiker wirft dieses Modell zahlreiche Fragen auf.
In Internetforen, sozialen Netzwerken und Verbraucherportalen wird seit Monaten darüber diskutiert, wie ein derartiges System dauerhaft wirtschaftlich funktionieren soll. Immer wieder wird die Frage gestellt, wie ein Unternehmen Gold weit unter Marktpreis verkaufen und gleichzeitig langfristig profitabel arbeiten kann.
Anleger diskutieren bereits über Ponzi-Risiken
Auch unter Anlegern wächst die Unsicherheit.
In verschiedenen Internetforen berichten Nutzer von ihren Erfahrungen mit dem Unternehmen. Während einige Kunden erklären, tatsächlich Goldlieferungen oder Auszahlungen erhalten zu haben, äußern andere erhebliche Zweifel an der langfristigen Tragfähigkeit des Modells.
Mehrere Nutzer vergleichen das Konzept offen mit bekannten Schneeball- oder Ponzi-Systemen. Andere verweisen auf Warnungen der Verbraucherzentralen, von Stiftung Warentest sowie auf umfangreiche Recherchen des Handelsblatts.
Besonders häufig wird die Frage gestellt, weshalb ein Unternehmen Anlegern außergewöhnlich hohe Vorteile gewähren sollte, wenn es dieselben Finanzmittel theoretisch deutlich günstiger über Banken oder institutionelle Investoren beschaffen könnte.
Frühere Kritik an Unternehmenschef Kaltenegger
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält die aktuelle Entwicklung durch die Person von TGI-Chef Helmut Kaltenegger.
In Anlegerforen wird darauf hingewiesen, dass Kaltenegger bereits in der Vergangenheit mit Gold- und Anlagegeschäften in Verbindung gebracht wurde, die juristisch aufgearbeitet wurden. Zwar wurde er damals freigesprochen, die Diskussionen über frühere Geschäftsmodelle begleiten ihn jedoch bis heute.
Was bedeutet das für Anleger?
Noch ist völlig offen, zu welchem Ergebnis die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Liechtenstein führen werden.
Ebenso wenig steht derzeit fest, ob die Warnungen der Finanzaufsichtsbehörden letztlich zu weiteren aufsichtsrechtlichen oder gerichtlichen Maßnahmen führen.
Fest steht jedoch:
Die TGI AG steht inzwischen nicht mehr nur im Fokus kritischer Anleger und Medienberichte.
Mit der BaFin, der österreichischen FMA, der liechtensteinischen Finanzmarktaufsicht und nun auch der Staatsanwaltschaft Liechtenstein beschäftigen sich mittlerweile mehrere Behörden mit dem Unternehmen.
Für Anleger dürfte dies ein deutliches Warnsignal sein. Gerade bei Angeboten, die außergewöhnlich hohe Vorteile oder erhebliche Preisnachlässe versprechen, sollten Investoren besonders sorgfältig prüfen, ob Chancen und Risiken in einem nachvollziehbaren Verhältnis stehen.
Die kommenden Monate dürften zeigen, ob sich die Vorwürfe als unbegründet erweisen oder ob die Ermittlungen weitere belastende Erkenntnisse hervorbringen. Bis dahin bleibt die TGI AG einer der wohl umstrittensten Anbieter im deutschsprachigen Anlagemarkt.
Für alle Beschuldigten gilt natürlich auch hier die Unschuldsvermutung.

