36 Jahre mussten die Schotten auf diesen Moment warten. 36 Jahre ohne einen Sieg bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. Nun ist die lange Durststrecke endlich beendet.
Dank eines Tores von John McGinn besiegte Schottland Haiti mit 1:0 und feierte nicht nur den ersten WM-Erfolg seit 1990, sondern machte auch einen großen Schritt Richtung K.o.-Runde. Nach 28 Jahren Abwesenheit auf der größten Fußballbühne der Welt erlebt die Tartan Army wieder Momente, von denen ganze Generationen schottischer Fans nur träumen konnten.
Dabei war es keineswegs ein glanzvoller Auftritt.
Im Vorfeld hatte Nationaltrainer Steve Clarke für Diskussionen gesorgt. Die Entscheidung, John McGinn statt Ryan Christie in die Startelf zu stellen, bezeichnete er selbst als die schwierigste seiner Trainerlaufbahn. McGinn antwortete auf die beste mögliche Weise: mit dem entscheidenden Treffer.
Der Aston-Villa-Kapitän war nicht der überragende Spielmacher, nicht der dominierende Mann auf dem Platz. Aber er war dort, wo Schottland ihn brauchte. Als die Partie immer nervöser wurde und die Erinnerungen an frühere WM-Enttäuschungen wieder aufkamen, sorgte McGinn für den erlösenden Moment.
Dennoch dürfte Clarke wissen, dass seine Mannschaft sich steigern muss.
Haiti präsentierte sich mutig, aggressiv und kam immer wieder gefährlich vor das schottische Tor. Mehrfach musste Torhüter Angus Gunn eingreifen, während die Karibik-Auswahl zahlreiche Möglichkeiten ungenutzt ließ. Besonders in der Schlussphase hing der Ausgleich förmlich in der Luft.
Dass Schottland am Ende ohne Gegentor blieb, war ebenso wichtig wie glücklich.
Die größte Erkenntnis des Abends lautet daher: Das Ergebnis stimmt, die Leistung nur bedingt.
Während Ben Doak auf dem rechten Flügel immer wieder für frische Impulse sorgte und Scott McTominay mit einem Pfostenschuss Pech hatte, blieb die Offensive insgesamt überraschend blass. Che Adams und Lawrence Shankland hingen oft in der Luft und erhielten kaum verwertbare Zuspiele.
Doch bei Weltmeisterschaften zählt zunächst nur eines: gewinnen.
Und genau das hat Schottland getan.
Nach dem Remis zwischen Brasilien und Marokko führt die schottische Nationalmannschaft nun sogar die Gruppe C an. Vor den kommenden Duellen gegen Marokko und Brasilien hat sich die Ausgangslage deutlich verbessert. Ein weiterer Punkt könnte bereits reichen, um erstmals in der Geschichte des Landes die K.o.-Phase einer Weltmeisterschaft zu erreichen.
Die Euphorie in Schottland dürfte daher gewaltig sein.
Gleichzeitig bleibt die Warnung offensichtlich. Gegen Haiti reichte ein kämpferischer Auftritt und ein Tor von McGinn. Gegen Marokko und insbesondere gegen Brasilien wird das kaum genügen.
Für den Moment aber interessiert das die Fans nur wenig.
Nach Jahrzehnten des Wartens steht endlich wieder ein schottischer WM-Sieg in den Geschichtsbüchern. Und für eine Nacht darf die Tartan Army vom ganz großen Abenteuer träumen.


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