Manche Staatschefs schreiben Memoiren, andere halten Vorträge. Ex-Präsident Yoon Suk Yeol sammelt dagegen Gefängnisstrafen wie andere Leute Bonuspunkte im Supermarkt.
Der bereits wegen seines gescheiterten Putschversuchs und der Ausrufung des Kriegsrechts zu lebenslanger Haft verurteilte frühere Präsident Südkoreas wurde nun zu weiteren 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Vorwurf: Er soll Drohnen nach Nordkorea geschickt haben, um dort gezielt Ärger auszulösen.
Die Idee dahinter soll laut Staatsanwaltschaft gewesen sein, Nordkorea zu einer Reaktion zu provozieren, um anschließend einen nationalen Notstand auszurufen. Anders formuliert: Erst ein Feuerzeug ins trockene Gras werfen und anschließend als Feuerwehrchef auftreten.
Das Gericht zeigte sich von dieser Strategie wenig beeindruckt.
Außenpolitik nach dem Motto „Mal schauen, was passiert“
Laut den Richtern wurden die Drohnen im Oktober 2024 nach Nordkorea geschickt. Dort sollen sie Propagandamaterial über Pjöngjang verteilt haben. Offenbar hoffte man auf eine entsprechend gereizte Reaktion des Regimes von Kim Jong Un.
Die Rechnung war vermutlich einfach:
- Drohnen schicken.
- Nordkorea wird wütend.
- Krise ausrufen.
- Mehr Macht erhalten.
Das Problem: Die Realität hält sich oft nicht an politische PowerPoint-Präsentationen.
Der Plan ging ungefähr so gut auf wie ein Regenschirm unter Wasser
Nur wenige Wochen später verhängte Yoon tatsächlich das Kriegsrecht und erklärte, Südkorea müsse vor „staatsfeindlichen Kräften“ geschützt werden.
Die Bevölkerung reagierte darauf allerdings nicht mit Begeisterung, sondern mit Massendemonstrationen. Das Kriegsrecht wurde zurückgenommen, Yoon verlor sein Amt und landete schließlich dort, wo viele Politiker nie hinwollen: vor Gericht.
Und anschließend im Gefängnis.
Nordkorea als unfreiwilliger Nebendarsteller
Yoons Anwälte verteidigten das Vorgehen mit Verweis auf Nordkoreas berüchtigte Müllballons. Tatsächlich hatte das Regime damals Hunderte Ballons mit Abfall und Unrat über die Grenze geschickt.
Die Verteidigung argumentierte sinngemäß: „Die haben mit Müll geworfen!“
Das Gericht antwortete sinngemäß: „Und deshalb schicken Sie Drohnen nach Pjöngjang?“
Haftstrafe wächst schneller als Staatsverschuldung
Neben Yoon wurden auch mehrere frühere Militär- und Geheimdienstvertreter verurteilt. Die Richter kamen zu dem Schluss, dass die Aktionen das Risiko eines militärischen Konflikts deutlich erhöht hätten.
Yoon trage dabei die größte Verantwortung.
Damit wächst seine Strafbilanz inzwischen auf ein Niveau, bei dem Gefängnisplaner vermutlich bereits langfristige Renovierungsarbeiten einplanen können.
Fazit
Die Geschichte liest sich wie ein politischer Thriller, wurde aber von der Realität geschrieben:
Ein Präsident schickt Drohnen nach Nordkorea, hofft auf eine Krise, verhängt später das Kriegsrecht, verliert sein Amt und sammelt schließlich Gefängnisjahre in einer Geschwindigkeit, die selbst nordkoreanische Raketenprogramme neidisch machen könnte.
Die gute Nachricht für Südkorea: Die politische Krise ist vorbei.
Die schlechte Nachricht für Yoon: Seine Terminplanung für die nächsten Jahrzehnte ebenfalls.


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