Trump, Powell und die feindliche Übernahme der Geldpolitik

Trump, Powell und die feindliche Übernahme der Geldpolitik

Veröffentlicht

Freitag, 17.04.2026
von Red. TB

Donald Trump führt wieder einmal Krieg.
Diesmal nicht gegen China, nicht gegen Migranten, nicht gegen die Wahrheit – sondern gegen die Federal Reserve. Also gegen die Institution, die in einer halbwegs funktionierenden Demokratie eigentlich dafür zuständig ist, die Geldpolitik nach wirtschaftlicher Vernunft zu steuern und nicht nach der Laune eines Mannes, der Zinssenkungen ungefähr so versteht wie ein Kleinkind den Lichtschalter: runter ist gut, hoch ist böse.

Jerome Powell, der amtierende Fed-Chef, hat sich nämlich erdreistet, den Präsidenten nicht wie einen allmächtigen Sparkassenberater zu behandeln. Er senkte die Zinsen nicht in dem Tempo, das Trump gern hätte. Und damit war für Trump natürlich klar:
Der Mann muss weg.

Wer nicht spurt, wird öffentlich zum „Schwachkopf“ erklärt

Trump hat Powell wiederholt als „Schwachkopf“ und „Verlierer“ beschimpft.
Was in früheren Zeiten als peinlicher Kontrollverlust gegolten hätte, wird im Trump-Kosmos als Führungsstil verkauft.

Andere Präsidenten diskutieren mit Notenbankchefs über Inflation, Konjunktur, Arbeitsmärkte.
Trump bevorzugt die Harvard-Methode für komplexe Wirtschaftsfragen:

  • beleidigen,
  • drohen,
  • feuern wollen,
  • notfalls Staatsanwälte losschicken.

Man muss ihm eines lassen:
Er bringt selbst institutionelle Verfassungskrisen auf das Niveau einer schlecht geführten Reality-Show.

Wenn die Zinsen nicht sinken, sucht man eben nach krummen Fliesen

Weil Powell sich nicht als geldpolitischer Butler des Weißen Hauses betätigen wollte, tauchte plötzlich ein neuer Verdacht auf:
Die Renovierung des Fed-Hauptquartiers in Washington sei womöglich zu teuer gewesen.

Aha.

Die Botschaft ist glasklar:
Wenn du die Zinsen nicht senkst, schauen wir uns halt mal deine Badezimmerarmaturen an.

Es ist die klassische Trump-Logik:

Politischer Widerstand ist entweder Inkompetenz, Korruption oder beides – und wenn man dafür keine Beweise hat, formuliert man den Verdacht einfach laut genug.

Ein Bundesrichter sah das unerquicklich nüchterner und stellte fest, dass die Regierung im Wesentlichen keinen einzigen belastbaren Hinweis für eine Straftat vorgelegt habe.

Anders gesagt:
Die große Verschwörung rund um Powells Renovierungsbudget wirkt bislang ungefähr so belastbar wie ein Truth-Social-Post um drei Uhr morgens.

Die Unabhängigkeit der Zentralbank – in Trumps Welt ungefähr so beliebt wie Brokkoli

Dass die Federal Reserve unabhängig sein soll, hält Trump offenkundig für eine jener unnötigen Komplikationen, die nur Menschen wichtig finden, die Bücher lesen.

Für ihn scheint die Fed eher eine Art Sonderabteilung des Wahlkampfteams zu sein.
Die Aufgabe der Notenbank wäre demnach nicht Preisstabilität, sondern:

  • Kredite billig machen,
  • Börsenkurse aufblasen,
  • Schulden hübsch aussehen lassen,
  • und dem Präsidenten möglichst jeden Tag das Gefühl geben, er sei ein wirtschaftspolitisches Genie.

Dass eine Notenbank nicht dazu da ist, die nächste Pressekonferenz des Präsidenten mit einem Zinsschnitt zu dekorieren, scheint in diesem Weißen Haus als radikale Gegenmeinung zu gelten.

Kevin Warsh: Trumps Wunschkandidat, der mit einer institutionellen Schlammschlacht startet

Trumps Wunschkandidat heißt Kevin Warsh.
Er soll Powell beerben.
Das Problem: Der Senat spielt nicht automatisch die Rolle des devoten Bühnenpersonals.

