Taiwans Präsident Lai Ching-te ist in Eswatini eingetroffen – nur wenige Tage, nachdem eine geplante Afrika-Reise kurzfristig abgesagt worden war. Taipeh hatte dafür den Druck Chinas auf mehrere afrikanische Staaten verantwortlich gemacht.
Lai erklärte, die aktuelle Visite sei nach „sorgfältigen Vorbereitungen“ durch diplomatische und sicherheitspolitische Teams zustande gekommen. Details zu seiner Anreise nannte er nicht. Bilder zeigten, wie er in der Hauptstadt von Premierminister Russell Dlamini empfangen und mit militärischen Ehren begrüßt wurde.
Spannungen mit China verschärfen sich
Peking reagierte scharf auf den Besuch und bezeichnete ihn als „Farce“. China betrachtet Taiwan als Teil seines Staatsgebiets und lehnt offizielle Kontakte anderer Länder mit Taipeh strikt ab.
Die ursprünglich geplante Reise Lais sollte bereits Ende April stattfinden, wurde jedoch abgesagt, nachdem mehrere Staaten – darunter die Seychellen, Mauritius und Madagaskar – Überflugrechte verweigert hatten. Laut Taiwan geschah dies unter chinesischem Einfluss.
Lai betonte dennoch die Entschlossenheit seiner Regierung: Taiwan werde sich „nicht von äußerem Druck abschrecken lassen“ und weiterhin internationale Beziehungen pflegen.
Eswatini als wichtiger Partner
Eswatini ist der letzte verbliebene diplomatische Verbündete Taiwans in Afrika und gehört zu den weltweit nur noch wenigen Staaten, die Taipeh offiziell anerkennen. Für Taiwan hat die Pflege dieser Beziehungen hohe Priorität.
Während seines Aufenthalts sind Gespräche mit König Mswati III. sowie die Unterzeichnung eines Zollabkommens geplant. Zudem soll die Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Landwirtschaft, Bildung und Kultur vertieft werden.
Lai lobte Eswatini ausdrücklich dafür, trotz „diplomatischen und wirtschaftlichen Drucks“ an der Partnerschaft mit Taiwan festzuhalten.
Diplomatischer Wettbewerb um Einfluss
China versucht seit Jahren, Taiwans internationale Anerkennung weiter einzuschränken und Staaten zum Abbruch offizieller Beziehungen zu bewegen. Entsprechend scharf fiel auch diesmal die Reaktion aus Peking aus. Taiwans Regierung betreibe eine aussichtslose Strategie, hieß es aus dem chinesischen Außenministerium.
Der Besuch unterstreicht einmal mehr die geopolitische Spannung rund um Taiwan – und zeigt zugleich, wie stark selbst einzelne diplomatische Reisen zum Politikum werden können.

