Nach gefühlt 37 Gipfeln, 128 Arbeitsgruppen, unzähligen Nachtschichten und vermutlich mehreren Tonnen Kaffee hat die Europäische Union einen bemerkenswerten Erfolg erzielt: Die Rechte von Flugpassagieren werden größtenteils nicht verschlechtert.
Die Einigung zwischen EU-Parlament und Mitgliedstaaten gilt bereits jetzt als kleines Wunder der europäischen Gesetzgebung. Schließlich stand zwischenzeitlich die Idee im Raum, dass Reisende künftig erst nach vier Stunden Verspätung Anspruch auf Entschädigung haben sollten. Offenbar kam jedoch jemand auf die revolutionäre Idee, dass vier Stunden Warten auf einem Flughafen möglicherweise doch nicht als Wellnessangebot betrachtet werden können.
Nun soll alles weitgehend beim Alten bleiben. Wer drei Stunden oder länger festhängt, kann weiterhin auf Entschädigungen hoffen. Die Beträge bleiben ebenfalls unverändert. Für Verbraucher ist das in Brüssel inzwischen fast schon eine sensationelle Nachricht: Man verliert nichts und bekommt sogar ein kleines Extra.
Denn zusätzlich sollen Fluggesellschaften künftig deutlicher erklären, welche Rechte Passagiere überhaupt haben. Ein mutiger Schritt. Jahrzehntelang galt die Information über Fluggastrechte schließlich als streng gehütetes Geheimwissen zwischen Anwälten, Verbraucherschützern und besonders hartnäckigen Geschäftsreisenden.
Auch beim Handgepäck soll mehr Transparenz geschaffen werden. Damit könnten Reisende künftig bereits vor der Buchung erfahren, ob ihr kleiner Rollkoffer als Gepäckstück, Luxusgut oder staatsgefährdender Gegenstand eingestuft wird.
Familien dürfen sich ebenfalls freuen. Die EU will verhindern, dass Eltern und Kinder künftig nur deshalb getrennt sitzen, weil der Sitzplatz neben dem Nachwuchs plötzlich als Premiumprodukt mit Aufpreis vermarktet wird.
Ganz ohne Einschränkungen geht es allerdings nicht. Entschädigungen gibt es weiterhin nur dann, wenn die Fluggesellschaft tatsächlich verantwortlich ist. Für außergewöhnliche Umstände sollen künftig genauere Regeln gelten. Das dürfte spannend werden. Schließlich reicht die Palette der bisherigen Begründungen von Unwettern über technische Probleme bis hin zu Ereignissen, die irgendwo zwischen höherer Gewalt und kreativem Management angesiedelt waren.
Noch steht die finale Abstimmung aus. Doch bereits jetzt feiern Politiker den Kompromiss als Sieg der Vernunft. Übersetzt bedeutet das: Nach jahrelangen Verhandlungen ist man zu dem Ergebnis gekommen, dass die bestehenden Regeln vielleicht doch gar nicht so schlecht waren.
In Brüssel nennt man so etwas Reform. Normale Menschen würden wahrscheinlich sagen: „Schön, dass ihr das nach 13 Jahren auch gemerkt habt.“


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