Trump und das Geburtsrecht

Trump und das Geburtsrecht

Veröffentlicht

Montag, 06.04.2026
von Red. TB

Trump will das Geburtsrecht schleifen: Supreme Court verhandelt Angriff auf eines der letzten US-Grundprinzipien

Donald Trump zielt auf eines der ältesten und wichtigsten Versprechen Amerikas: Wer in den USA geboren wird, ist Amerikaner. Genau dieses Prinzip will der Präsident nun politisch zerlegen lassen – und der Supreme Court verhandelt darüber.

Im Fall Trump v. Barbara geht es um Trumps Erlass aus dem Januar 2025, mit dem er die automatische Staatsbürgerschaft für in den USA geborene Kinder einschränken will. Ein Frontalangriff auf den 14. Verfassungszusatz, der seit 1868 klar regelt: Geburt auf US-Boden bedeutet Staatsbürgerschaft. Punkt.

Doch Trump wäre nicht Trump, wenn er nicht aus einem glasklaren Verfassungsprinzip ein politisches Schlachtfeld machen würde.

Besonders symbolträchtig: Der Präsident saß persönlich bei der Anhörung im Gerichtssaal – ein seltener Auftritt eines amtierenden US-Präsidenten. Die Botschaft war unmissverständlich: Hier geht es nicht nur um Recht. Hier geht es um Macht, Ideologie und die nächste Eskalationsstufe im amerikanischen Kulturkampf.

Das Problem für Trump: Juristisch sieht sein Vorstoß alles andere als stabil aus.

Bereits 2025 hatte sich das oberste Gericht mit seinem Erlass beschäftigt. Damals ging es zunächst nur um Verfahrensfragen – nicht um die eigentliche Verfassungsmäßigkeit. Doch schon damals zeigte sich: Keiner der Richter sprang offen auf Trumps Interpretation des 14. Verfassungszusatzes an. Heißt übersetzt: Die Rechtslage ist für den Präsidenten so dünn wie seine Geduld.

Die Folgen eines Endes des Geburtsrechts wären allerdings massiv.

Laut Berechnungen des Migration Policy Institute und des Population Research Institute der Penn State University würden jedes Jahr im Schnitt rund 255.000 Kinder in den USA geboren, ohne automatisch Staatsbürger zu sein.

Das wäre nicht nur ein juristischer Dammbruch – das wäre die gezielte Produktion einer neuen rechtlichen Grauzone.

Denn statt Probleme zu lösen, würde Trumps Modell schlicht neue schaffen: Die Zahl der Menschen ohne gesicherten Status in den USA könnte laut Schätzungen um 2,7 Millionen bis 2045 steigen – und bis 2075 sogar um 5,4 Millionen.

Mit anderen Worten:
Trump verkauft seinen Vorstoß als Kampf gegen illegale Migration – und könnte damit selbst eine neue Generation von Menschen ohne klare Rechte und ohne gesicherten Status erzeugen.

Schon heute leben laut Pew Research Center rund 4,4 Millionen in den USA geborene Kinder unter 18 Jahren mit mindestens einem Elternteil ohne legalen Aufenthaltsstatus. Genau diese Familien wären die ersten Opfer dieses politischen Experiments.

Und während Trump so tut, als würde er eine nationale Notlage bekämpfen, zeigen die Zahlen vor allem eines: Amerika ist längst ein Einwanderungsland – ob es ihm passt oder nicht.

Laut US-Zensus waren 2024 mehr als 25 Millionen im Ausland geborene Menschen in den USA bereits eingebürgerte Staatsbürger. 2022 waren 13,9 Prozent der Gesamtbevölkerung im Ausland geboren. 1970 lag dieser Anteil noch bei 4,7 Prozent. Besonders hoch ist der Anteil in Staaten wie Kalifornien, New York, New Jersey und Florida.

Mehr als die Hälfte der ausländisch geborenen Bevölkerung stammt aus Lateinamerika, knapp ein Drittel aus Asien.

International wäre ein Ende des Geburtsrechts ebenfalls ein politischer Tabubruch. Laut Pew Research Center gibt es weltweit mindestens 32 Länder, die ähnliche Regeln haben – vor allem in Nord- und Südamerika. Die USA würden sich also nicht modernisieren, sondern sich bewusst von einem zentralen republikanischen Grundsatz verabschieden.

Die eigentliche Frage ist deshalb nicht nur juristisch.

Sie lautet:
Will Trump illegale Migration bekämpfen – oder die Definition von „Amerikaner“ politisch neu schreiben?

Denn genau darum geht es. Nicht um Verwaltung. Nicht um Ordnung. Nicht um ein paar Paragrafen. Sondern um die Grundsatzfrage, ob Staatsbürgerschaft in den USA künftig noch ein verfassungsmäßig garantiertes Recht ist – oder nur noch ein Privileg, das je nach politischer Wetterlage neu verteilt wird.

Trump macht aus einem Verfassungsprinzip eine Wahlkampfwaffe.
Und der Supreme Court muss nun entscheiden, ob Amerikas Grundgesetz noch gilt – oder ob auch das inzwischen nur noch verhandelbar ist.

Geboren in den USA – aber bald trotzdem kein Amerikaner?
Genau diese absurde Frage liegt jetzt auf dem Tisch.

Bildnachweis:

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Montag, 06.04.2026

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