Trump sucht den Kronprinzen – und lässt alle zappeln

Trump sucht den Kronprinzen – und lässt alle zappeln

Veröffentlicht

Montag, 29.06.2026
von Red. TB

Donald Trump macht wieder das, was er am besten kann: Alle gegeneinander antreten lassen und selbst genüsslich zuschauen. Diesmal lautet die Casting-Show allerdings nicht „The Apprentice“, sondern „Wer darf 2028 ins Weiße Haus?“

Ganz vorne im Bewerberfeld: Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio. Der Haken? Trump verrät niemandem, wen er bevorzugt. Stattdessen fragt er mal hier, mal da: „Na, wen findet ihr besser?“ Das politische Äquivalent zu: „Schatz, steht mir das Hemd?“ – wobei jede Antwort potenziell karriereentscheidend ist.

JD Vance gibt sich unterdessen staatsmännisch gelassen. Öffentlich erklärt er, er denke überhaupt nicht an 2028. Natürlich nicht. Deshalb erscheint auch rein zufällig gerade ein neues Buch, er tourt durch die Medien und sammelt fleißig Pluspunkte bei der MAGA-Basis. Alles reine Zufälle – genau wie Wahlkampfveranstaltungen immer „private Termine“ sind.

Marco Rubio wiederum lächelt freundlich, versichert, er wolle selbstverständlich nur Außenminister bleiben. Gleichzeitig tritt er immer häufiger ins Rampenlicht. Man könnte meinen, in Washington gilt inzwischen das Motto: Wer am lautesten beteuert, nicht kandidieren zu wollen, hat bereits das Wahlkampfteam zusammengestellt.

Trump genießt das Schauspiel sichtlich. Mal lobt er Vance als „fantastisch“, mal bringt er Rubio ins Spiel, dann scherzt er über ein gemeinsames Ticket. Anschließend stellt er vorsichtshalber klar, das sei natürlich keine Empfehlung. Schließlich wäre es doch schade, wenn sich jemand zu früh entspannen würde.

Besonders spannend wird Vances Rolle bei den Gesprächen mit dem Iran gesehen. Läuft alles gut, war es natürlich Trumps geniale Strategie. Läuft etwas schief, weiß der Präsident angeblich jetzt schon, wer schuld ist: der Vizepräsident.

An der republikanischen Basis herrscht derweil leichte Orientierungslosigkeit. Viele würden Vance wählen. Andere Rubio. Wieder andere warten einfach darauf, bis Trump irgendwann den Daumen hebt – oder senkt. Denn im MAGA-Universum gilt bekanntlich: Eigene Meinung ist gut, Trumps Meinung ist besser.

Bis dahin bleibt die Nachfolgefrage offen. Und Trump? Der sitzt wie ein Jurychef bei einer Talentshow in der ersten Reihe, verteilt Lob, Seitenhiebe und Unsicherheit gleichermaßen – und sorgt dafür, dass alle Kandidaten weiter brav um seine Gunst kämpfen.

Denn eines ist in Trumps Welt sicher: Die Show endet erst, wenn er entscheidet, wer die nächste Staffel gewinnt.

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TheDigitalArtist (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Montag, 29.06.2026

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