Iran-Krieg als Warnsignal: China analysiert die Schwächen und Stärken der USA

Iran-Krieg als Warnsignal: China analysiert die Schwächen und Stärken der USA

Veröffentlicht

Montag, 11.05.2026
von Red. TB

Der Krieg zwischen den USA und dem Iran wird in Peking mit höchster Aufmerksamkeit verfolgt. Für Chinas Militärstrategen ist der Konflikt längst mehr als ein regionaler Krieg im Nahen Osten – er gilt als mögliches Lehrstück für einen künftigen Konflikt zwischen China und den Vereinigten Staaten, etwa um Taiwan.

Militärexperten sehen dabei eine zentrale Erkenntnis: Selbst die modernste Armee der Welt ist verwundbar. Und jeder Gegner findet Wege, Schwächen auszunutzen.

Iran zeigt Grenzen amerikanischer Luftabwehr auf

Besonders aufmerksam analysiert China die amerikanischen Abwehrsysteme. Trotz Patriot- und THAAD-Raketenabwehr gelang es Iran mehrfach, mit vergleichsweise einfachen Mitteln Ziele zu treffen oder die Verteidigung zu überlasten.

Für den früheren chinesischen Luftwaffenoffizier Fu Qianshao ist das eine Warnung an die Volksbefreiungsarmee:

„Wir müssen unsere eigenen Schwachstellen erkennen und unsere Verteidigung deutlich verbessern“, sagte er CNN.

China hat in den vergangenen Jahren massiv in offensive Systeme investiert: Hyperschallraketen, Tarnkappenjets vom Typ J-20 und Langstreckenwaffen gehören inzwischen zum Arsenal Pekings. Doch beim Schutz kritischer Infrastruktur sehen viele chinesische Experten Nachholbedarf.

Denn der Iran-Krieg zeigt: Moderne Kriege werden nicht nur mit Hightech geführt. Auch günstige Drohnen und einfache Raketen können enorme Wirkung entfalten.

Taiwan im Fokus

Besonders genau verfolgt Taiwan die militärischen Entwicklungen. Denn ein möglicher Konflikt um die Insel gilt als das wahrscheinlichste Szenario für eine direkte Konfrontation zwischen China und den USA.

Taiwanische Analysten gehen davon aus, dass China im Ernstfall auf eine Mischung aus Präzisionsraketen und riesigen Drohnenschwärmen setzen würde.

Das Problem: China verfügt über eine gigantische industrielle Kapazität. Laut einer Analyse könnte die chinesische Wirtschaft innerhalb eines Jahres theoretisch Milliarden bewaffneter Drohnen produzieren.

Taiwans Verteidigung gilt dagegen noch immer als lückenhaft. Ein aktueller Bericht warnte zuletzt vor unzureichenden Abwehrsystemen gegen Drohnenangriffe auf Militärbasen und kritische Infrastruktur.

Der Krieg der Zukunft wird billig – und brutal

Die USA ziehen ebenfalls Lehren aus dem Iran-Krieg. Gerade billige Drohnen verändern moderne Kriege dramatisch.

US-Admiral Samuel Paparo erklärte bereits im Frühjahr, dass die Taiwanstraße im Konfliktfall mit tausenden Drohnen „gefüllt“ werden könnte – in der Luft, auf dem Wasser und unter Wasser.

Die Logik dahinter: Eine billige Drohne kann ein extrem teures Kriegsschiff oder Transportflugzeug zerstören. Für eine mögliche chinesische Invasion Taiwans wäre das ein enormes Risiko.

Der Iran-Krieg zeigt zudem, wie asymmetrische Kriegsführung selbst Supermächte unter Druck setzen kann. Die USA vermeiden es bislang weitgehend, größere Marineverbände dauerhaft durch die Straße von Hormus zu schicken – aus Sorge vor iranischen Angriffen.

China fehlt die wichtigste Erfahrung: echter Krieg

Ein weiterer Punkt beschäftigt Militäranalysten besonders: China fehlt praktische Kampferfahrung.

Die Volksbefreiungsarmee hat seit dem kurzen Krieg gegen Vietnam 1979 keinen großen militärischen Konflikt mehr geführt. Die USA dagegen verfügen über jahrzehntelange Einsätze im Irak, Afghanistan und anderen Krisengebieten.

Das bedeutet: Viele amerikanische Offiziere kennen reale Gefechtssituationen, improvisieren unter Druck und haben Erfahrungen mit schnellen Anpassungen auf dem Schlachtfeld.

Genau darin sehen Experten einen entscheidenden Vorteil der USA.

Der Militäranalyst Drew Thompson erinnert dabei an den Koreakrieg: Damals verfügte China zwar über moderne sowjetische MiG-15-Jets, dennoch waren amerikanische Piloten mit älteren Maschinen oft erfolgreicher – weil sie Kampferfahrung aus dem Zweiten Weltkrieg hatten.

Sein Fazit:
„Ein exzellenter Pilot in einem durchschnittlichen Flugzeug schlägt oft einen durchschnittlichen Piloten in einem Spitzenjet.“

Gefahr für die Weltwirtschaft

Der Iran-Krieg zeigt außerdem, wie schnell regionale Konflikte globale Folgen haben können. Die Bedrohung der Straße von Hormus ließ Energiepreise steigen und belastete internationale Lieferketten.

Für China ist das eine weitere Warnung: Ein Krieg um Taiwan würde sofort weltweite Handelswege, Energieversorgung und die globale Wirtschaft erschüttern.

Oder wie ein US-Experte es formulierte:
„Ein militärischer Erfolg bedeutet nicht automatisch ein politisches Ergebnis.“

Genau diese Lektion dürfte in Peking derzeit intensiv studiert werden.

Bildnachweis:

syafrani_jambe (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Montag, 11.05.2026

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