Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein Auto. Zehn Jahre lang fahren Sie damit durch die Gegend, pflegen es, investieren Zeit und Geld hinein – und eines Tages kommt der Hersteller vorbei, nimmt den Schlüssel mit und erklärt:
„Tut uns leid, wir unterstützen das Modell nicht mehr.“
Genau dieses Gefühl haben derzeit Millionen Gamer weltweit. Und genau dagegen richtet sich die Initiative „Stop Killing Games“, die inzwischen sogar das Europäische Parlament beschäftigt.
Auslöser der Bewegung war die Entscheidung des französischen Spieleherstellers Ubisoft, das Online-Rennspiel „The Crew“ abzuschalten. Das Spiel war 2014 erschienen und hatte im Laufe seiner Geschichte mehr als zwölf Millionen Spieler angezogen. Als Ubisoft 2024 die Server abschaltete, wurde das Spiel praktisch unbrauchbar. Wer das Spiel gekauft hatte, konnte es plötzlich nicht mehr nutzen.
Für viele Spieler war das ein Schock. Schließlich hatten sie das Spiel legal erworben und teilweise über Jahre genutzt. Einige Fans berichten, dass sie mit dem Spiel aufgewachsen seien oder es sogar gemeinsam mit ihren Kindern gespielt hätten. Die eigentliche Empörung richtete sich dabei weniger gegen das Ende des Supports, sondern vielmehr gegen den vollständigen Verlust des Zugangs.
Ins Leben gerufen wurde die Kampagne von dem amerikanischen YouTuber Ross Scott. Sein Vorwurf: Spielehersteller würden digitale Produkte faktisch zerstören, obwohl Kunden dafür bezahlt hätten. Scott fordert nicht, dass Unternehmen ihre Server für alle Ewigkeit betreiben müssen. Vielmehr sollen sie verpflichtet werden, vor dem Abschalten Lösungen bereitzustellen – etwa Offline-Modi oder Möglichkeiten, private Server weiter zu betreiben.
Die Spieleindustrie sieht das naturgemäß anders. Branchenverbände argumentieren, dass Online-Dienste irgendwann wirtschaftlich nicht mehr tragfähig seien. Würden Hersteller gezwungen, dauerhaft Alternativen bereitzustellen, könnten Entwicklungskosten steigen und neue Spiele teurer werden.
Ubisoft verweist zudem darauf, dass Käufer lediglich eine Nutzungslizenz erwerben und kein dauerhaftes Eigentumsrecht am Spiel erhalten. In einem Verfahren in Kalifornien argumentierte das Unternehmen, dass Spieler darüber informiert worden seien, dass Online-Dienste nicht unbegrenzt verfügbar bleiben würden.
Die Diskussion gewinnt vor allem deshalb an Bedeutung, weil sogenannte Live-Service-Spiele immer wichtiger werden. Viele moderne Titel funktionieren nur noch mit einer ständigen Internetverbindung und laufenden Servern. Wird der Dienst eingestellt, verschwindet oft das gesamte Spielerlebnis. Beispiele dafür gab es in den vergangenen Jahren mehrfach – von Sonys „Concord“ bis hin zu anderen Online-Titeln, die bereits kurze Zeit nach Veröffentlichung wieder eingestellt wurden.
Inzwischen hat die Bewegung politische Aufmerksamkeit erreicht. Eine Bürgerinitiative der Kampagne sammelte fast 1,3 Millionen Unterschriften und zwang die Europäische Kommission damit zu einer offiziellen Prüfung des Anliegens. Auch in Frankreich laufen rechtliche Schritte gegen Ubisoft. In Kalifornien wird parallel über ein Gesetz diskutiert, das Hersteller verpflichten könnte, Spiele nach dem Ende des Online-Betriebs weiterhin nutzbar zu halten oder Rückerstattungen anzubieten.
Die zentrale Frage lautet dabei:
Besitzt man ein Videospiel wirklich, wenn es jederzeit vom Hersteller abgeschaltet werden kann?
Für die Industrie ist die Antwort bislang klar: Man erwirbt eine Lizenz.
Für viele Spieler lautet die Gegenfrage:
Warum soll etwas, das ich gekauft habe, plötzlich nicht mehr mir gehören?
Die Debatte dürfte deshalb noch lange nicht beendet sein. Denn je digitaler die Welt wird, desto häufiger stellt sich die Frage, was Eigentum im digitalen Zeitalter eigentlich noch bedeutet.

