Die pakistanische Menschenrechtsaktivistin und Ärztin Mahrang Baloch ist von einem Anti-Terror-Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Gemeinsam mit dem Aktivisten Sibghatullah Shah wurde sie wegen Terrorismus, Aufruhrs und Mordes im Zusammenhang mit dem Tod eines Angehörigen einer paramilitärischen Einheit während einer Protestaktion im Jahr 2024 schuldig gesprochen.
Beide weisen die Vorwürfe zurück und wollen gegen das Urteil Berufung einlegen.
Vom persönlichen Schicksal zur Symbolfigur
Für die heute 33-Jährige ist ihr Engagement eng mit ihrer eigenen Familiengeschichte verbunden. Ihr Vater, der politische Aktivist Abdul Ghaffar Langove, verschwand 2009 nach Angaben der Familie nach seiner Festnahme durch Sicherheitskräfte. Fast drei Jahre später wurde seine Leiche gefunden. Mahrang Baloch erklärte mehrfach öffentlich, ihr Vater sei gefoltert worden.
Dieses Erlebnis machte sie zu einer der bekanntesten Stimmen der Bewegung gegen das sogenannte „Verschwindenlassen“ von Menschen in der pakistanischen Provinz Belutschistan.
Menschenrechtsorganisationen werfen den pakistanischen Sicherheitsbehörden seit Jahren vor, tausende ethnische Belutschen ohne Gerichtsverfahren festgenommen oder verschleppt zu haben. Islamabad weist diese Vorwürfe zurück. Die Regierung erklärt, viele der Vermissten hätten sich separatistischen Gruppen angeschlossen oder das Land verlassen.
Belutschistan bleibt Konfliktregion
Belutschistan ist die flächenmäßig größte Provinz Pakistans und reich an Erdgas, Kohle, Kupfer und Gold. Gleichzeitig zählt die Region zu den wirtschaftlich schwächsten Landesteilen des Landes.
Seit Jahrzehnten kommt es dort immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen separatistischen Gruppen und den pakistanischen Sicherheitskräften. Besonders die als Terrororganisation eingestufte Balochistan Liberation Army (BLA) hat ihre Anschläge in den vergangenen Jahren verstärkt.
Parallel dazu beklagen Angehörige und Aktivisten seit Jahren zahlreiche Fälle verschwundener Personen. Verlässliche Zahlen existieren nicht. Während die pakistanische Regierung von rund 2.900 gemeldeten Fällen seit 2011 spricht, gehen Aktivisten von deutlich höheren Zahlen aus.
Friedlicher Protest oder Unterstützung von Separatisten?
Mahrang Baloch wurde durch den Zusammenschluss Baloch Yakjehti Committee (BYC) international bekannt. Die Organisation setzt sich nach eigenen Angaben gegen das Verschwindenlassen von Menschen, außergerichtliche Tötungen und für mehr Rechte der Bevölkerung Belutschistans ein.
Ihre Unterstützer sehen in ihr eine friedliche Menschenrechtsverteidigerin, die insbesondere den Angehörigen Vermisster eine Stimme gegeben habe.
Staatliche Stellen werfen ihr dagegen vor, Narrative zu verbreiten, die separatistischen Gruppen zugutekämen. Diese Vorwürfe hat Baloch stets zurückgewiesen.
Internationale Aufmerksamkeit
In den vergangenen Jahren führte Mahrang Baloch mehrere Protestmärsche an, darunter einen rund 1.600 Kilometer langen Marsch nach Islamabad. Dabei wurde sie mehrfach festgenommen.
2024 wurde sie in die BBC-Liste der „100 Women“ aufgenommen und 2025 für den Friedensnobelpreis nominiert. Das US-Magazin TIME zählte sie zudem zu den weltweit aufstrebenden Persönlichkeiten der „TIME100 Next“.
Familie kritisiert Verfahren
Die Familie der Aktivistin spricht von einem politisch motivierten Urteil und erhebt schwere Vorwürfe gegen das Verfahren.
Nach Angaben ihrer Schwester Nadia Baloch habe Mahrang keinen fairen Prozess erhalten. Unter anderem seien ihre Verteidiger ausgetauscht worden, sie habe keinen ausreichenden Zugang zu Zeugenaussagen erhalten und das Verfahren sei nicht transparent geführt worden.
Die pakistanischen Behörden weisen politische Motive zurück und betonen, dass sich das Verfahren ausschließlich auf strafrechtliche Vorwürfe beziehe.
Berufung angekündigt
Die Verteidigung will das Urteil vor höheren Gerichten anfechten. Unabhängig vom weiteren Verlauf dürfte der Fall international weiter aufmerksam verfolgt werden, da Mahrang Baloch inzwischen zu den bekanntesten Menschenrechtsaktivistinnen Pakistans zählt und ihr Schicksal weit über die Grenzen Belutschistans hinaus Beachtung findet.


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