Die Rock & Roll Hall of Fame hat ihre neuen Mitglieder verkündet. Und 2026 wirkt das Ganze weniger wie eine amerikanische Ruhmeshalle als vielmehr wie ein verspäteter Entschuldigungsbrief an Großbritannien.
Mit dabei:
- Oasis
- Iron Maiden
- Sade
- Joy Division / New Order
- Phil Collins
- Billy Idol
Dazu noch Luther Vandross und Wu-Tang Clan.
Sechs britische Acts unter acht Neuaufnahmen – Rekord.
Oder anders gesagt:
Amerika hat endlich wieder eingesehen, dass man Rockgeschichte nicht nur mit Baseballstadien und Ledersofas schreibt.
Oasis: Ruhmeshalle trifft Dauerbeleidigung
Die größte Pointe des Abends heißt natürlich: Oasis.
Denn wenn irgendeine Band perfekt dafür geeignet ist, in eine Hall of Fame aufgenommen zu werden und im selben Atemzug so zu tun, als wäre das unter ihrer Würde, dann diese beiden Brüder aus Manchester.
Liam Gallagher hatte die Rock Hall schon vor Jahren sinngemäß als Veranstaltung für irgendwelche „Geriatriker im Cowboyhut“ verspottet.
Was übersetzt heißt:
„Schön, dass ihr uns ehren wollt – aber ich beleidige euch lieber, damit ich mich nicht freue.“
Noel war immerhin mal im Museum, schaute sich die Oasis-Ausstellungsstücke an und erklärte dann sinngemäß:
„Ganz nett. Ich komm trotzdem nicht.“
Also Business as usual:
- aufgenommen werden? Ja
- erscheinen? Eher nicht
- pöbeln? Garantiert
Iron Maiden bekommen einen Preis von Leuten, die Bruce Dickinson eigentlich für ahnungslos hält
Auch Iron Maiden dürfen endlich rein – nach Jahren des Wartens und mehrfacher Nominierung.
Das ist schön.
Vor allem, weil Bruce Dickinson die Hall of Fame jahrelang als Ansammlung selbstgerechter Amerikaner beschrieben hat, die von Rock ungefähr so viel verstehen wie ein Yogalehrer von Motörhead.
Mit anderen Worten:
Iron Maiden erhalten jetzt offiziell Anerkennung von genau der Institution, die sie immer für musikalisch überbewertete Museumsverwaltung hielten.
Das ist fast schon poetisch.
Sade: Die einzige Person im Raum, die wirklich zu cool für den Laden ist
Während Oasis und Maiden traditionell erstmal beleidigt reagieren dürften, ist Sade vermutlich der einzige Name auf der Liste, bei dem wirklich alle still werden.
Sie ist die erste schwarze Britin in der Rock Hall of Fame – was nur ungefähr mehrere Jahrzehnte zu spät kommt.
Aber immerhin:
Wenn jemand diesen Laden mit Stil betritt, dann nicht die Gallagher-Brüder mit Sonnenbrille im November, sondern Sade mit einem Blick, der mehr Klasse hat als die gesamte Preisverleihung.
Joy Division bei American Idol – als hätte Satire aufgegeben
Besonders absurd:
Die Bekanntgabe fand ausgerechnet bei American Idol statt.
Also einer bunten TV-Talentshow mit Ryan Seacrest, Glitzerlicht und Publikumsapplaus.
Und mittendrin: Joy Division.
Das ist ungefähr so passend, als würde man Kafka beim Oktoberfest ehren oder Bauhaus im Teleshopping ankündigen.
Die wahre Tradition: Briten werden geehrt – und schicken Absagen mit Stil
Historisch läuft das bei britischen Rocklegenden meist so:
- Einladung? Ja
- Preis? Nett
- Dankesrede? Nein
- öffentliche Verachtung? Sehr wahrscheinlich
Die Rock Hall liebt Briten.
Britische Musiker lieben es dagegen, die Rock Hall so zu behandeln, als wäre sie eine schlecht organisierte Betriebsfeier mit Sponsoren.
Und ehrlich gesagt:
Genau deshalb passen sie so gut rein.
Die Bewertung
2026 zeigt die Rock Hall mal wieder:
Amerika baut die Vitrine, Großbritannien liefert den Mythos.
Oasis, Iron Maiden, Sade und Co. werden geehrt – und wahrscheinlich werden mindestens zwei davon trotzdem so tun, als sei die ganze Veranstaltung peinlich, käuflich oder unter ihrem Niveau.
Die Rock & Roll Hall of Fame hat dieses Jahr sechs britische Acts aufgenommen und damit erneut bewiesen, dass Amerika zwar gerne Preise vergibt, aber bei echter Rock-Arroganz gegen Manchester und London weiterhin keine Chance hat. Während die US-Musikindustrie sich selbst feiert, überlegen Liam Gallagher und Bruce Dickinson vermutlich schon, wie man einen Ehrenplatz in Cleveland möglichst stilvoll beleidigt.

