Im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Tod des 18-jährigen Nolan Wells ist in den USA ein weiterer Mann angeklagt worden. Eine Grand Jury auf Bundesebene erhob Anklage gegen Edward James Porter aus Berwyn im Bundesstaat Illinois. Ihm wird vorgeworfen, Personen bedroht zu haben, die mit den Ermittlungen in Verbindung stehen.
Der Fall Nolan Wells sorgt in den USA seit Wochen für große Aufmerksamkeit. Wells war Anfang Juli während eines Bootsausflugs vor der Küste des Bundesstaates Mississippi verschwunden. Zwei Tage später wurde seine Leiche gefunden.
Bis heute ist jedoch nicht abschließend geklärt, wie der junge Mann ums Leben kam.
Vorwurf: Morddrohungen gegen Zeugen und deren Familien
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll Porter Ende Juli einen Zeugen und dessen Familie mit dem Tod bedroht haben.
Laut Gerichtsunterlagen soll er dem Betroffenen später sogar die Adresse des Wohnhauses geschickt und behauptet haben, sich vor dem Gebäude aufzuhalten.
Der Anwalt Russell Latino erklärte, die Drohungen hätten sich gegen Bart Edmiston Jr. und dessen Vater Bart Edmiston Sr. gerichtet. Edmiston Jr. gehörte zu der Gruppe, die gemeinsam mit Nolan Wells am 4. Juli nach Horn Island gefahren war. Er half an diesem Tag auch dabei, das beschädigte Boot der Gruppe abzuschleppen.
Porter soll zudem weitere Drohungen ausgesprochen und rassistische Bemerkungen gemacht haben.
Bis zu fünf Jahre Haft möglich
Porter wird auf Bundesebene vorgeworfen, eine bedrohliche Mitteilung über die Grenzen eines Bundesstaates hinweg übermittelt zu haben.
Sollte er verurteilt werden, drohen ihm bis zu fünf Jahre Gefängnis, eine Geldstrafe von bis zu 250.000 US-Dollar sowie anschließend bis zu drei Jahre überwachte Bewährung.
Ob Porter sich bereits schuldig oder nicht schuldig bekannt hat, war zunächst nicht bekannt.
Bereits mehrere Personen wegen Drohungen angeklagt
Porter ist nicht die einzige Person, gegen die im Umfeld des Falls Nolan Wells wegen Drohungen ermittelt wird.
Nach Angaben der US-Behörden wurden insgesamt bereits drei Personen auf Bundesebene angeklagt.
Dabei betonen die Ermittler, dass diese Beschuldigten nach bisherigem Kenntnisstand keine persönliche Verbindung zu Nolan Wells, seiner Familie oder den unmittelbar Beteiligten hatten.
Die Drohungen seien vielmehr entstanden, nachdem sich im Internet zahlreiche Spekulationen, Falschinformationen und persönliche Angriffe rund um den Fall verbreitet hatten.
Bombendrohungen gegen Behörden
In einem weiteren Fall wird Joseph Alfredo Vasquez Dumarce aus Kalifornien beschuldigt, einer Richterin im Jackson County über Facebook eine Bombendrohung geschickt zu haben.
Auch Michelle Francine Edwards aus Ohio wurde angeklagt. Sie soll zahlreiche bedrohliche Telefonanrufe bei einer Behörde im George County getätigt und später Bombendrohungen gegen das Büro des Sheriffs im Jackson County ausgesprochen haben.
Edwards hat sich nicht schuldig bekannt. Ihr Anwalt kündigte an, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen.
Was geschah mit Nolan Wells?
Nolan Wells verschwand am 4. Juli während eines Bootsausflugs nach Horn Island vor der Golfküste von Mississippi.
Nach einer größeren Suchaktion wurde seine Leiche am 6. Juli entdeckt.
Die Behörden erklärten bislang, dass es derzeit keine konkreten Hinweise auf ein Fremdverschulden gebe. Trotzdem wird der Fall weiterhin als laufendes Ermittlungsverfahren behandelt.
Eine staatliche Obduktion ist abgeschlossen. Der Bericht wurde jedoch noch nicht veröffentlicht, da die Ergebnisse einer Grand Jury vorgelegt werden sollen.
Zusätzlich ließ die Familie von Nolan Wells eine unabhängige Obduktion durchführen. Diese konnte weder die genaue Todesursache noch die Art des Todes eindeutig feststellen.
Familie sucht weiter nach Antworten
Die Familie von Nolan Wells wird vom bekannten Bürgerrechtsanwalt Ben Crump vertreten.
Sie führt weiterhin eigene Nachforschungen durch und verlangt Antworten auf die offenen Fragen rund um den Tod des 18-Jährigen.
Gleichzeitig berichten mehrere Freunde von Wells, Angehörige und andere Personen aus seinem Umfeld von Drohungen und Belästigungen.
Einige Betroffene haben inzwischen selbst rechtliche Schritte gegen Personen eingeleitet, die ihrer Ansicht nach falsche Behauptungen im Internet verbreitet haben.
Ermittler warnen vor Spekulationen
Der Fall zeigt zunehmend, welche Folgen unbestätigte Behauptungen und Gerüchte in sozialen Netzwerken haben können.
Obwohl bislang niemand wegen des Verschwindens oder des Todes von Nolan Wells angeklagt wurde, haben sich im Internet zahlreiche Theorien verbreitet.
Nach Einschätzung der Behörden haben diese Spekulationen teilweise zu massiven Drohungen gegen Menschen geführt, die lediglich mit den Ermittlungen oder dem Umfeld von Wells in Verbindung stehen.
Während die Untersuchung zum Tod von Nolan Wells weiterläuft, beschäftigen sich die Strafverfolger deshalb inzwischen auch mit einer zweiten Ebene des Falls: den Drohungen, Falschinformationen und persönlichen Angriffen, die sich rund um die Ermittlungen entwickelt haben.


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