Die britische Wirtschaft überrascht mit unerwarteter Robustheit. Trotz des Kriegs zwischen Iran und seinen Gegnern sowie steigender Energiepreise legte das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,6 Prozent zu – stärker als viele Ökonomen erwartet hatten. Selbst der Internationale Währungsfonds hatte Großbritannien zuletzt als besonders anfällig für die Folgen der Krise eingeschätzt.
Bemerkenswert ist dabei nicht nur das Gesamtwachstum, sondern auch die Entwicklung pro Kopf. Bereinigt um das Bevölkerungswachstum fiel der Zuwachs so stark aus wie seit Beginn der Energiekrise nach Russlands Angriff auf die Ukraine nicht mehr. Das deutet darauf hin, dass sich die wirtschaftliche Lage vieler Haushalte zumindest vorübergehend stabilisiert hat.
Im Vergleich mit anderen großen Industrienationen steht Großbritannien derzeit überraschend gut da. Innerhalb der G7 wächst die britische Wirtschaft schneller als jene der USA, Deutschlands oder Frankreichs. Beobachter führen das unter anderem darauf zurück, dass die britischen Haushalte weniger stark von steigenden Gaspreisen betroffen sind als in früheren Krisen.
Getragen wurde das Wachstum vor allem vom Dienstleistungssektor, vom Handel sowie von technologie- und wissenschaftsnahen Branchen. Besonders der KI- und Technologiesektor entwickelt sich dynamisch und sorgt für neue Investitionen. In Wirtschaftskreisen ist bereits von einem britischen Tech-Boom die Rede.
Doch nicht alle Bereiche profitieren gleichermaßen. Die Maschinenbauindustrie und Teile des Verwaltungssektors verzeichneten Rückgänge. Sorgen bereitet zudem die Bauwirtschaft, die unter höheren Hypothekenzinsen leidet. Steigende Finanzierungskosten könnten den Immobilienmarkt weiter bremsen.
Hinzu kommt, dass die Stimmung der Verbraucher deutlich schlechter geworden ist. Höhere Energiepreise und teurere Kredite belasten viele Haushalte. Die aktuelle wirtschaftliche Stabilität könnte sich deshalb als fragil erweisen – insbesondere falls sich der Konflikt im Golf ausweitet und wichtige Öltransportrouten weiter unter Druck geraten.

