Rechtsanwalt Nilas Linnemann warnt: „Bei Gold- und Investmentmodellen wie Aulicio Mining müssen Anleger extrem vorsichtig sein“

Rechtsanwalt Nilas Linnemann warnt: „Bei Gold- und Investmentmodellen wie Aulicio Mining müssen Anleger extrem vorsichtig sein“

Veröffentlicht

Sonntag, 17.05.2026
von Red. TB

Immer mehr Anleger geraten auf dubiose Investmentplattformen herein. Hohe Renditen, angeblich sichere Goldgeschäfte und exklusive Beteiligungen an Minenprojekten locken Tausende Menschen in riskante Modelle. Besonders im Fokus steht dabei immer wieder der Komplex rund um Aulicio Mining, GGMT und spätere Nachfolgefirmen.

Im Interview erklärt Rechtsanwalt Nilas Linnemann, woran Anleger problematische Investmentmodelle erkennen können, warum gerade Goldgeschäfte häufig missbraucht werden – und weshalb bei Konstruktionen mit langfristigen Lieferzusagen und hohen Rabatten höchste Vorsicht geboten ist.

„Hohe Renditen bei angeblich sicherem Gold sind ein Warnsignal“

Frage: Herr Linnemann, warum wirken Modelle wie Aulicio Mining oder ähnliche Gold-Investments auf viele Anleger überhaupt glaubwürdig?

Nilas Linnemann: Gold genießt seit Jahrzehnten den Ruf eines sicheren Sachwertes. Genau das machen sich Anbieter solcher Modelle zunutze. Wenn Anleger hören, dass ihr Geld angeblich durch physisches Gold oder Minen abgesichert sei, entsteht schnell ein Gefühl von Sicherheit. Kombiniert wird das dann häufig mit hohen Renditeversprechen oder massiven Rabatten auf den Goldpreis. Genau dort beginnt aber das Problem. Hohe Gewinne bei gleichzeitig angeblich minimalem Risiko sind fast immer ein Warnsignal.

„Bis zu 50 Prozent Rabatt auf Gold wirken wirtschaftlich kaum plausibel“

Frage: Im Fall von Aulicio Mining wurde Kunden Gold weit unter Marktpreis versprochen. Wie bewerten Sie das?

Nilas Linnemann: Aus juristischer und wirtschaftlicher Sicht muss man sich fragen, wie ein solches Modell dauerhaft funktionieren soll. Wenn Gold plötzlich 30, 40 oder sogar 50 Prozent günstiger angeboten wird als am Weltmarkt, braucht es dafür eine absolut nachvollziehbare wirtschaftliche Grundlage. Gerade bei langfristigen Liefermodellen besteht die Gefahr, dass neue Kundengelder benötigt werden, um alte Verpflichtungen zu bedienen. Genau deshalb schauen Ermittlungsbehörden bei solchen Konstruktionen sehr genau hin.

„Lange Lieferzeiten sind typisch für problematische Modelle“

Frage: Viele Anleger warteten offenbar Jahre auf ihr Gold. Ist das typisch?

Nilas Linnemann: Ja, das sieht man leider immer wieder. Die langen Wartezeiten schaffen Zeit für die Betreiber. Solange Kunden hoffen, später beliefert zu werden, fließt häufig weiteres Geld ins System. Problematisch wird es, wenn Lieferverzögerungen ständig mit neuen Ausreden erklärt werden – etwa mit Naturkatastrophen, Pandemien oder angeblichen Problemen bei Minenlizenzen. Irgendwann müssen sich Anleger dann die entscheidende Frage stellen: Existiert die wirtschaftliche Grundlage tatsächlich in der behaupteten Form?

„Netzwerk-Marketing erhöht den sozialen Druck“

Frage: Im Umfeld von GGMT und Aulicio Mining spielte offenbar auch Netzwerk-Marketing eine große Rolle.

Nilas Linnemann: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Viele Menschen investieren nicht wegen klassischer Werbung, sondern weil Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder das Produkt empfehlen. Dadurch sinkt die natürliche Skepsis erheblich. Netzwerkstrukturen erzeugen zusätzlich sozialen Druck und Vertrauen. Genau deshalb funktionieren solche Systeme oft sehr lange, obwohl bereits Warnzeichen sichtbar sind.

„Fehlende Transparenz ist eines der größten Probleme“

Frage: Welche Warnsignale sollten Anleger generell ernst nehmen?

Nilas Linnemann: Vor allem mangelnde Transparenz. Wenn es keine nachvollziehbaren Jahresabschlüsse, keine unabhängigen Prüfberichte oder keine belastbaren Produktionsnachweise gibt, sollten Anleger extrem vorsichtig werden. Gerade bei Rohstoffprojekten im Ausland ist eine objektive Überprüfung oft schwierig. Viele Anleger verlassen sich dann ausschließlich auf Präsentationen, Zoom-Calls oder Werbevideos. Das reicht natürlich nicht aus.

„Gold und Edelmetalle werden oft für Vertrauensaufbau genutzt“

Frage: Warum tauchen Gold und Edelmetalle so häufig bei problematischen Investments auf?

Nilas Linnemann: Weil Gold emotional stark besetzt ist. Viele Menschen verbinden damit Sicherheit, Krisenschutz und langfristigen Werterhalt. Betrügerische Systeme nutzen genau dieses Vertrauen. Dabei geht es häufig weniger um echtes Gold als um die Geschichte rund um das Gold. Anleger glauben, etwas Greifbares zu erwerben – tatsächlich investieren sie oft in schwer überprüfbare Vertragskonstruktionen.

„Social Media verstärkt die Gefahr massiv“

Frage: Welche Rolle spielen soziale Medien heute bei solchen Investments?

Nilas Linnemann: Eine enorme Rolle. Plattformen wie Instagram, TikTok oder Telegram ermöglichen es Anbietern, innerhalb kürzester Zeit tausende potenzielle Anleger emotional anzusprechen. Luxusbilder, Sport-Sponsoring, Prominente oder angebliche Erfolgsgeschichten erzeugen Glaubwürdigkeit. Gerade junge Anleger unterschätzen dabei häufig, wie professionell solche Systeme aufgebaut sein können.

„Anleger sollten bei unrealistischen Versprechen sofort misstrauisch werden“

Frage: Was raten Sie Menschen, die über Investments wie Aulicio Mining nachdenken?

Nilas Linnemann: Anleger sollten sich immer fragen:
Warum bekommt ausgerechnet ein Privatanleger ein Angebot, das angeblich deutlich besser ist als der Weltmarkt?
Warum gibt es hohe garantierte Gewinne?
Warum fehlen unabhängige Prüfungen?

Und ganz wichtig:
Wenn ein Modell kompliziert erklärt werden muss, ständig neue Partner auftauchen oder Verantwortlichkeiten verschoben werden, sollte man äußerst vorsichtig sein.

„Am Ende bleibt oft nur der Totalverlust“

Frage: Was erleben Sie in solchen Fällen am häufigsten?

Nilas Linnemann: Leider, dass viele Betroffene ihr Geld nie wiedersehen. Gerade internationale Konstruktionen mit Firmen in mehreren Ländern erschweren spätere Rückforderungen enorm. Deshalb ist Prävention so wichtig. Anleger sollten niemals investieren, nur weil Freunde begeistert sind oder schnelle Gewinne versprochen werden.

Denn am Ende zeigt sich leider immer wieder:
Wenn ein Investment zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es das meistens auch.

Bildnachweis:

geralt (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Sonntag, 17.05.2026

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