Orbán ade: Ungarn jagt den Dauer-Regenten aus dem Amt
Budapest.
16 Jahre Viktor Orbán, 16 Jahre Fidesz, 16 Jahre Machtpolitik mit Nationalpathos, Feindbildern und Staatsumbau – und dann kommt Péter Magyar und fegt das System mit voller Wucht aus dem Parlament.
Nach Auszählung von mehr als 98 Prozent der Stimmen steuert Magyars Partei Tisza auf 138 Sitze im 199-köpfigen Parlament zu. Orbáns Fidesz fällt auf 55 Mandate, die Rechtsaußen-Partei Mi Hazánk kommt auf sechs.
Heißt: nicht nur verloren – zerlegt.
Besonders bitter für Orbán: Tisza erreicht damit genau jene Zweidrittelmehrheit, die nötig ist, um das von ihm aufgebaute Machtkonstrukt aus Verfassungsumbauten, Patronage und Staatsmedien wieder auseinanderzunehmen.
Magyar feierte den Sieg entsprechend deutlich:
„Wir haben es geschafft. Gemeinsam haben wir das ungarische Regime gestürzt.“
Das ist keine normale Wahlniederlage mehr für Orbán. Das ist ein politischer Abrissbescheid.
Historisch ist auch die Beteiligung: Rund 79 Prozent der Wahlberechtigten gingen an die Urnen – so viele wie noch nie im demokratischen Ungarn. Die Wähler haben dem ewigen Regierungschef nicht nur die Mehrheit entzogen, sondern auch den Mythos seiner Unbesiegbarkeit.
Immerhin: Orbán erkannte die Niederlage an. Das Ergebnis sei „klar und schmerzhaft“, sagte er vor sichtlich bedröppelten Fidesz-Anhängern. Zurücktreten will er als Parteichef bislang aber nicht.
Für Péter Magyar beginnt jetzt die eigentliche Arbeit: Er will Korruption bekämpfen, Justiz und Medien entpolitisieren und das verhasste Fidesz-System NER entsorgen, das jahrelang Parteifreunde fett und den Staat dünn gemacht hat.
Auch international ist der Sieg ein Signal: Der Trump-Freund und Putin-Versteher Orbán ist abgewählt. Ungarn dreht sich wieder Richtung Europa.
Die Bewertung:
16 Jahre lang führte sich Orbán auf, als wäre Ungarn sein Privatbesitz mit Fahne. Jetzt haben ihm die Wähler gezeigt: Auch ein Dauer-Regent ist am Ende nur ein Mieter auf Zeit.

