Amerikas Autofahrer dürfen sich freuen – oder zumindest das üben, was in Washington inzwischen als Energiepolitik gilt:
Hoffen, zahlen, schweigen.
Denn laut US-Energieminister Chris Wright könnten die Spritpreise möglicherweise erst 2027 wieder unter die magische Marke von 3 Dollar pro Gallone fallen.
Also quasi bald.
Wenn man in Regierungsjahren rechnet.
Erst hieß es: „Nur ein paar Wochen!“
Jetzt heißt es: „Vielleicht nächstes Jahr. Vielleicht 2027. Bleiben Sie positiv.“
Im März klang noch alles herrlich beruhigend:
Hohe Ölpreise? Kein Problem!
Das sei nur eine Sache von „Wochen, nicht Monaten“, versprach Wright.
Jetzt, mitten in der Sommer-Reisesaison, stehen die Amerikaner bei über 4 Dollar pro Gallone – und dieselbe Regierung sagt sinngemäß:
„Unter 3 Dollar? Ja, klar. Kommt wieder. Irgendwann. Vielleicht nächstes Jahr. Vielleicht später. Aber wir glauben fest daran.“
Das ist ungefähr so, als würde dein Arzt sagen:
„Die Schmerzen gehen bald weg.“
Und drei Monate später ergänzt er:
„Mit etwas Glück vor Ihrer Rente.“
4 Dollar sind Realität – 3 Dollar inzwischen Fantasy
Die nackten Zahlen:
- 26. Februar: 2,98 Dollar pro Gallone
- 19. April: 4,04 Dollar pro Gallone
Mit anderen Worten:
Seit Beginn des Iran-Kriegs ist Tanken in den USA vom Alltagsvorgang zur stillen finanziellen Demütigung an Zapfsäule 3 geworden.
Und weil in Washington offenbar niemand gerne schlechte Nachrichten überbringt, wird das Ganze jetzt als Hoffnungsgeschichte verkauft.
Nicht:
„Es ist teuer.“
Sondern:
„Es war schon schlimmer.“
Nicht:
„Wir haben uns verschätzt.“
Sondern:
„Die Preise haben wahrscheinlich ihren Höhepunkt erreicht.“
Wahrscheinlich.
Das Lieblingswort jeder Regierung, wenn sie selbst keine Ahnung hat.
Straße von Hormus dicht – und Washington tut überrascht
Der Grund für das Ganze? Natürlich die Straße von Hormus.
Das 100 Meilen lange Nadelöhr, durch das vor dem Krieg rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gasverkehrs liefen, ist seit Wochen das geopolitische Equivalent eines Supermarktparkplatzes am Samstagvormittag – nur mit Tankern, Militär und Weltmarktpanik.
Hunderte Schiffe hängen fest.
Ölpreise springen.
Märkte zittern.
Und die Regierung erklärt mit ernster Miene:
„Sobald sich der Konflikt löst, wird es besser.“
Bahnbrechende Erkenntnis.
Als Nächstes kommt vermutlich die Meldung:
„Regen endet oft, wenn es aufhört zu regnen.“
Unter 3 Dollar? „Tremendous!“
Besonders rührend:
Energieminister Wright nannte Benzinpreise unter 3 Dollar „pretty tremendous“.
Also nicht „normal“.
Nicht „machbar“.
Nicht „unser Ziel bis bald“.
Nein:
„Tremendous.“
Sprich: ein Preisniveau, das inzwischen ungefähr denselben Status hat wie:
- ein pünktlicher Flughafenflug,
- bezahlbare Eier,
- oder ein Trump-Statement ohne Größenwahn.
Die wahre Strategie:
Teuer tanken, aber patriotisch
Die eigentliche Botschaft aus Washington lautet:
- Ja, es ist teuer.
- Ja, wir hatten etwas anderes versprochen.
- Ja, der Krieg drückt auf die Preise.
- Nein, wir wissen nicht genau, wann es besser wird.
- Aber: Bleiben Sie zuversichtlich.
Oder härter formuliert:
Die Regierung hat keine billigen Spritpreise mehr – sie hat nur noch Durchhalteparolen.
Fazit:
Zapfsäule statt Sparkonto
Wer in den USA aktuell tankt, hat drei Möglichkeiten:
- Weiterfahren und weniger essen
- Urlaub absagen
- Sich von Washington erklären lassen, dass 4 Dollar eigentlich fast schon ein Erfolg sind
Und wenn jemand fragt, wann’s endlich billiger wird?
Dann lautet die offizielle Antwort:
„Ganz sicher bald. Vielleicht 2027. Vielleicht früher. Vielleicht später. Aber definitiv irgendwann zwischen Wahlkampf und Wirklichkeit.“

