Islamabad, 14. Oktober 2026 – Geschlossene Schulen, gesperrte Straßen, eingeschränkter Internetzugang und Soldaten in den Städten: Pakistan erlebt eine neue Eskalation im Machtkampf zwischen der Regierung und den Anhängern des früheren Ministerpräsidenten Imran Khan. Die Verhängung des Ausnahmezustands über seine politische Hochburg Khyber Pakhtunkhwa könnte die ohnehin angespannte Lage weiter verschärfen.
Seit Tagen demonstrieren Tausende Menschen für die Freilassung des ehemaligen Regierungschefs. Khan befindet sich seit August 2023 in Haft. Er wurde in mehreren Korruptionsverfahren verurteilt, bezeichnet die Anschuldigungen jedoch als politisch motiviert.
Ausnahmezustand mit Terrorgefahr begründet
Die pakistanische Bundesregierung begründet ihre Entscheidung mit einer angeblich erheblichen terroristischen Bedrohung. Informationsminister Attaullah Tarar warf der Regionalregierung, die von Khans Partei PTI geführt wird, eine Zusammenarbeit mit Terroristen vor. Konkrete Beweise legte er zunächst nicht vor.
Die Provinzregierung wurde suspendiert. Sicherheitskräfte errichteten Straßensperren, teilweise wurden Internetverbindungen unterbrochen. In der Provinzhauptstadt Peschawar normalisierte sich die Lage inzwischen teilweise, doch die politischen Spannungen bleiben bestehen.
Oppositionspolitiker verschwunden – Proteste gehen weiter
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem bisherigen Regionalregierungschef Sohail Afridi. Seine Partei behauptet, er sei festgenommen worden. Die Bundesregierung spricht dagegen von Schutzgewahrsam.
Auch mehrere andere führende PTI-Politiker sind untergetaucht. Bei Protesten im Bezirk Khyber soll die Polizei Tränengas eingesetzt haben.
Bereits im September wurden drei Schwestern Imran Khans festgenommen. Seine Familie und seine Anwälte hatten zuletzt nur eingeschränkten Kontakt zu dem ehemaligen Regierungschef.
Militär gewinnt immer mehr politischen Einfluss
Politische Beobachter sehen hinter dem harten Vorgehen auch den wachsenden Einfluss des pakistanischen Militärs. Dieses spielt seit Jahrzehnten eine entscheidende Rolle in der Politik des Landes.
Kritiker bezweifeln, dass der Ausnahmezustand ausschließlich aus Sicherheitsgründen verhängt wurde. Sie vermuten vielmehr den Versuch, die politische Opposition dauerhaft zu schwächen.
Pakistan steht vor mehreren Krisen gleichzeitig
Neben den innenpolitischen Spannungen kämpft Pakistan mit wachsendem Terrorismus, schwierigen Beziehungen zu Afghanistan und dem ungelösten Konflikt mit Indien.
Die militärische Unterstützung Saudi-Arabiens stellt Islamabad zusätzlich vor außenpolitische Herausforderungen.
Droht eine weitere Eskalation?
Die Regierung will mit ihrem Vorgehen offenbar Kontrolle demonstrieren. Doch gerade darin liegt eine erhebliche Gefahr: Wer Protestbewegungen mit immer härteren Maßnahmen begegnet, riskiert eine weitere Radikalisierung und gesellschaftliche Spaltung.
Pakistan steht damit vor einer grundlegenden Frage: Kann politische Stabilität durch staatlichen Zwang entstehen, oder braucht das Land einen ernsthaften Dialog zwischen Regierung und Opposition?
Fest steht: Der Ausnahmezustand könnte am Ende genau jene politische Unruhe verstärken, die er eigentlich beenden soll.


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