Kaum wird es draußen wärmer, beginnt in Österreich eine liebgewonnene Tradition: Die Spekulationen über die Zukunft von Ralf Rangnick.
Diesmal kommt die Versuchung aus Mailand. Der AC Milan soll Interesse am ÖFB-Teamchef haben, und plötzlich herrscht im österreichischen Fußball wieder leichte Schnappatmung. Die Angst: Kaum hat man endlich wieder eine funktionierende Nationalmannschaft, könnte der Architekt des Erfolgs schon wieder verschwunden sein.
ORF-Experte Andreas Herzog sieht jedenfalls gewisse Anzeichen. Seine einfache Theorie:
Wer wirklich bleiben will, verlängert.
Wer nicht verlängert, lässt sich zumindest die Angebote von Bayern München, Borussia Dortmund oder AC Milan anhören.
Und seien wir ehrlich: Wenn alle paar Monate ein europäischer Spitzenklub anruft, geht vermutlich niemand mit den Worten ans Telefon: „Danke, aber ich bin gerade beschäftigt.“
Der Ball liegt bei Rangnick. Wie immer.
ÖFB-Präsident Josef Pröll erklärte zuletzt, der Ball liege aktuell bei Rangnick.
Das ist bemerkenswert.
Denn gefühlt liegt der Ball seit Monaten bei Rangnick.
Inzwischen dürfte der Ball dort bereits einen festen Parkplatz besitzen.
Währenddessen wartet ganz Fußball-Österreich auf eine Unterschrift, als würde es sich um die letzte Rose bei der „Bachelor“-Finale handeln.
Alaba: Nicht nur glücklich, sondern überglücklich
Nationalteam-Kapitän David Alaba machte die Stimmung innerhalb der Mannschaft deutlich.
Man sei mit Rangnick nicht nur glücklich, sondern sogar „überglücklich“.
Eine Formulierung, die im Fußball ungefähr der höchsten denkbaren Liebeserklärung entspricht.
Normalerweise sind Spieler schon zufrieden, wenn der Trainer sie aufstellt.
Mailand lockt mit Glasner
Zusätzliche Würze erhält die Geschichte durch Oliver Glasner.
Der Erfolgstrainer von Crystal Palace gilt ebenfalls als heißer Kandidat beim AC Milan.
Für Andreas Herzog wäre das fast schon eine Traumkombination.
Glasner kennt Rangnick.
Rangnick kennt Glasner.
Beide kennen Fußball.
Damit wären sie italienischen Vereinsführungen bereits einen entscheidenden Schritt voraus.
Milan sucht die Trendwende
Herzog sieht für Glasner den perfekten Zeitpunkt gekommen.
Milan spielt nicht Champions League.
Der Meistertitel wird nicht sofort erwartet.
Kurz gesagt:
Die Fans sind enttäuscht genug, um Geduld zu haben.
Zumindest für etwa drei Spieltage.
Danach beginnt in Italien bekanntlich wieder die übliche Trainerdiskussion.
Österreich zwischen Hoffnung und Nervosität
Während Milan also von einer neuen sportlichen Zukunft träumt, sitzt Österreich nervös vor dem Telefon und wartet auf ein Lebenszeichen von Rangnick.
Die Fans hoffen auf eine Verlängerung.
Die Spieler hoffen auf eine Verlängerung.
Der ÖFB hofft auf eine Verlängerung.
Und vermutlich hofft sogar der Platzwart in Wien auf eine Verlängerung.
Nur einer verrät weiterhin nicht, was er wirklich vorhat:
Ralf Rangnick.
Und genau deshalb wird die Gerüchteküche weiterlaufen.
Mindestens bis zum nächsten Anruf aus Mailand.
Oder München.
Oder Dortmund.
Oder von irgendeinem Klub, der gerade beschlossen hat, dass Erfolg vielleicht doch kein Zufall ist.

