Donald Trump macht wieder das, was Donald Trump am besten kann: erst laut drohen, dann Fristen setzen, dann Fristen verschieben, dann noch lauter drohen – und das Ganze als außenpolitische Meisterleistung verkaufen.
Diesmal richtet sich die verbale Abrissbirne gegen den Iran. Weil Teheran die für den Welthandel entscheidende Straße von Hormus weiter blockiert, kündigte der US-Präsident auf seiner Plattform Truth Social an, dem Land am Dienstag einen ganz besonderen Infrastruktur-Feiertag zu spendieren: „Power Plant Day“ und „Bridge Day“, also sinngemäß Stromausfall plus Brückeneinsturz im XXL-Format.
Mit anderen Worten:
Wenn die Diplomatie nicht funktioniert, wird eben die zivile Infrastruktur zur Eventfläche.
Trump schrieb in gewohnt staatsmännischem Ton, der irgendwo zwischen Bierzelt, Reality-TV und nuklearer Drohkulisse pendelt: Der Iran solle gefälligst die „verdammte Straße“ öffnen, sonst werde das Land „in der Hölle leben“. Das Ganze garniert mit Kraftausdrücken, Großbuchstaben und einem religiösen Abschlussgruß, der in dieser Mischung vermutlich selbst seine eigenen Berater kurz innehalten ließ.
Besonders charmant: Nur wenig später erklärte Trump gegenüber Fox News, es gebe eine „gute Chance“, dass schon am Montag ein Deal mit Teheran zustande komme. Gleichzeitig fabulierte er darüber, notfalls „alles in die Luft zu jagen“ und sich das iranische Öl gleich selbst zu sichern.
Man muss diese bemerkenswerte Stringenz bewundern:
Entweder Frieden bis morgen – oder totale Zerstörung plus Ölübernahme.
Das Problem: Es ist nicht einmal das erste Mal, dass Trump mit einer ultimativen Frist wedelt, die sich dann als erstaunlich dehnbar erweist. Bereits am 21. März hatte er dem Iran zunächst 48 Stunden gegeben. Dann wurden daraus fünf Tage. Danach noch einmal zehn Tage. Dann wieder 48 Stunden. Und nun plötzlich: Dienstag, 20 Uhr Ostküstenzeit.
Man könnte auch sagen:
Das einzige, was in dieser Krise wirklich zuverlässig verschoben wird, ist Trumps eigenes Ultimatum.
In Teheran reagierte man entsprechend wenig eingeschüchtert. Ein Sprecher des iranischen Präsidenten erklärte, die Straße von Hormus werde wieder geöffnet – allerdings erst dann, wenn ein Teil künftiger Transitgebühren dazu genutzt werde, die Kriegsschäden zu kompensieren. Sprich: Wer künftig durchfahren will, darf erstmal für Bomben, Brände und Chaos mitzahlen.
Auch aus dem iranischen Militär kam die erwartbare Retourkutsche. Ein General bezeichnete Trumps Drohung als „hilflos, nervös, unausgeglichen und dumm“ und versprach seinerseits, für Washington würden sich die Tore der Hölle öffnen.
Diplomatie 2026, Nahost-Edition:
Zwei Seiten, zwei Höllen, null Seriosität.
Während Trump also auf Social Media den Bauplan für einen Infrastrukturkrieg veröffentlicht, geht der tatsächliche Krieg längst weiter – und zwar mit immer bedrohlicheren Folgen für die Weltwirtschaft.
Die Straße von Hormus, durch die normalerweise rund ein Fünftel des globalen Öl- und Gashandels läuft, ist durch die iranische Blockade massiv beeinträchtigt. Das Resultat: steigende Energiepreise, explodierende Frachtraten, wachsende Inflationssorgen – und das alles weit über die Region hinaus.
Kurz gesagt:
Washington und Teheran streiten – und Europa, Asien und der Rest der Welt zahlen an der Tankstelle.
Gleichzeitig eskaliert auch die militärische Lage weiter. Israel griff nach Angaben mehrerer Medien zuletzt erneut zivile iranische Infrastruktur an, darunter eine petrochemische Anlage. Auch der Qasem-Soleimani-Flughafen im Südwesten des Iran soll getroffen worden sein. Weitere Angriffe auf Energieanlagen sollen bereits vorbereitet sein – sofern die USA grünes Licht geben.
Auf der Gegenseite setzt der Iran seine Angriffe mit Drohnen und Raketen fort. In Haifa wurde ein Wohngebäude direkt getroffen, vier Menschen wurden verletzt. In Abu Dhabi brachen nach einem iranischen Angriff Brände in einer petrochemischen Anlage aus. Kuwait meldete schwere Schäden an Öl- und Industrieanlagen, auch in Bahrain wurden Energieeinrichtungen getroffen.
Der Krieg hat sich damit längst von einer regionalen Konfrontation zu einem globalen Rohstoff- und Lieferkettenrisiko mit offenem Eskalationspotenzial entwickelt.
Und mittendrin Donald Trump, der gleichzeitig behauptet, kurz vor einem Deal zu stehen – und öffentlich ankündigt, dem Iran notfalls Kraftwerke, Brücken und vermutlich gleich den Rest der Infrastruktur zu pulverisieren.
Das eigentlich Verstörende ist dabei nicht einmal mehr der Tonfall.
Sondern wie normal diese Form von politischer Irrationalität inzwischen behandelt wird.
Ein US-Präsident, der in obszönen Beschimpfungen einen Angriff auf zivile Infrastruktur ankündigt, dabei seine eigenen Fristen im Tagesrhythmus verschiebt und parallel über die Aneignung fremder Ölreserven fantasiert, würde in jeder halbwegs gesunden Demokratie als Sicherheitsrisiko gelten.
In Trumps Amerika gilt das offenbar als Kommunikationsstrategie.
Bleibt also festzuhalten:
Trump droht dem Iran mit „Hölle“, Stromausfällen und Brückensprengungen.
Den Deal sieht er trotzdem schon „morgen“.
Und sein Ultimatum? Das lebt inzwischen länger als jede politische Glaubwürdigkeit.

