Da ist sie wieder, die klassische Antwort des modernen Profifußballs auf eine sportliche Krise: Der Trainer muss weg! Austria Wien hat sich von Stephan Helm getrennt. Zehn Spieltage, sieben Punkte, vorletzter Tabellenplatz – und schon wird der Mann an der Seitenlinie zum Hauptverantwortlichen erklärt. Aber ist das wirklich so einfach? Wir finden: Wer ständig nur den Trainer austauscht, macht es sich verdammt bequem.
Natürlich ist die aktuelle Situation bei der Wiener Austria enttäuschend. Gerade einmal zwei Siege aus zehn Spielen, drei Niederlagen hintereinander und zuletzt eine 1:2-Pleite in Altach trotz eigener Führung.
Da muss man sich Sorgen machen. Da muss man auch kritisch hinterfragen, ob taktisch, personell und sportlich alles richtig läuft.
Aber eine Frage sei erlaubt: Wer hat denn in Altach nach einer 1:0-Führung noch zwei Gegentore kassiert? Stephan Helm auf der Trainerbank oder die elf Spieler auf dem Platz?
Gestern noch verlängert, heute schon entlassen
Besonders bemerkenswert ist die Geschwindigkeit, mit der sich im Profifußball Überzeugungen ändern können.
Erst im Frühjahr wurde Helms Vertrag um zwei Jahre verlängert. Offenbar waren die Verantwortlichen damals von seiner Arbeit überzeugt.
Und dafür gab es durchaus Gründe. Schließlich führte Helm die Austria in seiner Amtszeit auf einen dritten und einen vierten Tabellenplatz.
Jetzt sollen zehn schlechte Spieltage ausreichen, um diese Leistungen praktisch vergessen zu machen?
Natürlich muss ein Verein reagieren, wenn die sportliche Entwicklung nicht stimmt. Aber Führung bedeutet eben auch, schwierige Phasen gemeinsam auszuhalten.
Und wann übernimmt eigentlich die Mannschaft Verantwortung?
Was mich an solchen Trainerentlassungen besonders stört, ist die oft einseitige Schuldverteilung.
Ein Trainer kann Spielsysteme entwickeln, Laufwege trainieren, Spieler motivieren und taktische Vorgaben machen.
Aber er kann nicht selbst den entscheidenden Zweikampf gewinnen, einen Fehlpass verhindern oder einen Ball ins Tor schießen.
Das müssen die Spieler erledigen.
Gerade die erfahrenen Profis sollten sich deshalb fragen, welchen Anteil sie selbst an dieser sportlichen Misere haben.
Wer das violette Trikot trägt, hat schließlich nicht nur einen Arbeitsvertrag, sondern auch eine Verantwortung gegenüber dem Verein und seinen Anhängern.
Maximilian Uhlig übernimmt – aber zaubern kann er auch nicht
Nun soll Maximilian Uhlig die Mannschaft wieder auf Kurs bringen.
Der bisherige Trainer der Young Violets hat mit seinem Team in der zweiten Liga erfolgreiche Arbeit geleistet. Das verdient Anerkennung.
Wir wünschen ihm ausdrücklich viel Erfolg.
Aber auch er wird aus denselben Spielern nicht über Nacht eine völlig andere Mannschaft machen können.
Wenn Einsatzbereitschaft, Konzentration und Konsequenz fehlen, hilft schließlich auch ein neuer Mann auf der Trainerbank nur begrenzt.
Unser Fazit: Die bequemste Lösung ist nicht immer die beste
Austria Wien befindet sich sportlich und wirtschaftlich in einer schwierigen Situation.
Gerade deshalb wäre Kontinuität möglicherweise wichtiger gewesen als die nächste personelle Zäsur.
Die Verantwortlichen haben anders entschieden. Das ist ihr gutes Recht.
Doch nun müssen sie sich auch daran messen lassen, ob dieser Trainerwechsel tatsächlich eine nachhaltige Verbesserung bringt.
Denn eines sollte klar sein: Wenn die Mannschaft weiterhin dieselben Fehler macht, kann man schlecht alle paar Wochen einen neuen Trainer verpflichten.
Vielleicht wäre es deshalb an der Zeit, nicht immer nur den Mann an der Seitenlinie auszutauschen, sondern endlich auch diejenigen stärker in die Pflicht zu nehmen, die auf dem Rasen stehen.
Liebe Austria-Profis, der Trainer ist weg. Eure Verantwortung bleibt!
Ein kritischer redaktioneller Kommentar zur Trainerentlassung bei Austria Wien.


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