Ein britisches Ehepaar, das seit mehr als einem Jahr im Iran inhaftiert ist, hat erstmals ausführlich über seine Situation gesprochen – und zeichnet ein bedrückendes Bild. Lindsay (53) und Craig Foreman (52) sitzen seit Januar 2025 im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran. Ihnen wird Spionage vorgeworfen – ein Vorwurf, den beide entschieden zurückweisen.
„Ich muss mich damit abfinden, dass wir wahrscheinlich noch lange hier sein werden“, sagt Lindsay Foreman in einem Telefonat aus dem Gefängnis. Die Gespräche laufen über überwachte Leitungen, werden regelmäßig unterbrochen und sind für das Paar die einzige Verbindung zur Außenwelt.
Zehn Jahre Haft – und kaum Hoffnung
Im Februar wurden die beiden zu zehn Jahren Haft verurteilt. Für Craig Foreman ist die Situation kaum auszuhalten: „Wir verschwenden hier unser Leben. Wir sind unschuldig.“ Er fordert die britische Regierung zum Handeln auf: „Bitte greift ein. Holt uns hier raus.“
Das Paar befindet sich in getrennten Zellen innerhalb desselben Gefängnisses. Während Craig mit anderen ausländischen Häftlingen untergebracht ist, lebt Lindsay weitgehend isoliert – ohne englischsprachige Mitgefangene.
Alltag zwischen Monotonie und Angst
Der Gefängnisalltag ist geprägt von Langeweile und psychischer Belastung. Lindsay versucht, sich mit Lesen, Sport und Yoga über Wasser zu halten. Doch selbst mit ihrem Hintergrund in positiver Psychologie gerät sie immer wieder an ihre Grenzen. „Es gibt Tage, an denen die Verzweiflung überwältigend ist“, sagt sie unter Tränen.
Besonders belastend waren die jüngsten Bombardierungen im Zuge des Iran-Kriegs. Explosionen in der Nähe des Gefängnisses hätten für große Angst gesorgt. „Einmal war ich gerade am Telefon, als die Druckwelle sogar Fenster zerstört hat“, berichtet sie.
Festnahme auf Weltreise
Das Paar war ursprünglich auf einer Motorrad-Weltreise von Europa nach Australien, als es im Iran festgenommen wurde. Lindsay führte Gespräche mit Menschen über die Frage, was ein „gutes Leben“ ausmacht – offenbar ein Auslöser für das Misstrauen der Behörden.
Rückblickend sagt sie: „Wir wussten, dass es eine Reisewarnung gab. Aber wir hätten nie gedacht, dass uns so etwas passiert.“
Harte Haftbedingungen
Die Bedingungen im Evin-Gefängnis beschreibt Craig als schwierig: mangelnde Hygiene, keine ausreichende medizinische Versorgung und Gewalt unter Häftlingen. Vier seiner Mitgefangenen seien seit seiner Verlegung hingerichtet worden.
Trotz allem versuchen beide, Hoffnung zu bewahren. „Wir werden das durchstehen“, sagt Craig zu seiner Frau während des Gesprächs. „Irgendwann werden wir hier rauskommen.“
Gleichzeitig zeigen sie Verständnis für die Lage vieler iranischer Gefangener, denen es noch deutlich schlechter geht. „Für uns gibt es irgendwann ein Ende“, sagt Lindsay. „Für viele hier leider nicht.“
Die britische Regierung bezeichnet die Inhaftierung als „ungerechtfertigt“, konkrete Fortschritte in dem Fall sind jedoch bislang nicht bekannt.

