Netzwerke, Mentoring-Programme und Frauenveranstaltungen

Netzwerke, Mentoring-Programme und Frauenveranstaltungen

Veröffentlicht

Mittwoch, 15.04.2026
von Red. TB

Donald Trump schafft es mal wieder, aus einer Debatte über Gleichbehandlung eine ideologische Abrissbirne zu machen. Diesmal trifft es ausgerechnet Netzwerke, Mentoring-Programme und Frauenveranstaltungen in Unternehmen – also genau jene Räume, die überhaupt erst entstanden sind, weil jahrzehntelang Männer in Vorstandsetagen, Golfclubs und Hinterzimmern unter sich ausgemauschelt haben, wer Karriere macht und wer draußen bleibt.

Jetzt soll plötzlich ausgerechnet das der große Skandal sein: dass Frauen sich vernetzen.

Willkommen im Jahr 2026, in dem die Trump-Administration ernsthaft so tut, als sei ein Frauen-Netzwerktreffen ungefähr dasselbe wie die alten Männerzirkel, die Frauen systematisch von Macht, Einfluss und Beförderungen ferngehalten haben. Man muss diesen politischen Zynismus erst einmal aushalten.

Auslöser ist eine Klage der US-Gleichstellungsbehörde EEOC gegen einen Coca-Cola-Abfüller, weil dieser ein Frauen-Retreat veranstaltet hat. Ein männlicher Mitarbeiter fühlte sich ausgeschlossen – und plötzlich wird aus einem Netzwerkformat für Frauen ein angeblicher Fall von Diskriminierung mit „seelischem Leid“ und „mentaler Belastung“. Man fasst es kaum. Jahrzehntelang mussten Frauen zusehen, wie Männer sich in exklusiven Netzwerken gegenseitig nach oben schoben – aber wenn Frauen einmal einen Raum für Austausch, Förderung und Sichtbarkeit schaffen, wird direkt die juristische Kavallerie losgeschickt.

Das ist keine Gleichberechtigung. Das ist politische Instrumentalisierung.

Denn die Wahrheit ist doch: Frauen haben diese Netzwerke nicht aufgebaut, weil sie Lust auf ein Paralleluniversum hatten. Sie haben sie aufgebaut, weil sie mussten. Weil ihnen der Zugang zu den alten Machtstrukturen verwehrt war. Weil Karrierechancen, Informationen, Kontakte und Förderer in vielen Branchen traditionell dort verteilt wurden, wo Frauen entweder nicht erwünscht waren oder nur als dekoratives Beiwerk auftauchten.

Und genau das ist der Punkt, den Trumps Anti-DEI-Kreuzzug bewusst verdreht. Er verkauft das Ende von Förderprogrammen als „Fairness“, während er in Wahrheit Strukturen schleift, die überhaupt erst ein Mindestmaß an Chancengleichheit herstellen sollten.

Wenn Frauen heute in Top-Positionen immer noch massiv unterrepräsentiert sind, dann liegt das nicht daran, dass sie zu viele Networking-Lunches hatten. Es liegt daran, dass das alte System noch immer erstaunlich gut funktioniert – nur dass man jetzt auch noch die Gegenmittel verbieten will.

Besonders absurd wird es, wenn man sich anschaut, was hier eigentlich angegriffen wird: keine geheime Verschwörung, keine Quoten-Putschzentrale, kein männerfreier Staatsstreich – sondern Veranstaltungen, bei denen Frauen Erfahrungen austauschen, sich gegenseitig Mut machen, Karrierewege besprechen und sichtbar werden. Also Dinge, die Männer seit Jahrzehnten ganz selbstverständlich tun – nur meist ohne Einladungstitel wie „Empowerment Forum“, sondern schlicht beim Abendessen, auf dem Golfplatz oder im Vorstandszimmer.

Die Trump-Linie lautet nun: Wenn Männer nicht mitdürfen, ist das Diskriminierung.

Interessant. Wo war diese glühende Empörung eigentlich all die Jahre, als Männernetzwerke Karrieren entschieden haben, Frauen aber bestenfalls den Kaffee servieren durften? Wo war der große staatliche Eifer, als Frauen gar nicht erst in die Räume kamen, in denen die echten Entscheidungen fielen?

Die Antwort ist simpel: Damals hieß das Tradition. Heute heißt es plötzlich Problem – weil Frauen begonnen haben, sich selbst zu organisieren.

Natürlich kann man über Formate reden. Natürlich kann man Programme so gestalten, dass sie rechtssicher sind, dass Verbündete einbezogen werden, dass niemand formal ausgeschlossen wird. Das ist sinnvoll und klug. Aber genau darum geht es Trump und seinen Leuten nicht. Es geht nicht um juristische Feinjustierung. Es geht um ein politisches Signal.

Und dieses Signal lautet:
Schluss mit allem, was Frauen, Minderheiten oder benachteiligten Gruppen hilft, strukturelle Nachteile auszugleichen.

Das wird dann als Rückkehr zur Leistungsgesellschaft verkauft. In Wahrheit ist es oft nur die Rückkehr zu einem System, in dem die alten Platzhirsche wieder ungestört unter sich bleiben können – diesmal mit dem bequemen Etikett „Neutralität“.

Am Ende bleibt der bittere Eindruck, dass hier nicht Fairness verteidigt wird, sondern Privilegien. Wer Frauen-Netzwerke mit den alten Boys Clubs gleichsetzt, will keine Gleichberechtigung. Er will die Geschichte umschreiben.

Oder um es im Klartext zu sagen:
Trump bekämpft nicht Diskriminierung – er bekämpft die Werkzeuge, mit denen Frauen gelernt haben, sich gegen sie zu wehren.

Bildnachweis:

MIH83 (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 15.04.2026

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