Der Blick auf Österreichs Wirtschaft wurde am Sonntagabend vor allem von einem alten Bekannten bestimmt: der Energiefrage. Die Gasspeicher sind zwar gut gefüllt, aber deutlich weniger komfortabel als gewöhnlich. Gleichzeitig hinterlässt der heiße und trockene Sommer immer deutlichere Spuren in der Landwirtschaft.
Nach Angaben des ORF waren Österreichs Gasspeicher am Sonntag nur zu rund zwei Dritteln gefüllt. Für Ende August ist das weniger als normalerweise üblich. Hintergrund sind hohe Gaspreise und die Auswirkungen des Iran-Konflikts auf die internationalen Energiemärkte.
Eine unmittelbare Versorgungskrise sieht die Regulierungsbehörde E-Control dennoch nicht. Die Gasversorgung Österreichs im kommenden Winter sei nach derzeitiger Einschätzung gesichert. Das Wirtschaftsministerium mahnt trotzdem zu verstärkter Vorsorge – vor allem für den Fall eines ungewöhnlich kalten Winters.
Damit geht es weniger um die Frage, ob plötzlich das Gas ausgeht, sondern stärker darum, zu welchem Preis Österreich durch den kommenden Winter kommt. Hohe Großhandelspreise belasten nicht nur Haushalte, sondern insbesondere energieintensive Industrieunternehmen. Der ORF fasste die Lage am frühen Sonntagabend entsprechend knapp zusammen: „Gas bleibt teuer“.
Zusätzliche Nervosität bringt die Innenpolitik. Die Industriellenvereinigung kritisierte den geplanten österreichischen Klimakurs und warnte davor, mit nationalen Vorgaben die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Unternehmen zusätzlich zu belasten. Gerade in einer wirtschaftlich schwierigen Phase seien zusätzliche Standortkosten problematisch, argumentiert die Industrie.
Trockenheit trifft die Landwirtschaft
Der zweite österreichische Wirtschaftsschwerpunkt des Abends kam aus der Landwirtschaft. Hitze und anhaltende Trockenheit führen in diesem Jahr zu einer geringeren Kürbisernte. Besonders für die Steiermark ist das relevant, weil Kürbiskerne und Kürbiskernöl dort ein bedeutender landwirtschaftlicher Wirtschaftszweig sind. Der ORF berichtete am Sonntagabend, dass deutlich weniger Kürbisse auf den Feldern liegen.
Ganz verloren ist die Saison allerdings noch nicht. Kleinere Kürbisse bedeuten nicht automatisch weniger Kerne. Wie groß die tatsächlichen wirtschaftlichen Einbußen ausfallen, lässt sich deshalb noch nicht verlässlich beziffern.
Damit ergibt sich für Österreichs Wirtschaft am Montagmorgen ein gemischtes Bild: Die Energieversorgung gilt als gesichert, aber teuer; die Speicher könnten voller sein, die Industrie warnt vor zusätzlichen Belastungen und die Dürre setzt der Landwirtschaft zu.
Kein Wirtschaftscrash also – aber ausreichend Baustellen, damit Finanzminister, Wirtschaftsminister und Unternehmer beim Frühstückskaffee nicht aus Langeweile die Zeitung zweimal lesen müssen.


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