Ein republikanischer Senator weigert sich derzeit, Warsh durchzuwinken, solange das politisch riechende Strafverfahren gegen Powell weiterläuft.
Das ist besonders unerquicklich, weil die Republikaner im zuständigen Ausschuss nur eine hauchdünne Mehrheit haben.

Will heißen:

Ein einziger Republikaner mit Restbestand an Rückgrat reicht, um den ganzen Plan zu blockieren.

Für Trump ist das vermutlich die eigentliche Zumutung.
Nicht, dass jemand widerspricht – sondern dass jemand aus den eigenen Reihen wagt, es öffentlich zu tun.

Staatsanwälte vor der Baustelle – das Land, in dem selbst Beton politisch wird

Besonders grotesk wurde es, als Staatsanwälte und Ermittler unangekündigt auf der Baustelle des Fed-Hauptquartiers auftauchten und dann nicht hereingelassen wurden.

Das ist die Art Szene, für die Satiriker eigentlich dankbar sein müssten, wenn sie nicht längst kapituliert hätten.

Da steht also der politische Apparat vor der Tür der wichtigsten Zentralbank der Welt, weil der Präsident glaubt, irgendwo zwischen Baugerüst und Trockenbau die Legitimation für seinen Machtkampf zu finden.

Man kann sich den Dialog ungefähr so vorstellen:

„Wir sind hier wegen der Renovierung!“
„Oder wegen der Zinsen?“
„Ja.“

Powell könnte bleiben – einfach, weil Institutionen noch nicht ganz abgeschafft sind

Das eigentlich Geniale an der Sache ist:
Selbst wenn Powell als Fed-Chef abtritt, könnte er als Mitglied des Gouverneursrats bis 2028 bleiben.

Das ist für Trump eine Form institutioneller Grausamkeit.

Denn in seiner Welt sollte ein Gegner nicht nur den Vorsitz verlieren – er sollte idealerweise auch sofort aus dem Gebäude, aus dem Archiv, aus der Erinnerung und wenn möglich aus Wikipedia verschwinden.

Powell hingegen könnte einfach sitzenbleiben.
Als eine Art geldpolitischer Geist im Maschinenraum der amerikanischen Wirtschaft.

Ein Mann, den Trump nicht loswird, obwohl er es seit Jahren versucht.
Fast poetisch.

Die Welt schaut zu – und hört „Bananenrepublik“ nicht mehr nur als Metapher

Die frühere Fed-Chefin und ehemalige Finanzministerin sprach bereits von einer Bedrohung für die Zentralbank, wie sie sie noch nie gesehen habe. Sie fragte sinngemäß, wie oft ein Präsident eines Industrielandes offen fordere, Zinsen so festzulegen, dass die staatlichen Schuldendienstkosten sinken.

Die Antwort lautet:
In funktionierenden Demokratien eher selten. In Trumps Amerika regelmäßig vor dem Frühstück.

Wenn ein Präsident die Notenbank öffentlich beschimpft, juristisch bedrängt und politisch gefügig machen will, dann ist das keine schrullige Personalie.
Dann ist das ein Frontalangriff auf eines der letzten Geländer, die Märkte, Investoren und Bürgern wenigstens noch ein Mindestmaß an Vertrauen geben sollen.

Oder einfacher:

Wenn der Präsident die Zinspolitik wie eine Rabattaktion im Möbelhaus behandeln will, sollte man langsam nervös werden.

Fazit: Trump will keine unabhängige Fed – er will einen geldpolitischen Hofstaat

Was hier passiert, ist keine normale Nachfolgedebatte.
Es ist der Versuch, die wichtigste Zentralbank der Welt in ein politisches Werkzeug zu verwandeln.

Trump will keinen Notenbankchef.
Trump will einen Mann, der bei jeder Zinssitzung innerlich fragt:

„Was würde Donald glücklich machen?“

Jerome Powell hat sich diesem Wunsch widersetzt.
Dafür wurde er beleidigt, bedrängt, mit Ermittlungen überzogen und soll nun möglichst elegant verschwinden.

Dass er sich nicht sofort vom Hof jagen lässt, ist vielleicht die beste Nachricht an dieser ganzen Geschichte.

Denn solange ein Präsident glaubt, er könne die Geldpolitik wie einen Hotelbetrieb führen –
mit Personalrochaden, Drohungen und maximalem Egoeinsatz –
ist jede Form institutionellen Widerstands plötzlich keine Bürokratie mehr.

Bildnachweis:

reidy68 (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Freitag, 17.04.2026

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