Manche Fußballer bekommen zum Abschied Blumen. Andere ein gerahmtes Trikot, ein paar warme Worte und noch einmal Applaus von den Fans. Lionel Messi bekommt eine Minute, in der der Fußball in ganz Argentinien praktisch stillsteht.
Und ganz ehrlich: Wenn es einen Spieler gibt, bei dem eine solche Geste nicht übertrieben wirkt, dann wohl ihn.
Nach dem Rücktritt des 39-Jährigen aus der argentinischen Nationalmannschaft hat der argentinische Fußballverband AFA eine außergewöhnliche Hommage angekündigt. Am kommenden Spieltag sollen in allen Klassen und bei allen Sportarten der Männer und Frauen die Spiele nach zehn Minuten unterbrochen werden.
Dann wird eine Minute lang applaudiert.
Natürlich in der zehnten Minute.
Welche auch sonst?
Für die Nummer 10 hält Argentinien inne
Es ist eine dieser Gesten, die zunächst fast ein wenig kitschig klingen – und bei Messi trotzdem irgendwie passen.
Nach zehn Minuten wird gestoppt.
Nicht wegen einer Verletzung.
Nicht wegen VAR.
Nicht weil irgendein Schiedsrichter minutenlang versucht herauszufinden, ob eine Kniescheibe drei Zentimeter im Abseits stand.
Sondern für einen Fußballer, dessen Rückennummer 10 längst zu seiner Geschichte gehört.
Eine Minute Applaus für Lionel Messi.
Im ganzen Land.
Von den großen Stadien bis hinunter in die unteren Klassen.
Das ist schon gewaltig.
Dazu laufen seine größten Momente noch einmal über die Leinwände
Damit nicht genug.
Stadien mit Videowänden sollen vor den Spielen ein Tributvideo zeigen. Noch einmal Messi mit dem argentinischen Trikot. Noch einmal diese Dribblings. Diese Tore. Diese Pässe, bei denen man manchmal glaubte, er sehe auf dem Platz Dinge ein paar Sekunden früher als alle anderen.
Und natürlich werden dabei die Bilder auftauchen, auf die Argentinien so lange gewartet hatte.
Messi mit der Copa América.
Messi mit seinen Mannschaftskameraden.
Und vor allem:
Messi mit dem WM-Pokal 2022.
Dieses Bild hat endgültig alles verändert.
207 Spiele, 125 Tore – und mehr als zwei Jahrzehnte
Die Zahlen allein sind schon absurd.
207 Länderspiele. 125 Tore.
Sein Debüt gab Messi 2005.
Mehr als zwanzig Jahre später ist dieses Kapitel nun beendet.
Dazwischen lagen Enttäuschungen, verlorene Endspiele, Kritik und sogar Zeiten, in denen Messi und die Nationalmannschaft beinahe wie eine komplizierte Beziehung wirkten.
Bei Barcelona war er der unantastbare König.
In Argentinien wurde trotzdem immer wieder gefragt:
Wann macht er es endlich mit der Nationalmannschaft?
Wann gewinnt er den großen Titel?
Kann er wirklich in die Reihe mit Diego Maradona?
Diese Fragen begleiteten ihn jahrelang.
Bis Messi irgendwann einfach anfing, sie alle zu beantworten.
Erst die Copa – dann der ganz große Moment
Zweimal gewann er mit Argentinien die Copa América.
Und dann kam Katar 2022.
Die Weltmeisterschaft, die für seine Karriere fast wie das letzte fehlende Kapitel eines Drehbuchs wirkte.
Messi führte Argentinien zum Titel.
Plötzlich war alles da.
Die Bilder.
Der Pokal.
Die Tränen.
Die Menschenmassen in Argentinien.
Und dieses Gefühl eines ganzen Landes:
Jetzt hat er ihn.
Von diesem Moment an musste niemand mehr erklären, was Messi für Argentinien bedeutet.
Sein Abschied tut ihm selbst weh
Wie schwer ihm der Rücktritt fällt, machte Messi selbst deutlich.
Er schrieb, die Entscheidung habe ihm „in der Seele wehgetan“ und tue es noch immer. Gleichzeitig habe er verstanden, dass die Zeit gekommen sei.
Besonders emotional war sein Hinweis darauf, dass er für dieses Trikot immer alles gegeben habe – nicht nur in den erfolgreichen letzten Jahren, sondern auch in den schwierigen Zeiten davor.
Genau das vergisst man manchmal.
Heute sieht Messis Geschichte mit Argentinien aus wie ein einziges goldenes Fußballmärchen.
War sie aber lange nicht.
Es gab bittere Niederlagen.
Es gab Tränen.
Es gab Zweifel.
Und trotzdem kam er immer wieder.
Vielleicht macht genau das diese Ehrung so besonders
Die Minute Applaus ist deshalb nicht nur eine Würdigung von 125 Toren.
Sie ist auch eine Würdigung einer außergewöhnlich langen Beziehung zwischen einem Spieler und seinem Land.
Messi hätte irgendwann sagen können: Es reicht.
Zu viel Kritik.
Zu viele verlorene Finals.
Zu viele Vergleiche.
Stattdessen spielte er weiter.
Und bekam am Ende das Happy End, auf das Argentinien und wahrscheinlich auch er selbst so lange gewartet hatten.
Einen Spieltag lang gehört die zehn noch einmal ihm
Natürlich kann man darüber diskutieren, ob tatsächlich Spiele in allen Klassen dafür unterbrochen werden müssen.
Normalerweise wäre ich bei solchen Inszenierungen eher vorsichtig.
Aber diesmal?
Nein.
Diesmal darf es ruhig groß sein.
Denn Lionel Messi war für Argentinien eben nicht einfach irgendein Nationalspieler.
Er war über zwei Jahrzehnte das Gesicht dieser Mannschaft.
Er wurde kritisiert, gefeiert, angezweifelt und am Ende verehrt.
Und jetzt beendet einer der größten Fußballer der Geschichte seine Reise im Nationaltrikot.
Da kann man schon einmal eine Minute stehen bleiben.
Nach zehn Minuten. Für die Nummer 10.
Was für eine Geste.
Aber diese eine Minute Applaus hat sich Lionel Messi wirklich verdient.


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