Es war eigentlich nur eine trockene Anhörung im australischen Senat. Doch dann stellte ein Regierungsbeamter einen Satz klar, der das Land seit Wochen beschäftigt:
Australien nimmt mehr Steuern durch Bier ein als durch seine gigantischen Gasexporte.
Seitdem explodiert die Debatte.
Denn Australien gehört zu den größten Gasexporteuren der Welt – kassiert dafür aber vergleichsweise erstaunlich wenig. Während Biertrinker Milliarden in die Staatskasse spülen, zahlen internationale Energiekonzerne auf ihre Offshore-Geschäfte oft nur minimale Abgaben.
Man könnte auch sagen:
Der durchschnittliche Australier finanziert den Staat inzwischen zuverlässiger mit Lagerbier als globale Gasriesen mit Milliardenumsätzen.
Die Bierfrage wird zum politischen Sprengsatz
Der Satz des unabhängigen Senators David Pocock ging viral. Millionen klickten das Video, in dem er fassungslos fragt:
„Wie kann es sein, dass wir mehr Steuern auf Bier bekommen als auf Gasexporte?“
Seitdem wächst der Druck auf Premierminister Anthony Albanese, eine neue Exportsteuer auf Gas einzuführen.
Vorgeschlagen werden 25 Prozent.
Laut Berechnungen könnte das jährlich rund 17 Milliarden australische Dollar einbringen.
Die Idee findet zunehmend Zustimmung – quer durch das politische Spektrum.
Australien verkauft Rohstoffe – andere kassieren
Besonders bitter für viele Australier:
Japan nimmt durch die Besteuerung australischer Gasimporte teilweise mehr Geld ein als Australien selbst durch die Förderung.
Das wirkt ungefähr so, als würde jemand dein Haus verkaufen und dir danach großzügig einen kleinen Teil des Erlöses zurückgeben.
Genau dieses Bild verwendete übrigens ein ehemaliger Finanzstaatssekretär, der die aktuelle Gaspolitik als historischen Fehlgriff bezeichnete.
Viele vergleichen Australien inzwischen mit Norwegen.
Beide Länder sind rohstoffreich.
Norwegen baute aus seinen Öl- und Gaseinnahmen einen gigantischen Staatsfonds von rund zwei Billionen Dollar auf.
Australien dagegen verfügt nur über einen Bruchteil davon.
Entsprechend wächst im Land das Gefühl:
Wir sitzen auf enormem Reichtum – aber andere verdienen daran deutlich besser.
Die Energiekonzerne warnen – wie immer
Die Gasindustrie reagiert erwartbar alarmiert.
Unternehmen wie Shell oder Chevron warnen vor „unsicheren Investitionsbedingungen“, gefährdeten Arbeitsplätzen und Schäden für den Energiemarkt.
Das gehört inzwischen weltweit zum Standardrepertoire jeder Branche, sobald höhere Abgaben diskutiert werden:
Steuern führen angeblich sofort zum wirtschaftlichen Weltuntergang.
Tatsächlich profitieren die Konzerne in Australien von äußerst großzügigen Abschreibungsregeln. Hohe Investitionskosten können über Jahre steuerlich geltend gemacht werden.
Das Ergebnis:
Selbst milliardenschwere Projekte zahlen oft erstaunlich wenig tatsächliche Abgaben.
Shell zahlte auf einem der größten Gasprojekte Australiens zuletzt rund 109 Millionen Dollar Steuern – bei Einnahmen von 2,5 Milliarden.
Für normale Steuerzahler wirkt das ungefähr so glaubwürdig wie ein Milliardär, der behauptet, gerade leider knapp bei Kasse zu sein.
Die Regierung laviert
Premierminister Albanese versucht derweil, die Debatte abzuwürgen.
Die Vergleiche mit der Biersteuer seien „komplette Fantasie“, erklärte er. Schließlich zahle die Branche insgesamt Milliarden an Steuern.
Gleichzeitig betont die Regierung, man dürfe internationale Investoren nicht verschrecken – gerade mitten in einer globalen Energiekrise.
Kritiker halten dagegen:
Andere Länder ändern ebenfalls ständig ihre Regeln. Selbst Donald Trump verhängt inzwischen spontan Zölle gegen halbe Kontinente.
Die Vorstellung, große Konzerne würden wegen einer zusätzlichen Steuer sofort fluchtartig verschwinden, halten viele Ökonomen inzwischen für überholt.
Oder wie ein Professor trocken formulierte:
„Wo sollen sie denn hin?“
Das eigentliche Problem: Wem gehören die Rohstoffe?
Im Kern geht es um eine grundsätzliche Frage:
Wer profitiert eigentlich vom natürlichen Reichtum eines Landes?
Die Bürger?
Oder vor allem internationale Konzerne?
Dass ausgerechnet Bier nun zum Symbol dieser Debatte geworden ist, passt fast schon perfekt zur australischen Mentalität.
Denn selten wurde ein kompliziertes Steuerproblem so verständlich erklärt wie mit dem simplen Satz:
Australien verdient mehr an Kneipen als an seinem Gas.

