Ein Denkmal, das an eines der dunkelsten Kapitel des 20. Jahrhunderts erinnern sollte, ist in Neuseeland zum Politikum geworden – und letztlich gescheitert. In Auckland wurde der Plan abgelehnt, eine Statue für die sogenannten „Trostfrauen“ aufzustellen: Frauen und Mädchen, die im Zweiten Weltkrieg von der japanischen Armee zur sexuellen Sklaverei gezwungen wurden.
Die geplante Bronzeplastik zeigt ein junges Mädchen neben einem leeren Stuhl – ein bewusst gewähltes Symbol für die Abwesenheit, das Schweigen und die vielen nie gehörten Stimmen der Opfer. Gespendet wurde die Statue von einer südkoreanischen Organisation, die sich seit Jahren für die Aufarbeitung dieser Verbrechen einsetzt. Weltweit existieren ähnliche Denkmäler, unter anderem in Seoul und – zeitweise – auch in westlichen Städten.
Doch in Neuseeland traf das Projekt auf Widerstand – nicht nur lokal, sondern auch diplomatisch. Die japanische Botschaft warnte in einem offiziellen Schreiben, die Errichtung könne die bilateralen Beziehungen „erheblich belasten“. Gleichzeitig äußerte der Botschafter die Sorge, ein solches Denkmal könne Spannungen innerhalb der multikulturellen Gesellschaft Neuseelands verschärfen, insbesondere zwischen japanischen und koreanischen Communities.
Die Entscheidung selbst fiel auf kommunaler Ebene. Der zuständige Bezirksrat in Auckland lehnte das Vorhaben nach einer öffentlichen Konsultation ab, bei der sich keine klare Unterstützung zeigte. Offiziell wurde das mangelnde lokale Einvernehmen als Hauptgrund genannt – doch der internationale Druck dürfte kaum ohne Einfluss geblieben sein.
Für die Initiatoren ist das Ergebnis ein Rückschlag. Sie sehen darin nicht nur eine verpasste Chance für Erinnerung und Aufklärung, sondern auch ein Signal, dass politische Rücksichtnahme über die Anerkennung historischen Leids gestellt wird. Der „leere Stuhl“ bleibt damit sinnbildlich bestehen – als Platz für eine Erinnerung, die keinen öffentlichen Raum bekommt.
Der Konflikt reiht sich ein in eine Serie ähnlicher Auseinandersetzungen weltweit. Immer wieder führen solche Denkmäler zu diplomatischen Spannungen, insbesondere zwischen Japan und Ländern wie Südkorea oder China, deren Bürgerinnen zu den Opfern zählten. In San Francisco etwa zerbrach 2018 sogar eine Städtepartnerschaft mit Osaka wegen eines vergleichbaren Mahnmals.
Der Fall aus Neuseeland zeigt, wie schwierig der Umgang mit historischer Verantwortung auch Jahrzehnte später noch ist. Erinnerung ist eben nicht nur eine Frage der Vergangenheit – sondern auch der Gegenwartspolitik.

