Der Mann, der die Welt live sehen ließ
Ted Turner ist tot. Der Gründer des Nachrichtensenders CNN starb im Alter von 87 Jahren im Kreis seiner Familie. Mit ihm verliert die Medienwelt eine ihrer schillerndsten, widersprüchlichsten und einflussreichsten Figuren – einen Mann, der das Fernsehen revolutionierte und die moderne Nachrichtenkultur erfand.
Als Turner am 1. Juni 1980 CNN startete, hielten viele seine Idee für absurd. Ein Fernsehsender, der rund um die Uhr nur Nachrichten sendet? Wer solle das sehen wollen? Doch Turner glaubte an eine Zukunft permanenter Information. Nachrichten, so seine Überzeugung, dürften nicht länger an feste Uhrzeiten gebunden sein. Die Welt sollte sich live beobachten lassen.
Er behielt recht.
Spätestens während des Golfkriegs 1991 wurde CNN zum globalen Leitmedium. Millionen Menschen verfolgten die Bombardierung Bagdads in Echtzeit – ein Moment, der das Fernsehen veränderte. Von da an wurden Kriege, Katastrophen und historische Ereignisse live erlebt. Turner hatte nicht nur einen Sender gegründet. Er hatte eine neue Wahrnehmung der Welt geschaffen.
Geboren wurde Robert Edward Turner III 1938 in Cincinnati. Seine Kindheit war geprägt von Härte, Leistungsdruck und familiären Tragödien. Der Vater schlug ihn, die Schwester starb früh nach schwerer Krankheit, später nahm sich der Vater das Leben. Turner war erst 24 Jahre alt, als er dessen Werbefirma übernehmen musste. Vielleicht begann dort jener rastlose Ehrgeiz, der ihn sein Leben lang antreiben sollte.
Aus kleinen Radiostationen machte er ein Medienimperium. Mit WTBS schuf er den ersten nationalen Kabelsender der USA. Später kamen TNT, Cartoon Network und Turner Classic Movies hinzu. Doch CNN blieb sein eigentliches Lebenswerk. Turner lebte zeitweise im Sendergebäude, schlief auf einem Sofa in seinem Büro und mischte sich nachts im Bademantel unter Redakteure und Techniker. Mitarbeiter beschrieben ihn als unberechenbar, impulsiv und fordernd – aber auch als jemanden, der größer dachte als alle anderen.
Turner war nie nur Unternehmer. Er verstand sich als Weltverbesserer, manchmal missionarisch, oft größenwahnsinnig. Er spendete eine Milliarde Dollar an die Vereinten Nationen, engagierte sich gegen Atomwaffen und für den Umweltschutz. Auf seinen riesigen Ranches zog er zehntausende Bisons auf und half dabei, die Tiere vor dem Verschwinden zu bewahren.
Gleichzeitig blieb er eine zutiefst widersprüchliche Figur: laut, egozentrisch, verletzlich. Sein Privatleben verlief turbulent. Die Ehe mit Schauspielerin Jane Fonda machte ihn endgültig zur öffentlichen Figur weit über die Medienbranche hinaus. Nach der Trennung sprach Turner offen über seinen Schmerz und seine Einsamkeit.
In den letzten Jahren zog er sich zunehmend zurück. 2018 machte er seine Lewy-Körper-Demenz öffentlich. Dennoch blieb sein Name untrennbar mit CNN verbunden – jenem Sender, der aus einer belächelten Idee eine globale Institution machte.
Ted Turner hinterlässt nicht nur ein Medienunternehmen. Er hinterlässt eine Welt, die gelernt hat, in Echtzeit zu leben.

