Der Konflikt zwischen US-Verteidigungsminister Pete Hegseth und dem demokratischen Senator Mark Kelly spitzt sich weiter zu. Nachdem Kelly öffentlich vor einer gefährlichen Schwächung der amerikanischen Waffenbestände gewarnt hatte, forderte Hegseth nun erneut eine Untersuchung gegen den ehemaligen Navy-Kapitän und Astronauten.
Auslöser waren Äußerungen Kellys im US-Sender CBS. Dort erklärte der Senator nach Pentagon-Briefings über Raketenbestände, darunter Tomahawk-Marschflugkörper, Patriot-Abwehrraketen und ATACMS-Systeme, er sei „schockiert“, wie stark die US-Arsenale bereits geleert seien.
„Wir haben enorme Mengen an Munition verbraucht. Das macht die amerikanische Bevölkerung weniger sicher“, sagte Kelly mit Blick auf den anhaltenden Krieg mit Iran. Besonders im Falle eines möglichen Konflikts mit China könne die aktuelle Lage problematisch werden.
Hegseth reagierte empört. Auf sozialen Netzwerken warf er Kelly vor, vertrauliche Inhalte aus Pentagon-Briefings öffentlich gemacht zu haben. „Hat er erneut seinen Eid verletzt?“, schrieb der Minister und kündigte an, die Rechtsabteilung des Verteidigungsministeriums werde den Fall prüfen.
Kelly konterte umgehend und veröffentlichte ein Video aus einer Senatsanhörung, in der Hegseth selbst eingeräumt hatte, dass es „Jahre dauern“ könne, bestimmte Waffenbestände wieder aufzufüllen. „Das ist keine geheime Information, sondern ein direktes Zitat von Ihnen“, schrieb Kelly.
Es ist bereits das zweite Mal, dass Hegseth gegen den Senator vorgeht. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Verteidigungsminister eine Untersuchung eingeleitet, nachdem Kelly US-Soldaten öffentlich dazu aufgerufen hatte, rechtswidrige Befehle nicht auszuführen. Kelly verklagte daraufhin das Pentagon und warf Hegseth politische Einschüchterung vor.
Der aktuelle Streit fällt in eine Phase wachsender Sorgen innerhalb des US-Militärs. Laut Berichten von CNN und Analysen des Center for Strategic and International Studies sollen die USA inzwischen erhebliche Teile ihrer modernen Raketenarsenale verbraucht haben. Demnach seien bereits rund die Hälfte der THAAD- und Patriot-Abwehrraketen sowie ein großer Teil moderner Präzisionswaffen eingesetzt worden.
Experten warnen deshalb zunehmend davor, dass die Vereinigten Staaten im Falle eines weiteren größeren Konflikts – etwa im Indopazifik – vor ernsthaften Nachschubproblemen stehen könnten.
Die politische Auseinandersetzung in Washington zeigt damit auch, wie sensibel die Debatte über die tatsächliche militärische Einsatzfähigkeit der USA inzwischen geworden ist.

