Der Krieg zwischen den USA, Israel und Iran entwickelt sich zunehmend zu einer wirtschaftlichen Katastrophe für die gesamte Golfregion. Was zunächst als militärischer Konflikt begann, trifft nun Energieversorgung, Tourismus, Finanzmärkte und Investitionsprogramme der reichen Golfstaaten mit voller Wucht.
Besonders dramatisch ist die Lage in Katar.
Angriff auf Katars Gaszentrum erschüttert Weltmarkt
Am 18. März traf eine iranische Rakete den gigantischen Ras-Laffan-Gaskomplex in Katar – das Herzstück der weltweiten LNG-Versorgung. Dort wird Flüssiggas produziert und verschifft, das unter anderem nach China und Asien geliefert wird.
Die Folgen sind enorm: Schätzungen zufolge fielen durch den Angriff rund 17 Prozent der weltweiten LNG-Kapazitäten aus.
Für den katarischen Staatskonzern QatarEnergy bedeutet das laut Experten einen möglichen Einnahmeverlust von rund 20 Milliarden Dollar pro Jahr. Die Reparaturen könnten drei bis fünf Jahre dauern.
Katars Energieminister sprach sogar davon, die Region sei durch den Angriff „um zehn bis zwanzig Jahre zurückgeworfen worden“.
Straße von Hormus wird zum globalen Problem
Hinzu kommt die Schließung der Straße von Hormus durch Iran. Normalerweise passieren dort rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports.
Für die Golfstaaten ist diese Route die wirtschaftliche Lebensader.
Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate versuchen inzwischen, alternative Pipelines zu nutzen. Doch diese können nur einen Bruchteil der bisherigen Exportmengen transportieren.
Die Internationale Energieagentur spricht bereits von der „größten Energiekrise der Geschichte“.
Milliardenverluste in der gesamten Golfregion
Laut aktuellen Schätzungen belaufen sich die Schäden in den Golfstaaten inzwischen auf rund 58 Milliarden Dollar. Über 80 Energieanlagen sollen seit Beginn des Krieges beschädigt worden sein.
Die Weltbank kappte deshalb ihre Wachstumsprognosen für den Nahen Osten drastisch. Statt eines erwarteten Booms droht nun eine schwere wirtschaftliche Abkühlung.
Besonders betroffen sind Katar und Kuwait. Saudi-Arabien und die Emirate gelten bislang als etwas robuster, weil Teile ihrer Exporte nicht direkt über Hormus laufen.
Doch auch dort steigen die Sorgen.
Dubai verliert Touristen und Investoren
Die Krise trifft längst nicht mehr nur den Energiesektor.
Dubai, das sich in den vergangenen Jahrzehnten als globales Tourismus- und Luxuszentrum inszenierte, spürt die Folgen massiv. Hotels melden sinkende Buchungen, Reiseveranstalter berichten von Stornierungen und Unternehmen schicken Mitarbeiter in unbezahlten Urlaub.
Der Welttourismusrat schätzt die täglichen Verluste der Region inzwischen auf rund 600 Millionen Dollar.
Damit geraten auch die milliardenschweren Diversifizierungsstrategien der Golfstaaten unter Druck. Saudi-Arabien und die Emirate wollten sich eigentlich als globale Zentren für KI, Sport, Unterhaltung und Technologie etablieren.
Nun müssen viele Staaten plötzlich darüber nachdenken, ob sie stattdessen ihre eigene Infrastruktur und Wirtschaft stabilisieren müssen.
Zweifel an Milliardeninvestitionen in den USA
Hinter den Kulissen wächst offenbar auch die Skepsis gegenüber den Vereinigten Staaten. Einige Analysten gehen davon aus, dass Golfstaaten ihre gigantischen Investitionen in den USA künftig kritischer prüfen könnten.
Denn viele Regierungen der Region fühlen sich inzwischen direkt in einen Konflikt hineingezogen, dessen wirtschaftliche Folgen sie selbst tragen müssen.
Gleichzeitig droht eine weitere Entwicklung: Länder wie Syrien, Libanon oder Gaza, die auf Finanzhilfen aus den Golfstaaten angewiesen sind, könnten künftig deutlich weniger Unterstützung erhalten.
Die Unsicherheit bleibt
Das größte Problem aber bleibt die Unsicherheit. Selbst bei einer Waffenruhe wäre die wirtschaftliche Erholung schwierig. Investoren, Märkte und Unternehmen rechnen inzwischen mit einem dauerhaft instabilen Nahen Osten.
Und genau das könnte langfristig deutlich gefährlicher werden als die unmittelbaren Kriegsschäden selbst.

