Claire’s schließt alle 154 Filialen in Großbritannien und Irland – 1.300 Jobs betroffen

Claire’s schließt alle 154 Filialen in Großbritannien und Irland – 1.300 Jobs betroffen

Veröffentlicht

Dienstag, 28.04.2026
von Red. TB

Die Accessoire-Kette Claire’s hat sämtliche eigenständigen Filialen in Großbritannien und Irland geschlossen. Betroffen sind 154 Geschäfte. Mehr als 1.300 Beschäftigte wurden nach Angaben der Insolvenzverwalter über ihre Entlassung informiert.

Das teilte die Beratungsgesellschaft Kroll mit, nachdem Claire’s innerhalb eines Jahres bereits zum zweiten Mal in die Insolvenzverwaltung gegangen war.

Geöffnet bleiben allerdings weiterhin rund 350 Shop-in-Shop-Flächen (Concessions) innerhalb anderer Geschäfte.

Claire’s war über Jahrzehnte vor allem für seine auffälligen, bunt gestalteten Läden, Schmuckständer, Armbänder und den Ohrlochstech-Service bekannt. Für viele Jugendliche gehörte die Marke lange fest zum klassischen Einkaufsbummel in der Innenstadt.

Doch zuletzt geriet das Unternehmen zunehmend unter Druck.

Vor allem die Konkurrenz durch günstigere Online-Anbieter wie Shein und Temu setzte Claire’s stark zu.

Hinzu kamen veränderte Konsumgewohnheiten und ein schwieriges Umfeld im stationären Einzelhandel, unter dem derzeit viele klassische Ladenketten leiden.

Kroll erklärte:
„Seit dem 27. April haben alle eigenständigen Claire’s-Filialen im Vereinigten Königreich und in Irland den Handel eingestellt. Alle Beschäftigten in diesen Filialen wurden über ihre Entlassung informiert.“

Die Eigentümergesellschaft Modella Capital hatte bereits im Januar erklärt, dass Claire’s unter anderem wegen eines „alarmierend schwachen“ Weihnachtsgeschäfts in eine besonders angespannte Lage geraten sei.

Dadurch sei das Unternehmen in eine „verwundbare“ Position geraten.

Zudem verwies Modella Capital auf die schwierigen Bedingungen auf den britischen Einkaufsstraßen. Die Lage im stationären Handel bleibe „extrem herausfordernd“.

Als zusätzliche Belastung nannte das Unternehmen auch politische Entscheidungen, die die Personalkosten erhöht hätten – etwa durch steigende Sozialabgaben wie die National Insurance Contributions.

Branchenexpertinnen sehen die Probleme von Claire’s jedoch nicht nur in kurzfristigen wirtschaftlichen Faktoren, sondern auch in einem grundlegenden Wandel der Zielgruppe.

Modeexpertin Priya Raj sagte der BBC, Claire’s habe vor allem darunter gelitten, dass der typische Stil der Marke heute nicht mehr dem Geschmack vieler junger Kundinnen und Kunden entspreche.

„Wir haben uns weitgehend von verspieltem, buntem Modeschmuck entfernt – genau dafür war Claire’s bekannt“, sagte sie.

Jugendliche orientierten sich heute stärker an Social Media als an Einkaufszentren oder Innenstädten.

Dadurch hätten sich die Trends verändert: Statt niedlicher, auffälliger Accessoires seien heute eher minimalistische, teils auch klobigere, aber insgesamt bewusst zusammengestellte Schmuckstile gefragt.

Der klassische, eher „süße“ und jugendliche Claire’s-Look gelte vielen inzwischen als überholt.

Neben der Online-Konkurrenz bekam Claire’s auch im stationären Handel zunehmend Druck.

Einzelhandelsanalystin Catherine Shuttleworth erklärte, dass insbesondere Primark und Superdrug im günstigen Accessoire-Segment starke Konkurrenz darstellen.

Außerdem hätten junge Menschen heute deutlich mehr Möglichkeiten, ihr Geld auszugeben – etwa für Desserts, Kaffee, Matcha oder Bubble Tea.

„Die Konkurrenz um die Generation Alpha war noch nie so groß“, sagte Shuttleworth.

Diese Altersgruppe sei besonders sozial und erlebnisorientiert beim Einkaufen und erwarte mehr von Marken, mit denen sie interagiere.

„Junge Käufer haben heute so viele Optionen, ihr Geld auszugeben, dass reine Läden, die einfach nur ‚Zeug‘ verkaufen, nicht mehr ausreichen“, so ihre Einschätzung.

Bildnachweis:

MasterTux (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Dienstag, 28.04.2026

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