China hat Iran dazu aufgerufen, die Straße von Hormus „so schnell wie möglich“ wieder zu öffnen. Außerdem müsse dringend ein dauerhafter Waffenstillstand erreicht werden.
Das klingt zunächst überraschend friedlich für eine Weltlage, in der ansonsten alle Beteiligten hauptsächlich mit Raketen, Sanktionen oder Großmachtrhetorik beschäftigt sind.
Doch hinter Pekings diplomatischer Besorgnis steckt vor allem ein sehr simples Interesse:
Öl.
Sehr viel Öl.
Denn rund zwölf Prozent der chinesischen Rohölimporte stammen aus Iran – und ein erheblicher Teil des weltweiten Energiehandels läuft durch die Straße von Hormus. Oder besser gesagt:
lief.
Denn seit Beginn des Iran-Kriegs ist die Meerenge ungefähr so frei passierbar wie eine Autobahn mitten durch ein Minenfeld.
Chinas Außenpolitik: Vermitteln, aber bitte ohne Stress
Bei einem Treffen in Peking erklärte Außenminister Wang Yi seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi, ein umfassender Waffenstillstand habe höchste Priorität.
Außerdem sei es wichtig, die Verhandlungen fortzusetzen.
Das ist die chinesische Standardformel für:
„Bitte beruhigt euch wieder – unsere Wirtschaft wird sonst nervös.“
China versucht seit Beginn des Konflikts die Rolle des verantwortungsvollen Vermittlers einzunehmen. Möglichst neutral, möglichst diplomatisch und vor allem möglichst weit entfernt von jeder direkten militärischen Beteiligung.
Eine Art geopolitischer Moderator mit Taschenrechner.
Trump, Xi und die große Weltbühne
Das Treffen findet kurz vor dem geplanten Gipfel zwischen Donald Trump und Xi Jinping statt. Dort dürfte der Iran-Krieg eines der wichtigsten Themen werden.
Trump behauptete zuletzt bereits demonstrativ, China fordere die USA nicht heraus – „wegen mir“, wie er erklärte.
Solche Aussagen wirken inzwischen wie eine Mischung aus außenpolitischer Analyse und Wrestling-Promo.
Tatsächlich dürfte Peking allerdings schlicht vermeiden wollen, dass der Konflikt weiter eskaliert und die Weltwirtschaft noch stärker belastet.
Denn steigende Ölpreise, blockierte Handelsrouten und permanente Unsicherheit sind selbst für autoritäre Supermächte wirtschaftlich unangenehm.
Iran lobt China – weil man gerade jeden Partner braucht
Iran wiederum betont inzwischen demonstrativ die enge Zusammenarbeit mit China.
Das überrascht wenig:
Teheran steht wirtschaftlich massiv unter Druck, viele Exportwege sind blockiert, und Peking gehört zu den letzten wirklich großen Abnehmern iranischen Öls.
Entsprechend höflich fällt derzeit der Ton aus.
Man könnte auch sagen:
Wenn westliche Sanktionen drücken, wird selbst geopolitische Freundschaft plötzlich sehr herzlich.
Die Straße von Hormus bleibt das globale Nadelöhr
Im Zentrum aller Gespräche steht weiterhin die Straße von Hormus – jener schmale Wasserweg, durch den normalerweise etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels läuft.
Seit den gegenseitigen Blockaden durch Iran und die USA herrscht dort allerdings Dauerkrise.
China nennt die amerikanische Seeblockade inzwischen „gefährlich und unverantwortlich“.
Washington wiederum betrachtet Irans Kontrolle über die Meerenge als strategische Erpressung.
Die Weltwirtschaft sitzt damit gewissermaßen zwischen zwei Atommächten, mehreren Kriegsschiffen und sehr empfindlichen Benzinpreisen fest.
Frieden aus Überzeugung? Eher aus wirtschaftlicher Notwendigkeit
Peking präsentiert sich zwar gerne als Stimme der Vernunft. Doch letztlich zeigt die aktuelle Diplomatie vor allem eines:
Wenn globale Lieferketten und Energiepreise bedroht sind, entdecken plötzlich alle Großmächte ihre Leidenschaft für Frieden und Stabilität.
Zumindest solange der Ölfluss nicht versiegt.

